Konau : Oper mit Frosch, vierhändig

Menno van Delft (l.) und Guillermo Brachetta.
Menno van Delft (l.) und Guillermo Brachetta.

Menno van Delft und Guillermo Brachetta präsentierten in Konau 25 Schätze aus der Notenkiste des Barocks

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24. August 2015, 14:23 Uhr

Götter können ganz schön fies sein. Das wurde den Zuhörern des jüngsten Konzerts in Konau schnelle klar und das bekommt auch Platée zu spüren, die aufgrund ihrer Einfältigkeit sowieso von allen gemobbt wird. Göttervater Jupiter macht der Nymphe, die auf der untersten Stufe der kosmischen Ordnung steht, einen Heiratsantrag – nur um seine eigene Frau Juno eifersüchtig zu machen. Dass Jupiter die Nymphe gar nicht heiraten will, wissen alle, nur nicht Platée, die der hässlichste Frosch im ganzen göttlichen Sumpf ist.

Aus der Geschichte vom verschmähten Frosch machte der französische Komponist Jean-Philippe Rameau 1745 eine sehr erfolgreiche komische Oper, entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack mit vielen Tanzeinlagen und illustrem Personal. Der argentinische Spezialist für historische Tasteninstrumente und Musikforscher Guillermo Brachetta hat Rameaus Oper für zwei Cembali arrangiert. Am Samstag stellte er gemeinsam mit seinem Duo-Partner Menno van Delft diese Fassung einem begeisterten Publikum in Konau 25 vor.

„Rameaus Oper gehört zu meinen Lieblingswerken. Ihr verdanke ich eine meiner ersten prägenden Begegnungen mit alter Musik“, begründet Guillermo Brachetta seine Wahl, dann tanzen vier Hände über die vier Manuale der beiden Cembali. Dass es an diesem Nachmittag keine leibhaftigen Balletttänzer in Konau zu sehen gibt, macht gar nichts: Die beiden Musiker versprühen in ihrem Spiel so viel Witz, Eleganz, Charme, Brillanz und Virtuosität, dass das Hörerlebnis jede Opernbühne übertreffen kann.
Einen ganz anderen Schatz aus ihrer Notenkiste heben Menno van Delft und Guillermo Brachetta speziell für die Konzertbesucher aus dem Amt Neuhaus mit dem Konzert für Cembalo und Orchester von Johann Gottfried Müthel (1728-1788). Müthels Großvater Hans Peter (geboren 1664) stammte aus Dellien und genoss als Hoftrompeter eine umfangreiche musikalische Ausbildung im sächsisch-lauenburgischen Schloss in Neuhaus bevor die Musikerfamilie, deren ehemaliges Wohnhaus noch in der Neuhauser Bahnhofsstraße steht, nach Mölln weiterzog. Johann Gottfried Müthel gilt als experimentierfreudiger Exzentriker unter den Komponisten zwischen Barock und Klassik, für sein Cembalo-Konzert schreibt er beispielsweise im Orchestersatz zwei damals überaus unübliche Fagotte als Begleitung vor. Dieses Konzert hat Guillermo Brachetta ebenfalls in eine „Sparfassung“ für zwei Cembali gesetzt. „Dieser Mann hat ein ganzes Orchester in seinen zehn Fingern“, scherzt Menno van Delft, der den Solo-Part des Konzertes spielt, über seinen Kollegen Guillermo Brachetta am „Orchester-Cembalo“.

Freunde der Barockmusik dürfen gespannt sein, welches außergewöhnliche Konzert sie im kommenden Jahr erwartet. Dann feiert der Verein „Konau 25 – Frohe Zukunft“ um Saskia Kuntzsch-Zschoch sein 15-jähriges Bestehen. Menno van Delft, der seit dem Jahr 2010 regelmäßiger Gast in Konau ist, hat bereits zugesagt, erneut mit einem Auftritt beim Jubiläum dabei zu sein.

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