Ratgeber Blitzschutz : Nicht ohne meine Gewittertasche

Bernd Felske aus Jessenitz mit seinen mittlerweile schon zwei Gewittertaschen.
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Bernd Felske aus Jessenitz mit seinen mittlerweile schon zwei Gewittertaschen.

Reaktionen auf die Blitzeinschläge in Hagenow. Viele Leser geben interessante Tipps. Netzstecker ziehen ist nicht falsch.

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12. Juni 2017, 05:00 Uhr

Unwissenheit, Sparzwang oder schlicht die Vermutung, dass es einen selbst schon nicht treffen wird. Unsere Umfrage, die das Thema Blitzschutz angeht, brachte zum Teil kuriose Ergebnisse. Und das, obwohl Hagenow in den vergangenen Wochen doch so von Unfällen und großen Schäden durchgerüttelt wurde.

Grund genug, dass wir uns als Redaktion auf Recherche begeben haben, um einigen guten Tipps und tatsächlichen Ratschlägen von Experten auf den Grund zu gehen. So viele Leserzuschriften bei Facebook, per Mail und sogar per Brief haben uns zum „spannenden Thema“ erreicht.

Eine der schönsten Geschichten ist die von Bernd Felske. Der 74-Jährige aus Jessenitz hat sich bei uns gemeldet und sprach mit uns über eine ganz spezielle Art der Vorsorge. „Nicht ohne meine Gewittertasche“, sagt er und holt aus dem Schrank zwei uralte Ledertaschen aus den 50er-Jahren. „Bei Unwetter stehen die immer parat!“ Vor Blitzen schützen die Behältnisse natürlich nicht, aber alles, was an Dokumenten schnell zu fassen sein muss, hat er so in zwei Handgriffen unterm Arm. „Die Taschen sind noch Relikte aus einer vergangenen Zeit. Sie gehörten meiner Mutter. Aber nachdem bei uns am 11. März 1959 das Haus nach einem Funkenflug bis auf die Grundmauern abgebrannt war, bekamen die Taschen natürlich noch eine ganz andere Bedeutung. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Eine Blitzschutzanlage mit Erdung, äußerem Schutz und Überspannungsschutz für die Elektro-Anlage des Hauses habe auch er nicht. Großer Zufall und Unglück seien Blitzeinschläge und in seinem Alter jetzt noch einmal umbauen, wolle er nicht. Er habe ja in der Not seine Gewittertasche und sei versichert.

Dass die Experten um Innungs-Obermeister Christian Jessel diese Einstellung überhaupt nicht gern sehen, haben sie in der vergangenen Öffentlichkeits-Runde mehr als deutlich gemacht. Bei Blitzeinschlägen wie in Hagenow mit großen Bränden könne es schnell um Leib und Leben gehen. Sicher seien zwei Einschläge in so kurzer Zeit nicht üblich und auch sehr tragisch, aber man wisse eben nie, wann die Natur zuschlägt.

Deshalb seien Blitzschutzanlagen zumindest bei neuen Häusern „mit Sicherheit keine falsche Investition“. Ein spannendes Detail hatten die Experten jüngst noch zu berichten. Als die Frage aufkam, ob es noch immer sinnvoll sei, wie Oma alle Stecker zu ziehen, hieß es: „Ja, natürlich! Denn auch die Häuser mit Überspannungsschutz für ihre E-Anlage seien nicht automatisch vor Schäden an den elektronischen Geräten geschützt. „Es gibt einen groben Schutz, einen mittleren Schutz und dann erst den Feinschutz für die Geräte. Ist eine der beiden äußeren Schutzarten nicht gewährleistet, knallt die Energie durch die Leitungen und zerstört alles. Die Stecker zu ziehen, macht also Sinn, so Jessel.

Ebenso sinnvoll sind die Aufbauten für den äußeren Blitzschutz auf dem Dach. Von allen Seiten muss der Blitz auf die dicken Drähte treffen können. Ein einzelner Ableiter bringt also fast gar nichts, oder der Blitz müsse sich rein zufällig entscheiden, genau hier einschlagen zu wollen.

Die Elektrofirmen der Region geben aber gern komplette Beratungen, welche Systeme am effektivsten sind, ohne dabei Unsummen kosten zu müssen.

Großer Unfug hingegen seien alte Bauernregeln wie „Eichen sollst du weichen und Buchen sollst du suchen.“ Auch in Hausnähe bedeuten hohe Bäume keinen Schutz, weder für Menschen noch für Dächer - und schon gar nicht die Art des Baumes sei relevant.

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