zur Navigation springen

Landgestüt Redefin : Opa und Enkel im legendären Gespann

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Kein Gestüt in Deutschland bringt soviele Hengste unter einen Hut wie Redefin / Der 16-Spänner ist über all die Jahre Wahrzeichen und Abenteuer geblieben

von
erstellt am 05.Sep.2014 | 14:44 Uhr

Urplötzlich geht es los, der Leithengst „Mondras“, ganz vorn rechts eingespannt, zieht an, alle anderen 15 Pferde machen sofort mit. Und gleich nimmt ein deutschlandweit einmaliges Gespann ziemlich schnell seine Fahrt auf. Auf dem Kutschbock Hans-Joachim Frahm, mit einem ganzen Bündel an Zügeln in den erfahrenen Händen. Frahm ist hoch konzentriert und doch souverän. Zügig, aber doch auch elegant, erreicht das Gespann mit den 16 Pferdestärken die erste Kurve und ist auch schon aus dem Blickfeld verschwunden.

Ungewöhnlich ist, dass in diesem Jahr in diesem Gespann praktisch Großvater und Enkel einen Wagen ziehen. Und beides sind Mecklenburger Hengste. Ganz vorn der Opa, der 20-jährige Hengst „Mondras“. Er ist der beste Partner des Gespannführers. Selbst in seinem hohen Alter ist er auch optisch ein Vorzeigehengst. Doch für den Erfolg des Gepanns sind seine Charakterfestigkeit und Zuverlässigkeit noch wichtiger. Und „Mondras“ hat viel Erfahrung im Gespannfahren. Vier Reihen weiter hinten läuft der ebenfalls stattliche vierjährige Hengst „Radetzky“ mit. Seine Mutter ist eine Tochter von „Mondras“. Das junge Tier läuft damit dem Großvater hinterher. Und das sehr diszipliniert, wie die Generalprobe zeigte. „Er hat vom Opa nicht nur dass Stattliche mitbekommen. Es ist schon erstaunlich, dass dieser Hengst als einer der Jüngsten überhaupt im Gepann mitläuft. Und das ohne mit der Wimper zu zucken“, lobt die Gestütschefin Antje Kerber das junge Tier. Dieses Gefährt ist nur etwas für sehr erfahrene Lenker. Frahm ist das mit Sicherheit, erst in dieser Woche hat er sein 40-jähriges Dienstjubiläum im Gestüt mit den Kollegen gefeiert. Die Verantwortung für das Vorzeige-Gespann des Gestütes hat er bereits seit 1983. Es ist nicht allein die Zahl der Pferde, die den Redefiner 16-Spänner so berühmt gemacht hat. „Hier laufen viele Hengste zusammen in einem Gespann. Das geht eigentlich gar nicht, wegen der enormen natürlichen Rivalität, die sonst unter Hengsten herrscht“, erklärt Gestütsleiterin Antje Kerber. Große Mehrspänner hätten auch andere Gestüte zu bieten. Neustadt-Dosse bietet zum Beispiel einen 20-Spänner auf, in dem allerdings „nur“ Stuten laufen. Das Redefiner Gespann dieses Jahres besteht aus neun Hengsten und sieben Wallachen, die gemeinsam zwei Runden auf dem Paradeplatz drehen. Kerber: „Das gibt es so nur bei uns. Wer so etwas in Deutschland sehen will, der muss nach Redefin kommen.“ Es ist das Bild gezähmter Urgewalt, das auch den Laien erfasst, wenn dieser gewaltige aber doch elegante Zug ganz dicht an einem vorbeifährt. Auch auf dem weichen Boden spürt man die Gewalt der im Takt trommelnden Hufe, das Schnauben, hört die halblauten Kommandos. Und dann ist das Gespann schon vorbei. Der Wagen ist vollbesetzt. Nicht, weil die Männer und Frauen vom Gestüt mal die Fahrt genießen wollen. Die große Besatzung ist nötig, falls unterwegs doch etwas passiert. In dem Fall muss schnell eingegriffen werden. Zwei Mann reichen da nicht.

Jedes Jahr werden die 16 Pferde, die zusammen den vergleichsweise zierlichen Wagen ziehen sollen, neu zusammengestellt. Das passiert unter der Verantwortung von Dieter Brüsch und Hans-Jochim Frahm. Außerhalb der Paradezeiten leiten sie die EU-Besamungsstation des Gestütes. Brüsch ist während der Paraden auch für alle Fahrgeschäfte verantwortlich. 2014 wird das letzte Jahr für ihn in dieser Verantwortung sein. Anfang 2015 geht der Pferdekenner Brüsch in Rente. „Ich weiß gar nicht, wie wir Dieter Brüsch je ersetzen sollen“, ist seine Chefin Antje Kerber schon jetzt traurig.

Den kompletten Beitrag finden Sie im e-paper Programm unserer Zeitung und natürlich in der Printausgabe am Wochenende.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen