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Marsow: Nach teurer Restauration folgt die Abnahme : Orgel-Prüfer zieht alle Register im Land

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Ihm entgeht nichts. Kein Fehler, kein schiefer Ton, kein falscher Handgriff. Denn "Generationen werden das nach uns sehen", sagt Friedrich Drese. Deshalb zieht der Prüfer auch alle Register.

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 10:49 Uhr

Marsow | Ihm entgeht nichts. Kein Fehler, kein schiefer Ton, kein falscher Handgriff. Denn "Generationen werden das nach uns sehen", sagt Friedrich Drese. Deshalb zieht der Prüfer auch alle Register - im kleinen Marsow und ganz Mecklenburg-Vorpommern. Er ist Orgelsachverständiger der mecklenburgischen Landeskirche, forscht und setzt sich für den Erhalt der historischen Instrumente ein. Um die 600 gibt es im Land, ein großer Teil sei bereits saniert. Die Marsower gehört jetzt dazu. Der Holzwurm ist bekämpft, die schwierige Restauration (SVZ berichtete) geschafft. Friedrich Drese ist zur Abnahme in die Feldsteinkirche angereist, denn am 3. Oktober soll die Orgel in einem Festgottesdienst eingeweiht werden.

Ein erster Blick auf die Pros pektpfeifen, ein zweiter zum Vergleich auf ein Originalbild. Diese vorderen Pfeifen sind aus Metall und für jeden sichtbar. Um 1917 seien sie aus fast allen deutschen Orgeln ausgebaut, eingeschmolzen und zu Kriegsmunition verarbeitet worden, so der Fachmann, der das Orgelmuseum in Malchow leitet. Nach Kriegsende hätten viele Gemeinden wieder investiert, sie erneuert. In Marsow fehlen sie fast 100 Jahre.

Ein weiterer Blick auf Tasten und Register. Einige sind nur schwer zu ziehen. Die Feuchtigkeit in der Kirche, die Bewegung im Holz, vermutet Restaurator Johann-Gottfried Schmidt. Auch der Rostocker ist bei der Abnahme dabei und notiert jeden Mangel. "H1 ist nicht so überzeugend. Zu schwach", sagt Friedrich Drese nach der ersten Klangprobe. Der Organist improvisiert eigentlich gern. Bei Abnahmen spielt er aber nach Literatur. "Dann nehme ich die Orgel anders wahr", begründet er. Der Prüfer will keinen Fehler übersehen. "Das rauscht so. Was ist das?", fragt er. Wieder und wieder quält sich der Ton aus der Pfeife. Gemeinsam schauen sie, woran es liegen könnte. "Da kann man mit Kernstichen noch was tun", vermutet Drese. Restaurator Schmidt zückt Pfeile und Handschuh und setzt an der Pfeifenöffnung an, um schon mal die Wölbung zu verändern. Für ihn sei die Aufarbeitung eine Herausforderung gewesen. Zum einen wegen der beiden Handschriften - Orgelbauer Friedrich Friese starb vermutlich während des Baus dieser Orgel, danach setzte Marcus Runge die Arbeit fort. Zum anderen wegen des starken Wurmbefalls. Die Marsower Orgel sei besonders angegriffen wissen, so Johann-Gottfried Schmidt. "Eigentlich unüblich." Vor allem die Windlade und die Ventile. "Es war nicht leicht, das wieder dicht zu bekommen."

Prüfer Friedrich Drese ist trotz kleinerer Fehler zufrieden. "Die Luft ist stabil. Das ist wichtig." Die Spielbarkeit sei sehr angenehm mit schönen Registerkombinationen. Auch beim Blick ins Innere der Orgel mit den 309 Pfeifen kaum Beanstandungen. Die Feinheiten will der Restaurator bis zum 3. Oktober ausbügeln.

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