zur Navigation springen

Kein "Nein" für die Elbbrücke bei Darchau : Noch darf geträumt werden

vom

Der Traum der Elbbrücke bei Darchau hängt weiter in der Schwebe. Die Landesstraßenbaubehörde Niedersachsens konnte gestern nicht wie erwartet eine Kostenschätzung für das Vorhaben auf den Tisch legen.

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2013 | 07:29 Uhr

Neuhaus/Hannover | Der Traum der Elbbrücke bei Darchau hängt weiter in der Schwebe. Die Landesstraßenbaubehörde Niedersachsens konnte gestern nicht wie erwartet eine Kostenschätzung für das Vorhaben auf den Tisch legen. Die neue rot-grüne Landesregierung hatte zuvor die Bausumme auf 45 Millionen Euro begrenzt, weshalb gestern alle gespannt nach Hannover schauten. Das Ergebnis war enttäuschend für Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt (SPD). Zahlen und Daten des vom Landkreis beauftragten Planungsbüros reichten dem Amt nicht aus, um genau kalkulieren zu können. Die Begründung: Ab dem 1. Mai gilt eine neue Normengeneration, nach der eine solche Brücke erhöhte Lasten tragen muss.

Eine Vorgabe, die gegebenenfalls höhere Kosten verursache, sagte Nahrstedt auf der Rückfahrt am späten Nachmittag aus Hannover. Statt mit klaren Zahlen machte er sich mit einem Kompromiss im Gepäck auf den Heimweg: Gemeinsam wollen nun Planungsbüro und Landesstraßenbauamt eine "vertiefte Kostenbetrachtung" vornehmen, nachdem eine Liste mit Risikoschwerpunkten erarbeitet worden ist. Dazu müsse allerdings auch erst das Raumordnungsverfahren im Frühsommer abgewartet werden, so der Landrat. Erst dann stehe nämlich auch die genaue Linienführung fest.

Für Jörg Sohst vom Verein "Brücken bauen" gar nicht die schlechteste Lösung. Die Sitzung hätte auch anders ausgehen können, sagte er gestern auf Nachfrage. Nämlich wenn die Kosten höher geschätzt worden wären. "So läuft das Planfeststellungsverfahren wie geplant weiter. Erst danach haben wir auch konkrete Zahlen, mit denen wir uns weiter an Bund und EU wenden können."

Wie auch immer die Kosten letztlich aussehen, die Bürgermeisterin vom Amt Neuhaus, Grit Richter (parteilos), verspürt immer mehr Gegenwind vom Land. Mit der Kostenobergrenze und dem Versagen der Unterhaltungskosten sei der Traum fast schon ausgeträumt. Denn selbst wenn die Bausumme im Rahmen bleibt, "wer soll die Unterhaltung bezahlen?" Die angrenzenden Gemeinden könnten das nicht leisten. Wenn man nicht auslote, wer das finanziert, wäre für sie das Vorhaben Brücke gestorben.

Was sie noch wundert: Immer wieder zaubere die Politik etwas Neues aus dem Hut, was vor Ort niemand mehr nachvollziehen könne. Erst die Brückenbefragung parallel zur Landtagswahl, bei der wider Erwarten knapp 50 Prozent der Wähler aus dem ganzen Landkreis für die Brücke stimmten. "Die hatte ich eh schon in Frage gestellt", so Grit Richter. Dann das Einfrieren der Bau- und Unterhaltungskosten. "Die Brücke ist einfach nicht gewollt", beschreibt die Bürgermeisterin ihr Gefühl. Zumal sich die Grünen im Kreistag schon deutlich gegen eine Brücke ausgesprochen hätten.

Dennoch: Der Lichterprotest und das gute Ergebnis bei der Bürgerbefragung habe den Menschen in der vom Landkreis Lüneburg und von Niedersachsen abgeschotteten Gemeinde gezeigt, dass sie dazu gehören. Das sei ein moralisch wertvolles Signal dafür gewesen, dass sich zumindest die Menschen im Landkreis einig sind. Grit Richter setzt aber auch auf die Landesregierung. "Wir erwarten, dass man sich für die Stärkung des Ostkreises einsetzt." Auch, wenn die Brücke nicht kommt. "Wir sind wirtschaftlich abgehängt." Ohne Hilfe wisse die Bürgermeisterin nicht, wie es weitergehen soll. Von Weiterentwicklung will sie gar nicht erst sprechen. Vielmehr vom Halt des jetzigen Standes. Jörg Sohst vom Verein Brücken bauen ist zuversichtlich, dass irgendwann eine Elbbrücke dazu beitragen könnte. Schließlich hätten viele Bürger für diesen Traum gestimmt. Dieses Votum könne man nicht übergehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen