Zahrensdorf : Notunterkunft ohne Flüchtlinge

Andreas Scharfschwerdt vom Büro des Landrates (3. v. r.) bespricht mit allen Beteiligten die Abwicklung der bisherige Notunterkunft für Flüchtlinge in Zahrensdorf.
Andreas Scharfschwerdt vom Büro des Landrates (3. v. r.) bespricht mit allen Beteiligten die Abwicklung der bisherige Notunterkunft für Flüchtlinge in Zahrensdorf.

Notunterkunft in der Turnhalle wurde bereits am Dienstag geräumt/Leiter des Flüchtlings-Krisenstabs trifft sich mit Kommune

svz.de von
12. November 2015, 19:00 Uhr

„Ich habe eine verbindliche Mail vom Land erhalten, dass die Turnhalle in Zahrensdorf nicht mehr mit Flüchtlingen belegt wird und wir sie wieder für den Breitensport nutzen können“, erklärte Karin Wienecke, Leiterin des Ordnungsamtes beim Amt Boizenburg Land am gestrigen Donnerstag in Zahrensdorf. Bereits am Dienstag haben die bisher dort untergebrachten Flüchtlinge die Turnhalle verlassen und sind nach Horst zur Registrierung gebracht worden. Gestern hatte Andreas Scharfschwerdt, bislang Chef des Verwaltungsstabes Flüchtlinge beim Landkreis Ludwigslust Parchim (LUP), alle Beteiligten in die leere Turnhalle geladen, um die Abwicklung zu besprechen. Dietmar Jonitz, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes LUP, wird beispielsweise nach einer Durchsicht auf Gebrauchsfähigkeit die Überstellung der Feldbetten aus Zahrensdorf nach Lübtheen organisieren. Für den Transport wird Andreas Scharfschwerdt den Katastrophenschutz um Hilfe bitten.

So wurden in ruhiger Atmosphäre nach und nach alle für die Abwicklung zu bedenkenden Punkte abgearbeitet. Die Kosten für Schäden während der gut zweimonatigen Belegung mit geflüchteten Menschen und die notwendigen Ersatzbeschaffungen übernimmt das Land, erklärte Scharfschwerdt. Dafür muss aber eine detaillierte Dokumentation erstellt werden, auch mit Fotos, legt der Mann vom Landkreis, der ab jetzt wieder das Büro des Landrates leiten wird, Karin Wienecke ans Herz. Der Verwaltungsstab Flüchtlinge beim Landkreis wurde in der letzten Woche aufgelöst und die Aufgaben den zuständigen Fachbereichen zugewiesen, informierte Andreas Bonin, der Pressesprecher des Landkreises LUP.

Die Anwesenden in der Sporthalle Zahrensdorf einigten sich auf eine Endabnahme am Donnerstag nächster Woche und darauf, dass ab dem 1. Dezember wieder die Freizeitsportler ihrem Hobby in der Halle nachgehen können.

„Wir haben das Ziel, in absehbarer Zeit alle kleineren Notunterkünfte im Land zu schließen“, erklärte Marion Schlender, die Pressesprecherin des Innenministeriums MV auf Nachfrage der SVZ. „Das hat damit zu tun, dass die Verfahren zur Unterbringung der uns als Land zugewiesenen Flüchtlinge bis zu ihrer Registrierung nun in geregelten Bahnen verlaufen und wir Einrichtungen wie in die in Mühlengeez mit ausreichender Kapazität geschaffen haben.“

In Mühlengeez ist Platz für 1  200 Menschen. Am Mittwoch seien dort 212 Personen untergebracht gewesen, erklärte Marion Schlender.

„Auf eine Art freuen wir uns, dass hier jetzt wieder normaler Alltag stattfinden wird“, sagte Hans-Jürgen Michalska, Bürgermeister der Gemeinde Neu Gülze/Zahrensdorf im Gespräch. „Im September gab es ja die Aussage, dass die Turnhalle nur kurzfristig als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll. Zumal eine Turnhalle nicht der optimale Unterbringungsort ist. Und wir müssen ja auch an unseren Breitensport denken. Aber als die Not groß war, waren wir sofort bereit zu helfen.“

Es sei auch wichtig gewesen, dass es in Zahrensdorf nur 60 Plätze gab. „Hier waren alle Individuen, keine Nummern. Deshalb wurden ja auch so viele persönliche Beziehungen aufgebaut“, meint der Bürgermeister. In Zahrensdorf zogen alle an einem Strang, damit es den zu ihnen geflüchteten Menschen so gut wie möglich ging. „Wir waren eine Gruppe von 30 Leuten, die regelmäßig geholfen haben“, beschreibt eine junge Frau der ehrenamtlichen Helfer die bisherige Situation. „Viele von uns fahren jetzt nach Sumte und helfen dort.“ „Wir sind heute freiwillig hier“, sagen die beiden anwesenden Kontaktbereichsbeamten der Polizei. „Wir waren jeden Tag in den letzten zwei Monaten hier. Es ist nie etwas vorgefallen“. Das bestätigt auch Wachmann Ronny. Der stellvertretende Bürgermeister Frank Ahlers guckt einigermaßen unglücklich in die leere Halle. „Was soll ich denn jetzt abends machen?“, lacht er. „Aber ganz im Ernst. Ich bin nach diesen zwei Monaten ein Anderer. Früher habe ich auch zu denjenigen gehört, die vorschnell über Flüchtlinge geurteilt haben. Nachdem ich diesen Menschen hier begegnet bin, habe ich keine Angst vor Fremden mehr. Sie haben mein Leben sehr bereichert.“

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