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Kirchgemeinde Döbbersen : Orgel-Retter händeringend gesucht

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Die Orgel der Kirche in Döbbersen ist schon lange verstummt. Das soll sich ändern. Das historische Musikinstrument von 1878 soll saniert werden, doch es fehlt rund 20 000 Euro.

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erstellt am 02.Okt.2012 | 12:41 Uhr

Döbbersen | "Ich habe diese Orgel als Kind noch gehört und möchte ihre musikalische Pracht noch einmal wieder erleben", sagt Jürgen Prösch. Der 61-Jährige hat seit dem fünften Lebensjahr die Großeltern in in der heutigen 55-Seelen-Gemeinde Döbbersen regelmäßig besucht. Der gebürtige Wittenburger ist heute aktives Kirchgemeindemitglied und immer noch fasziniert von dem um 1255 geweihten romanischem Gotteshaus, das einen gotischen Einschlag aufweist. 1878 erhielt die Kirche eine Orgel des deutschen Baumeisters und gebürtigen Hagenowers Johann Heinrich Runge.

"Heute ist an dieser Orgel alles kaputt, was kaputt sein kann. Sie ist nicht mehr spielbar", berichtet Pastorin Judith Braun. Die 60-Jährige betreut seit 1990 die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Vitus mit rund 900 Kirchgemeindegliedern, die in den Dörfern Döbbersen, Raguth, Drönnewitz, Tessin, Boddin, Woez, Bentin, Badow, Söhring und Stöllnitz zu Hause sind. 1971 sei die Orgel letztmals saniert worden. "Damals mussten einige Register rausgenommen werden. Die Überarbeitung ist vor über 40 Jahren jedoch sehr schlecht gemacht worden." Rund 70 000 bis 80 000 Euro seien für eine fachgerechte Aufarbeitung nötig. Doch das Land habe sich aus der Drittelfinanzierung zurückgezogen. "Wir als Kirchgemeinde haben das Drittel fast zusammen, die Landeskirche würde ein weiteres Drittel beisteuern", berichtet die Seelsorgerin weiter.

Nun hat sie sogar an die Gemeinde Wittendörp einen Brief geschrieben, in dem sie anfragt, ob die Kommune sich nicht mit etwa 20 000 Euro an der Sanierung der Orgel beteilige könne. Judith Braun: "Wenn wir von dort eine Absage erhalten, wird uns nichts weiter übrig bleiben, als weiter zu betteln, zum Beispiel beim Landkreis oder bei privaten Spendern." Denn auch trotz einiger Benefizkonzerte für die Sanierung der Orgel, fehle eben noch Geld. Und eine Orgel gehöre nun mal in diese alte Dorfkirche. "Kirche hat auch einen Bildungsauftrag", ist sich die Christin absolut sicher. Ansonsten sei die einstige Benediktinerinnen-Kirche durchsaniert, betont die Pastorin. So habe sie einen neuen Kirchturm erhalten und sei über einem Meter aus der Erde gegraben worden, um sie trocken zu legen. "Der Boden wächst nämlich über die Jahrhunderte und früher stand hier auf dem Hügel eine slawische Burg."

Um sich weitere mögliche Geldquellen zu erschließen, so jedenfalls die Idee der Döbbersener, soll die Andachtsstätte nicht nur für Trauungen und Taufen sondern beispielsweise auch für Silberne und Goldene Hochzeiten sowie Konzerte geöffnet werden. Einen weiteren Anziehungspunkt in dem ehrwürdigen Gemäuer gibt es ebenfalls. In der St.-Vitus-Kirche zu Döbbersen wurde nämlich eine kleine, zarte Wandmalerei aus dem 13. Jahrhundert entdeckt und wieder freigelegt. Es handelt sich um eine Darstellung von Georg dem Drachentöter.

Das besondere und einmalige an dieser Zeichnung ist: "Sie wurde nie übermalt und so können wir die Originalfarbgebung von der über 700 Jahren sehen. Und wer nah genug an diese Bilder herangeht, kann viel entdecken", schwärmt die Pastorin.

Und hofft inbrünstig, dass die so dringend notwendige Sanierung der historischen Runge-Orgel schon bald beginnen könne. Wer helfen möchte, sie mit auf den Weg zu bringen, möge sich gern an sie wenden.

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