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Park Nieklitz : Nieklitz: Zukunftsbauer laden ein

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Genossenschaft plant Leuchtturmprojekt im früheren Park: Ökohaus soll Besucher locken. Ein Tag der offenen Tür findet an diesem Sonnabend statt.

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erstellt am 15.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Ein großes Haus, das nur durch Sonne beheizt wird, seinen Strom solar gewinnt, durch natürliche Luftzirkulation gekühlt wird, vollständig erbaut aus recycelten Baustoffen - so ein „Earthship“ (deutsch Erdschiff) soll das Vorzeigeprojekt im ehemaligen Nieklitzer Zukunftspark werden. Das hat gestern der neue Besitzer des Geländes, die Genossenschaft mit dem Namen „Wir bauen Zukunft“, im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt. Allerdings, so Lale Rohrbeck von der Genossenschaft, soll das Haus erst 2019 entstehen. Gemeinschaftlich natürlich, denn Bauten dieser Art, die sich von normalen Neubauten fundamental unterscheiden, werden nicht von Firmen sondern als gemeinschaftliches Projekt in Workshops errichtet. Mit Wänden aus alten Flaschen, eingebettet in Lehm, geschützt durch einen Erdwall, Fundamenten aus alten Reifen mit eingestampfter Erde. In Deutschland gibt es bisher nur wenige dieser Erdschiffe, das bekannteste wurde vor wenigen Jahren im baden-württembergischen Tempelhof errichtet. Architekt Ralf Müller war an diesem Projekt beteiligt und wird auch für Nieklitz die Verantwortung tragen. Dabei soll Nieklitz nach ersten Plänen ein noch größeres Haus bekommen, zum ersten Mal wollen die Ökobauer eine zweite Etage bauen. Müller hatte die Kosten in einem Vorgespräch auf mindestens 600 000 Euro kalkuliert. Aufmerksamer Zuhörer damals war Umweltminister Till Backhaus, der sich eine Förderung des Projektes durchaus vorstellen kann. Das sieht die Genossenschaft auch so, und will im kommenden Jahr einen entsprechenden Antrag für das Leader-Programm stellen.

Schon jetzt laufen einige Projekte in dem längst nicht mehr so verwilderten Park, der als ZMTW-Projekt vor Jahren Millionen Steuergelder verschlang. Die Buchstaben, die heute noch in der überall präsenten Ausschilderung stehen, standen für Zukunft-Mensch-Natur-Technik- und Wissenschaft.

An dieser Zielsetzung haben auch die neuen Eigentümer nichts geändert. Sie gehen nur anders heran, in dem sie Nieklitz als Vorzeigestandort für alternative Lebensmodelle ausbauen wollen. Über den Stand der Planungen, des Ausbaus und das bereits Erreichte wollen die Aktiven am kommenden Sonnabend bei einem Tag der offenen Tür alle Interessierten informieren. Los geht es ab 14.30 Uhr, es gibt Führungen über das Gelände, Gesprächsangebote im neu gestalteten Café, und ab 18 Uhr wird der Film „Tomorrow“ gezeigt, der von vielen alternativen Ideen aus aller Welt berichtet.

Denn auch ohne Großprojekte hat die Gruppe, zu der neben dem engen Kern von 18 Mitgliedern, zahlreiche Unterstützer gehören, schon längst mit der Umwandlung des Geländes begonnen. Die meisten Aufräumaktionen in dem vor Jahresfrist noch völlig verwilderten Gelände sind beendet, die wichtigsten Gebäude in Benutzung, die einst improvisierte Küche im Freien ist längst in einem Gebäude integriert.

Gebaut wird derzeit an Schlafplätzen, die vor allem für Seminarteilnehmer gedacht sind. So wird an einem Bettenturm gebaut, im Haus der Düfte wird es Schlafplätze geben, genau wie im Blumenhaus. Um diese Betten auch ausstatten zu können, soll in den kommenden Tagen begonnen werden, neutral gefärbte Bettwäsche zu sammeln. „Die benötigen wir wirklich dringend, 30 Schlafplätze sind doch eine Menge“, erklärte Ute Rohrbeck, einer der Unterstützerinnen. Ihr Mann Martin, baut derzeit an einem Haus auf einer Holzbrücke, auch hier entstehen Schlafplätze, die später einmal die Gäste nutzen können.

Ein ganz anderes Konzept verfolgt Jost Völker aus Minden, der aktuell an einer großen Jurte auf dem Gelände baut. Im Dezember werde sein Kind geboren, bis dahin soll schon eine zweite Jurte stehen, gedämmt aus dem Material recycelter Kartoffelsäcke. Und so reiht sich derzeit ein Projekt an das andere. Dazu gehört auch der nun störungsfrei laufende Biomeiler für warmes Wasser, der demnächst erweitert werden soll.

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