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Hagenower Kreisblatt

23. Oktober 2017 | 15:09 Uhr

Hagenow : Obhut für ein Tierbaby

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hagenows Polizei bewahrte am Donnerstag ein Wildschweinbaby vor dem sicheren Unfalltod.

Polizeimeister Marcel Müller ist zwar schon lange Vater, seit gestern hat er aber noch einen Schützling mehr. Einen Frischling, ein nur wenige Wochen altes Wildschweinmädchen, fuhr gestern Vormittag in seinem Arm sicher im Einsatzfahrzeug in die Polizeiwache.

Gefunden und gefangen wurde das Wildschweinbaby gestern kurz nach 9 Uhr am Ortsausgang Hagenow in Richtung Wittenburg, in Höhe der alten Bäckerei. Dort war die Polizeistreife mit dem Polizeimeister zufällig unterwegs, als sie einen Mann in Joggingsachen bemerkten, der scheinbar wirr auf der viel befahrenen Straße hin- und herlief. Beim Näherkommen sahen die Polizisten, dass der Mann ein kleines Wildschwein zu beschützen suchte. Die Beamten halfen, schließlich konnte der Läufer das sehr lebendige und laut quietschende Tier an einem Maschendrahtzaun fangen. Die Polizei nahm das Tier in Obhut und brachte es in das Hagenower Revier. Dort war das kleine Wildschweinmädchen sofort der Star. Einige Polizisten spendeten ihr Frühstücksbrot, andere brachten Apfelstücke. Derweil wurde das Tierbaby in den so genannten Außenarrest gebracht, eine richtige Zelle.

Parallel wurde Kontakt mit Jägern und Förstern gesucht, um zu klären, wie es mit dem Wildschwein weitergehen soll. Schließlich gelang der Kontakt über das Forstamt Radelübbe zum Jäger Uwe Ohnedorfer. Der Mann hat Erfahrung mit den Tieren und hat auch schon einige Wildschweine aufgezogen. Er sah sich den Frischling an und brachte ihn schnell in einer Spezialbox unter. „Die nächsten drei Tage werden entscheidend sein, ob es überlebt. Sie muss selbstständig saufen, fressen und darf vor allem keinen Durchfall kriegen. So jung wie sie aussieht, wird sie sicher auch noch saugen. Wir werden sehen.“

Polizeimeister Marcel Müller hoffte dagegen, dass sein kleiner Schützling eine echte Chance hat. Im Auto hatte er die Kleine mit Streicheleinheiten beruhigen können.

Doch selbst im besten Fall wird der Frischling nicht in den Wald zurückkehren können, weil Wildschweine, die an Menschen gewöhnt sind, schon aus Sicherheitsgründen nicht ausgesetzt werden dürfen. Jäger Ohnedorfer nahm gestern an, dass der Frischling beim Überqueren der Straße den Kontakt zu seiner Mutter und den anderen Frischlingen verloren hatte. Für das Tier wäre es besser gewesen, es hätte den Kontakt wieder zur Mutter gefunden. Da das aber nicht möglich war, musste die Polizei eingreifen. Wildschweine sind sensibel und für das Überleben sehr auf den Familienverbund angewiesen. Die Erfahrung machte voriges Jahr auch die Familie von Jan Thomas aus Steegen, die über Monate einen Frischling aufzog, der dann aber als junges Schwein doch in einem Gatter starb.

 

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