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Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 03:00 Uhr

Lübtheen : Noch längst kein Baustart in Sicht

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Flächenerweiterungspläne der Firma Brüggen in Lübtheen quälen sich durch die Bürokratie. Noch bis zu einem Jahr Improvisation

svz.de von
erstellt am 24.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Er ist der größte Arbeitgeber in Lübtheen, der mit Abstand beste Gewerbesteuerzahler der Region, ein Großbetrieb, der seine Produktion immer weiter steigert und europaweit seine Anhänger vertreibt. Die Firma Brüggen in Lübtheen ist nicht irgendein Unternehmen, sondern mit der Stadt bereits fest verbandelt. Sogar Ausweichflächen hat die Verwaltung dem Trailer-Riesen schon zur Verfügung gestellt. Denn die Produktion geht geradewegs auf die 200 Anhänger pro Woche zu, die jedoch nicht alle von den Kunden direkt abgeholt werden können. Das Platzproblem macht sich in der Stadt längst bemerkbar. Auch im Gewerbegebiet stehen schon hunderte Auflieger, die auf ihren Abtransport warten.

Kein Wunder also, dass auf dem Gelände seit längerem der Wunsch gereift ist, sich zu vergrößern. Knapp 16 Hektar befestigte Stellflächen will Brüggen in Lübtheen auf dem zukünftigen Werksgelände bauen. Doch das geht nicht so einfach. Denn Vorschriften und Fristen in Planungsverfahren müssen auch in Lübtheen eingehalten werden. So konnte jetzt durch die Stadtvertreter gerade mal der Vorentwurf beschlossen werden. „Im August geht es nun darum, erstmalig die Öffentlichkeit und die Behörden zu beteiligen“, sagt Bauamtsleiter Frank Wein. Denn nicht nur Anwohner von Probst Jesar oder Lübtheener könnten noch weiterhin Bedenken äußern, sondern auch die Behörden wie StAUN, Abwasserzweckverband, der Landkreis oder weitere Versorgungsträger werden noch wichtige Hinweise und Anregungen geben können, ehe es in die Phase der Entwurfsbeteiligung geht, die wiederum von der Stadtvertretung diskutiert wird und im Nachhinein nochmals von der Öffentlichkeit und Behörden diskutiert werden kann.

 „Ja, dieses Verfahren gibt es zweimal. Es handelt sich um ein Bauleitplanverfahren im Außenbereich. Im letzten Schritt gibt es dann erst einen Satzungsbeschluss“, so Frank Wein aus dem Bauamt in Lübtheen, der aus der Erfahrung heraus sagen kann, dass die gesamte Prozedur noch bis zu einem Jahr dauern könne. Zeit, die die Firma Brüggen jeden Tag Geld kostet, denn die Trailer müssen ja nach wie vor auf die gemieteten Stellflächen transportiert werden.

Unruhig wird man im Unternehmen jedoch nicht. Geschäftsführer Christian Sassmannshausen sagt gestern am Telefon: „Es hat sich an den Zeitschienen bisher überhaupt nichts geändert. Wir vertrauen voll auf die Stadt Lübtheen. Es handelt sich nun einmal um ein rechtsstaatliches Verfahren. Und wir üben da keinerlei Druck aus. Natürlich haben wir ein starkes Interesse, mit dem Bau beginnen zu können, aber alles muss seinen richtigen Weg gehen.“ Und solange nicht auf dem Werksgelände gebaut werden dürfe, nutze man eben noch die Ausweichflächen im Gewerbegebiet. Und zwar nicht mit Fahrten durch den Ortskern, sondern immer schön außen herum, versichert Sassmannshausen.

Kommentar von Mario Kuska: Ganz schön „verfahren“ diese Bürokratie

Bürokratie  kann ganz schön „verfahren“ sein , blickt man auf das Lkw-Anhänger-Platzproblem von Lübtheen. Auf der einen Seite ein erfolgreiches Unternehmen mit Raummangel auf dem Firmengelände, auf der anderen Seite eine Verwaltung mit Vorschriften, Fristen und einem engen Korsett aus aufwendigen und zeitfressenden Maßnahmen. Doch wie „verfahren ist die Kiste“ eigentlich?

Eine Stellfläche für noch mehr Lkw-Anhänger - um mehr  geht es doch gar nicht in Lübtheen. Doch was „früher“ mit einem Handschlag und einem gut gemeinten „mok dat man“ durchgewunken wurde, dauert heute vielleicht ein ganzes Jahr. Wahnsinn, oder? Zuerst der Vorentwurf mit Beteiligung der Behörden und Öffentlichkeit. Beim nächsten Entwurf das gleiche Spiel. Erst dann der Satzungsbeschluss. Meine Güte - auf Beamten-Deutsch „Bauleitplanverfahren“. Furchtbar! Aber eines ist auch klar. Es gibt keine Willkür, sondern alles ist konsequent geregelt in der jetzigen Bürokratie und Verwaltung. Und trotzdem mahlen die Mühlen nun mal langsam. Erst recht aus Sicht erfolgreicher Unternehmer.

Aber da können sich die Lübtheener in der Verwaltung und in der Stadtvertretung glücklich schätzen, dass der Antragsteller mit Engelsgeduld unterwegs ist. Und wer weiß, vielleicht sind die Verfahren letztlich doch nicht so verfahren...

 

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