zur Navigation springen

Südwestmecklenburg : Neuer Kampf um die Jugendweihe

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Alteingesessener Verein und die Volkssolidarität ringen mit großem Ehrgeiz und in direkter Konkurrenz um die Gunst der Jugendlichen

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Mühselig war der Kampf um den jährlichen Erfolg der Jugendweihe schon immer. Jetzt wird es aber noch schwieriger, denn der Jugendweiheverein und die Volkssolidarität Südwestmecklenburg treten in direkter Konkurrenz an. Das ist nicht nur für die langjährige Organisatorin Irmtraud von Walsleben neu, auch viele Eltern sind überrascht und wundern sich über die neuen Termine. Im Altkreis Ludwigslust ist die Volkssolidarität in Sachen Jugendweihe lange kein Neuling mehr. Doch nun macht die VS auch Angebote für Lübtheen, Boizenburg oder Hagenow. Mit teils regem Zuspruch, wie Juliane Fuchs, die Pressesprecherin des Verbandes gestern bestätigte.

Irmtraud von Walsleben, die Seele der Jugendweihe im Altkreis Hagenow, macht sich hingegen Sorgen. „Ich bekomme viele Anrufe, weil viele gar nicht wissen, was sie mit den Angeboten machen sollen. Wir müssen jetzt die Leute noch mehr von unserem Angebot überzeugen“, sagt die von den Konkurrenzangeboten sichtlich irritierte Frau.

Denn die Herbsttage sind entscheidend für den Erfolg der eigentlichen Jugendweihe im kommenden Frühjahr. Denn jetzt geht es um die Anmeldungen, jetzt kommen die entscheidenden Informationsabende.

Für Eltern und Jugendliche ist eine Entscheidung nicht leicht, denn Angebote, Preise und Termine ähneln sich. Beim Verein gibt es die Teilnahme für 94 Euro im Frühbucherrabatt bis Ende Oktober, die Volkssolidarität hätte gern 95 Euro. Die VS setzt voll auf Facebook und Internet. Der Verein ist online auch aktiv setzt aber mehr auf die guten Kontakte in den Regionen oder Schulen. Wichtig ist auch die Wahl des Ortes. In Hagenow will die Volkssolidarität in der schicken LT-Event Gastronomie feiern, der Verein hat die deutliche nüchterne Mehrzweckhalle Otto-Ibs zu bieten. In Boizenburg geht es um die Richard-Schwenk-Sporthalle(Verein) oder um das Waldhotel (VS).

Der Angriff der Volkssolidarität, als solcher wird er beim Jugendweiheverein ganz klar verstanden, erfolgt aus Sicht des etablierten Vereins zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Denn mit dem 1. Oktober übernimmt Annett Missiaen die Leitung der Geschäftsstelle Hagenow/Boizenburg. Gute 24 Jahre lang hatte Irmtraud von Walsleben die Geschicke in der Region geleitet. Mit Erfolg: 188 Jugendliche in Hagenow und 147 Mädchen und Jungen im Boizenburger Bereich hatten sich dem Verein, der landesweit agiert, anvertraut. Ob diese Zahlen noch einmal erreicht werden können, ist angesichts des Konkurrenzdrucks fraglich.

Bei der Volkssolidarität mag man von keinem Angriff oder Wildern in fremden Revier sprechen. „Es geht uns um eine Erweiterung des Angebotes, das haben wir eben nun auf ganz Westmecklenburg ausgedehnt. Es kann sich ja jeder entscheiden, was er will.“

Und da kommt es neben der Weihe an sich auch noch auf die bis dahin angebotenen Veranstaltungen und Reisen an. Da ist dann von Kosmetikberatung, Besuchen bei Politikern und Selbstverteidigungskursen alles dabei, meist mit Zuzahlungen. Auch hier gibt es die Qual der Wahl für den feierlichen Schritt ins Erwachsenenleben.

 

Kommentar “Konkurrenz belebt“ von Mayk Pohle

Es mag etwas ungewohnt sein, dass plötzlich zwei Anbieter um die Jugendlichen buhlen, die sich zur Jugendweihe entschließen. Doch schlecht ist das nicht. Schließlich müssen sich die Heranwachsenden und ihre Eltern nun noch mehr mit den Angeboten beschäftigen, vergleichen und sich entscheiden. Und dabei geht es eben nicht nur um die Feier. Schließlich soll die Jugendweihe mehr sein als nur eine prima Party, bei der es eine Menge Geschenke und Geld abzustauben gibt.

Der Charme der Jugendweihe, wie er sich nach der Wende etabliert hat, besteht ja gerade in der umfassenden und konfessionslosen Vorbereitung auf das, was man den Schritt ins Erwachsenenleben nennt. Für die Vereine wird mit der Konkurrenz das Leben nicht leichter, auch sie müssen mehr erklären, ihre Angebote anpassen. Das kann nur gut sein, den Konkurrenz belebt. Doch darf am Ende der Ruf der Jugendweihe nicht unter dem Wettbewerb leiden. Schließlich hat sich eine große Mehrheit jeden Schuljahrganges nicht umsonst zur Teilnahme an der festlichen Weihe entschlossen. Oder?

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen