Hagenow : Nur die Deutschen wollten helfen

Visite nach der Operation, in der Mitte Sabah Abdulmajeed Sade, links der Orthopäde Dr. Claus Köttgen, rechts Sohn Ali, im Hintergrund Chefarzt Frank Mandelkow.
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Visite nach der Operation, in der Mitte Sabah Abdulmajeed Sade, links der Orthopäde Dr. Claus Köttgen, rechts Sohn Ali, im Hintergrund Chefarzt Frank Mandelkow.

Orthopäde und das Krankenhaus linderten kostenlos die Schmerzen eines Irakers

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09. Dezember 2014, 16:25 Uhr

Dass er nach dem blutigen Selbstmordattentat vor drei Jahren bei einem „Traumfest“ in Bagdad überhaupt noch lebt, grenzt schon an ein großes Wunder.

Jetzt hat der 70-jährige irakische Händler Sabah Abdulmajeed sein zweites Wunder erlebt, im Hagenower Krankenhaus. Dort wurde dem Iraker jetzt in selbstloser Weise von einer Mannschaft geholfen. Ohne Honorar für die Ärzte und ohne Rechnung für den Patienten.

Seinen durch die Explosion schwer verletzten Arm kann er nach der Behandlung in Hagenow wieder ganz gut bewegen. Vor allem aber sind die Schmerzen, die den Mann seit drei Jahren peinigten, so gut wie weg. Ganz beseitigen lassen sich die Folgen des grausamen Attentats zwar nicht. Aber der Mann, der vor Jahren nur zufällig am falschen Ort war, wird nach seiner Rückkehr im Kreise seiner Familie wohl wieder ein halbwegs normales Leben führen können.

Das diese humanitäre Aktion überhaupt zustande kam, liegt an vielen glücklichen Umständen aber auch an klaren Entscheidungen. Zunächst natürlich am seinem Sohn Ali Sabah Abdulmajeed, der in Schwerin schon seit Jahren lebt und in der Stadt in den Schweriner Höfen einen Dönerladen betreibt. Als sein Vater per Einladung auf Besuch war, wandte er sich um Hilfe an die Caritas.

Deren Mitarbeiterin Silke Meier wandte sich aufgrund ihrer guten Verbindungen an den Hagenower Orthopäden Dr. Claus Köttgen.

„Ich sah eine Möglichkeit, dem Mann wegen seiner Schmerzen zu helfen. Allerdings habe ich mich zuerst an andere, größere Häuser gewandt. Als man dort aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeit sah, habe ich mich um Hilfe in Hagenow bemüht“, so der orthopädische Chirurg. Damit meint er das Hagenower Krankenhaus. Denn eine Operation allein hätte nichts gebracht, es ging um die Kosten für die Ausstattung, das Bett, die Medizin, die Krankengymnastik. Nach einer Sitzung der Aufsichtsgremien des „Helene von Bülow-Krankenhauses“ wurde beschlossen, dem kranken Mann aus Irak kostenlos zu helfen. Das bestätigte Chefarzt Frank Mandelkow vor wenigen Tagen bei einer gemeinsamen Visite mit dem Operateur Köttgen.

Was dem 70-jährigen Händler von Sanitäranlagen vor drei Jahren passiert ist, gehört zum Schlimmsten, das man sich vorstellen kann.

Bei besagtem Traumfest zündete nämlich ein Selbstmordattentäter seinen unerkannt gebliebenen Sprengstoffgürtel, es gab 35 Tote. Das berichtet Sohn Ali, sein Vater spricht kein Wort Deutsch. Sein Vater hätte als einziger diesen furchtbaren Anschlag nur überlebt, weil er in dem Moment zufällig jemanden umarmt habe. Dieser habe dann faktisch für ihn die Wucht der Explosion und vor allem die Splitter abgefangen. Nur sein rechter Arm habe an dem Tag viel abbekommen.

Die Ärzte berichteten von Brüchen, die nicht heilen wollten, von starken Schmerzen, einer Faust, die der Verletzte nicht lösen konnte, von zerfetzten Nervenbahnen.

Schon kurz nach der Operation hatte sich die Situation des Kranken spürbar verbessert.

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