Hagenow : Nähwerkstatt für das Besondere

Näherin Silke Lübbert bekommt Tipps von Betreuerin Angelika Franck.
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Näherin Silke Lübbert bekommt Tipps von Betreuerin Angelika Franck. Fotos: Sven Moritz

Neue Betriebsstätte des Lebenshilfewerks wird am nächsten Dienstag eingeweiht / Hagenower können sich in den Räume umschauen

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07. August 2015, 11:55 Uhr

Hagenow ist um eine Produktionsstätte reicher: Die Nähwerkstatt in der Langen Straße. Das gemeinsame Projekt von Allergo Natur und Lebenshilfewerk Hagenow im ehemaligen Textil-Kaufhaus ist etwas Besonderes. In der Betriebsstätte werden für Allergiker Textilien und allergendichte Bettwäsche und Matratzenbezüge, sogenannte Encasings, herstellt. Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, in dem das Thema Allergie Eingang in den Masterplan Gesundheit gefunden hat, wie Daniel Schönfelder, Geschäftsführer von Allergo Natur berichtet.

Das Lebenshilfewerk arbeitet nach Angaben von Geschäftsführer Hans-Joachim Grätsch seit 2008 mit dem Unternehmen zusammen. Der Allergo-Firmenchef suchte seinerzeit eine Näherei in Mecklenburg und stieß bei Recherchen im Internet auf die des Lebenshilfewerks. Dort wurden dann Schlafanzüge für Kinder zugeschnitten und genäht, die an Neurodermitis erkrankt sind. Durch die gute Zusammenarbeit entstand dann 2013 die Idee, die bislang in Bayern angesiedelte Bettwäsche-Produktion nach Mecklenburg zu holen.

2014 begann die Planung, das Nähatelier des Lebenshilfewerks um eine zusätzliche Werkstatt in der Innenstadt von Hagenow zu erweitern. Mit dem ehemaligen Ladengeschäft in der Langen Straße fand sich die geeignete Immobilie. Der Eigentümer des Gebäudes baute im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses das ehemalige Ladengeschäft entsprechend den Vorgaben des Lebenshilfewerkes um. Seit Juni ist dort nun die Nähwerkstatt in Betrieb. In den Räumen hinter den Schaufensterscheiben des einstigen Bekleidungsgeschäftes wurden 15 Arbeitsplätze für behinderte Beschäftigte neu geschaffen. Angeleitet werden sie von drei Fachkräften.

Grätsch ist sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Firma Allergo Natur Pharmazeutika GmbH & Co KG. Damit sei erreicht worden, das Arbeitsangebot für Menschen mit Behinderungen im Bereich Nähen zu erweitern und sichere Arbeitsplätze zu schaffen, sagt er. Zudem könne in der Werkstatt anschaulich demonstriert werden, was Menschen mit Behinderungen leisten können. Zu den Aufgaben der dort Beschäftigten gehören unter anderem der Zuschnitt, Nähen in Serie und das Verpacken der Ware.

Die Allergiker-Produkte sind laut Schönfelder für den deutschen, den US- und den japanischen Mark bestimmt. Er verweist darauf, dass es sich dabei um High-Tech-Produkte handelt. Auch der Allergo-Geschäftsführer ist voll des Lobes.

„Die Lebenshilfe ist ein zuverlässiger Partner und leistet professionelle Arbeit“, betont er. „Es besteht eine sehr, sehr gute Partnerschaft. Es gibt Dinge, die einfach passen“, fügt Schönfelder hinzu. Das Engagement der Firma in Hagenow sei zudem eine Frage der Verantwortung, die Inklusion voranzubringen. Zudem sei es ein wichtiger Beitrag der Teilhabe der behinderten Menschen in der Gemeinschaft, ergänzt Grätsch.

Offizielle Eröffnung der Nähwerkstatt ist am Dienstag, dem 11. August. Dafür haben sich unter anderem Verbraucherschutzminister Till Backhaus und Bürgermeisterin Gisela Schwarz angekündigt. Ab 17 Uhr haben die Hagenower zwei Stunden Gelegenheit, bei einem „Tag der offenen Nähwerkstatt“ sich in den Räumen umzuschauen und sich über die Arbeit der Beschäftigten und die Angebote von Allergo Natur zu informieren.

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