Hagenow/Wittenburg : Nitrat im Hagenower Wasser

Bis ins heimische Bad gelangt kein mit Nitrat belastetes Wasser. Örtliche Versorger sehen aber langfristig ein Problem.
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Bis ins heimische Bad gelangt kein mit Nitrat belastetes Wasser. Örtliche Versorger sehen aber langfristig ein Problem.

Jede dritte Brunnenprobe über Grenzwert. Verein warnt vor Auswaschung ins Grundwasser

svz.de von
29. September 2015, 21:00 Uhr

Viele Brunnenbesitzer aus der Region um Hagenow und Wittenburg können ihr Gartenwasser nur noch eingeschränkt nutzen. Jede dritte Probe ist  stark mit  Nitrat belastet. Die Konzentration liegt zum Teil weit über dem Grenzwert der Deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.   Zu diesem Ergebnis kommt der Verein VSR-Gewässerschutz, der  im August 48 Proben bekommen und später untersucht hat. Der zuständige Physiker Harald Gülzow warnt jetzt vor „einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser“. Doch die öffentlichen regionalen Wasserversorger   in Hagenow und Wittenburg können beruhigen.

„Die Menschen müssen sich zur Zeit keine Sorgen machen“, sagt Nicolaus Johanssen, Geschäftsführer der Zweckverbände Sude-Schaale in Wittenburg, gestern auf Nachfrage. Das aktuelle Nitratproblem betreffe nur die flachen Brunnen. Das Trinkwasser im Gebiet des Verbandes werde dagegen aus 90 bis 105 Metern Tiefe gewonnen. Zum Vergleich: Während ein Privatbrunnen in Wittenburg ein Nitratwert von 101 Milligramm aufweist, liegt der höchste Wert im Trinkwasserbereich der Zweckverbände bei 3,5 Milligramm pro Liter, und damit weit unter dem Grenzwert. Die Werte können auch auf der Internetseite für jeden Ort eingesehen werden (www.wbv-sude-schaale.de).

Auch im Gebiet der Hagenower Stadtwerke brauchen sich die Bürger keine Sorgen machen. Die Grundwasserleiter  zwischen Steegen, Pätow und Toddin reichen 80 bis 100 Meter  tief in die Erde und seien doppelt gedeckt durch Wasser sperrende Erdschichten, erklärt Dirk Oertel von den Stadtwerken. In allen fünf Förderbrunnen liegt der Nitratwert unterhalb der Nachweisgrenze von 0,1 Milligramm pro Liter.  Und „wir erwarten auch nicht, dass dort  Nitrat hinkommt.“ Denn der Förderbereich liegt laut Dirk Oertel schon seit DDR-Zeit in einem Trinkwasserschutzgebiet. Es gibt drei Schutzzonen um die Brunnen, in denen gar nicht bis eingeschränkt gedüngt werden darf.

Dennoch: „Die Natur vergisst nicht“, sagt Nicolaus Johanssen von den Zweckverbänden. Die Nitratbelastung sei ein Problem. „Wir diskutieren das auf jeder Tagung. Denn wir wissen nicht, was in 20 Jahren ist.“ Die Pflanze nehme nicht allen  Dünger auf, der Abbau in der Erde sei endlich. Und die Brunnen immer tiefer legen, gehe auch nicht. Irgendwann kommt Salz. Deshalb versuchen die Zweckverbände, immer mehr Trinkwasserschutzgebiete festzusetzen. Drei von sieben sind es bereits. Dort gibt es Einschränkungen beim Düngen. Die Landwirte wiederum können laut Johanssen  Anträge auf Entschädigung stellen.

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