Krisentreffen Schmitz Cargobull Toddin : Nur belauert – nichts entschieden

Trübe Aussichten und trübe Stimmung bei der Mittagspause der Mitarbeiter von Schmitz Cargobull.
Trübe Aussichten und trübe Stimmung bei der Mittagspause der Mitarbeiter von Schmitz Cargobull.

Erste Sondierungsgespräche bei Schmitz Cargobull ohne konkretes Ergebnis. Betriebsrat und Gewerkschaft hoffen weiter

svz.de von
16. Mai 2017, 21:00 Uhr

Nein, es war kein Betriebsfest auf dem Parkplatz bei Schmitz Cargobull. Zum Feiern gibt es dort im Moment auch nichts. Stattdessen hatten sich die Mitarbeiter gestern zu einer ‘verlängerten Mittagspause’ versammelt, die Gewerkschaft IG Metall spendierte Bockwurst mit Brötchen und das Wetter passte zur Stimmung.

Hintergrund der „das ist noch keine Arbeitskampf-Aktion“, wie es von der Gewerkschaft hieß, war ein Treffen des Betriebsrats, der IG Metall, der Geschäftsführung und des Vorstands von Schmitz Cargobull. Dabei ging es darum, wie es  weitergeht am Standort Toddin, nachdem die Unternehmensleitung vergangenen Freitag die Nachricht überbracht hatte, das Werk zum 1. September 2018 schließen zu wollen.

„Mir hat jemand gesagt, es gibt ein neues Sternbild über Toddin: Den sterbenden Elefanten. Aber  ich möchte keinen sterbenden Elefanten“, so Hans-Georg Frericks von der IG Metall. „Deshalb haben wir uns zu diesem Sondierungsgespräch getroffen.“ Ziel sei eine konkrete Zusage des Vorstandes, das Unternehmen auch über den 1. September 2018 fortzuführen. Statt einer Schließung soll es zu Verhandlungen über einen Standorts- und Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag kommen. Heißt: Betriebsrat und Gewerkschaft wollen vertraglich festgelegt haben, dass auch in den kommenden Jahren Lkw-Kühlanhänger in Toddin gebaut werden.

„Die Chancen dafür stehen mindestens bei 50/50“, sagte Jens Kruszona, Betriebsratsvorsitzender, im SVZ-Gespräch. Das Treffen sei sehr sachlich verlaufen und beide Seiten hätten ihre Positionen ausgetauscht. „Die Präsentation des Vorstandes war aber sehr einseitig“, so Kruszona. „Es wurde in keiner Weise nach Möglichkeiten gesucht, wie der Standort noch profitabler werden kann.“

Dabei gebe es dafür durchaus Möglichkeiten. „In den vergangenen Monaten sind wir  schlecht beliefert und versorgt worden. Andere Werke konnten von uns benötigte Teile nicht so  bringen, wie wir sie gebraucht hätten“, erklärte Kruszona. „Bei optimalen Bedingungen können wir sechs Kühlauflieger pro Tag fertigen, so waren es deutlich weniger.“

Auch Hans-Georg Frericks von der IG Metall war mit dem Gespräch nicht zufrieden. „Man belauerte sich kurz“, fasste er zusammen. „Dann haben wir aber auch angedeutet, dass wir schießen können. Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass sich der Vorstand bewegen, sondern eher dass man die Situation aussitzen möchte. Stillstand heißt aber Krach“, so Frericks augenzwinkernd.

Zu einem Ergebnis sind die Gesprächspartner dennoch nicht gekommen. „Uns wurde zugesichert, dass wir bis Freitag schriftlich darüber informiert werden, wie sich der Vorstand  entschieden hat“, so Frericks.  Zwei Möglichkeiten gibt es dabei. Zum einen kann die Unternehmensleitung natürlich an ihrem Vorhaben festhalten, den Standort Toddin zu schließen. Still halten werden Betriebsrat und Gewerkschaft in diesem Fall wohl allerdings nicht. „Dann gehen wir in den Arbeitskampf, also Streik“, kündigte Frericks an.

Die zweite Möglichkeit wäre, dass der Vorstand Verhandlungen über einen Standorts- und Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag zustimmt. „Dann werden wir darauf drängen, dass es möglichst schnell zu Gesprächen kommt“, sagte uns Frericks.

 Allerdings rechnet die Gewerkschaft eher  mit einer für die Mitarbeiter negativen Entscheidung. „Wir wollen, dass  eine ergebnisoffene Diskussionen über den  Standort durchgeführt und   alle Möglichkeiten geprüft werden. Wir haben aber das Gefühl,  das Ergebnis stehe schon fest.“ Einen letzten Hoffnungsschimmer gebe es dann  allerdings immer noch. Der Aufsichtsrat  habe die Pläne des Vorstands bisher nicht abgesegnet und könne noch ‘Nein’ sagen.

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