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SVZ-Fragen zum Wochenende : Natur als Lehrmeisterin im Leben

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ehemaliger Revierförster Rolf Ziebarth würde gern einmal nach Nordamerika, Kanada und Alaska reisen. Starrsinn mag er nicht

von
erstellt am 28.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Die Liebe zur Natur und alles was in ihr kreucht und fleucht, hat Rolf Ziebarth schon seit zartem Knabenalter nicht mehr losgelassen. In Bantin Ausbau lebt der gebürtige Sachsen-Anhaltiner seit 1974. Sein Amt als Revierförster hat er mit einem geborgten Motorrad und aufgeschnalltem Federbett angetreten. Damals, als im Forstbetrieb Hagenow das Revier Lassahn frei geworden war, ein Grenzrevier, dass er 37 Jahre lang betreute. In Wittenberg zur Schule gegangen, lernte er später Forstfacharbeiter. Das Abi zu machen, wollten seine Eltern nicht. Als sein Bruder bei einem Fluchtversuch von der Mauer geschossen, schwer verletzt wurde und in Bautzen als politischer Häftling einsaß, hatte sich ein Studium für Ziebarth erledigt. Also bewarb er sich an der Fachhochschule in Raben-Steinfeld, landete schließlich so in Mecklenburg. SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortete der 65-Jährige auf seiner Terrasse in Waldesnähe die beliebten Fragen zum Wochenende.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Lebe das Leben, wie es kommt. Es hat sowieso immer seinen eigenen Plan.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
In der Natur, auf dem Hochsitz oder an einer stillen Seeecke.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Im Chemiekombinat Piesteritz habe ich in den Sommerferien in der Nachtschicht in der Rußanlage gearbeitet. Da war ich 15 Jahre alt. Das war ein Stickstoffwerk, aus dem ich immer völlig schwarz wieder rausgekommen bin. Ich habe noch fünf Monate nach Arbeitsende Ruß gespuckt.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für meine erste Fotoausrüstung, eine Exa 2b sowie ein 300er Teleobjektiv. Beides besitze ich heute noch.
Wo findet man Sie am ehesten?
Mit dem Fernglas in der Natur oder zu Hause. Wenn ich nicht gerade reise. Das ist nämlich eines meiner Hobbies.
Was stört Sie an anderen?
Wenn Menschen, die Verantwortung tragen, aus Unkenntnis und Starrsinn den falschen Weg gehen.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Ich habe ein großes Problem mit diesem Wort. Die allmähliche Amerikanisierung unserer Kulturlandschaft gaukelt oft etwas vor, was mit Heldentum wenig zu tun hat und meist realitätsfern und mitunter einfach nur dumm ist.
Was würden Sie gern noch können?
Klavier und Violine faszinieren mich, beides würde ich gern spielen können.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
In einem Umfeld leben zu können, dass einen aufnimmt, in dem man sich geborgen fühlt und viele Freunde hat.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Beides, denn bei schwierigen Entscheidungen ziehe ich den Bauch zu Rate...

Wonach suchen Sie im Leben?

Nach Glück und Zufriedenheit, eine gewisse Lebenserfüllung. Und die Gewissheit, dass all mein Streben nicht ganz umsonst gewesen ist.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Marmelade zum Frühstück sowie Käse und Milch.
Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Da ich bisher viel gereist bin, habe ich immer wieder interessantes Essen kennengelernt. Ich bin offen für alles, nur Hunde, die würde ich nicht essen.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Nach Nordamerika, Kanada und Alaska reisen. Das sind sicher ganz tolle und einzigartige Landstriche.
Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
Naturverbunden, denn mein ganzen Leben ist dadurch geprägt.
Wo ist für Sie Heimat?
Dass muss nicht unbedingt der Geburtsort sein. Sondern ist für mich immer gerade dort, wo ich mich wohlfühle.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Da Meine Eltern nicht viel Geld hatten, gab es keinen Urlaub. Zur Windbruch- und Wurfaufbereitung bin ich 1967 erstmals an der zugefrorenen Ostsee gewesen. Das war meine erste große Reise.

Worauf könnten Sie nie verzichten?

Auf mein Fernglas und den Fotoapparat.

Wen würden Sie gern mal treffen?

Den leider schon verstorbenen Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er war ein weiser und weitsichtiger Mann.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

1. Mehr Frieden auf der Welt, wir leben derzeit in einer gefährlichen Phase.

2. Gesundheit für mich und mein Umfeld.

3. Dass man endlich begreift, wie verletzlich unsere Welt doch ist. Die meisten tun so, als hätten wir noch irgendwo eine zweite als Reserve.
Verraten Sie uns etwas, was kaum jemand weiß?
Ich habe mir mal in einer Bibliothek das Buch „Mein Freund der Regenpfeifer“ für längere Zeit ausgeliehen und dann vergessen, es zurück zu geben. Ja, ich habe es stibitzt, aber es gab zwei davon im Bestand.

(Anm. d. R. Es ist die fesselnde Schilderung einer Menschenfreundschaft mit einem kleinen Regenpfeifer im hohen Norden und darum ein schlichter und gerade darum so überzeugender Beweis für das Beglückende an der Liebe zu aller Kreatur. Die unter schwierigsten Umständen entstandenen Aufnahmen Bengt Bergs ergänzen das Buch vom Optischen her und lassen den Betrachter die Stationen dieser seltsamen Beziehung zwischen dem geduldigen Tierfreund und dem scheuen, kleinen Vogel miterleben).

Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Jens Rasim aus Gallin, der hat mit seinem Bio-Hof Zukunft geschaffen.

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