zur Navigation springen

Preten : Mutige Gipfelstürmer besteigen höchsten Berg Afrikas

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Fast sechstausend Höhenmeter in fünf Tagen: Ramona und Olaf Nettelbeck besteigen den höchsten Berg Afrikas

„Ich habe dort oben ein völliges Gefühlschaos erlebt. Mal ist man total motiviert und voller Energie, mal möchte man umkehren, voller Selbstzweifel und weil man körperlich am Ende ist. Morgens ist man voller Euphorie, wenn die Sonne wunderschön über dem Berg aufgeht, dann wird es über den Wolken kalt und ungemütlich und man fragt sich, was tue ich hier eigentlich? Aber es ist ein wunderbares Erlebnis gemeinsam und als Team diese Besteigung zu schaffen“, beschreibt Ramona Nettelbeck ihre Erfahrungen am Kilimandscharo, mit 5895 Meter ist der ehemalige Vulkan der höchste Berg Afrikas.

Ende September brechen Olaf und Ramona Nettelbeck zu ihrem ungewöhnlichen Urlaub nach Tansania auf: Eine Woche Bergbesteigung, eine Woche Safari in den Nationalparks und noch ein paar Tage Strandurlaub auf Sansibar. Eine Besteigung des Berges ist nur in Begleitung möglich: Neun Träger transportieren die Ausrüstung und Zelte nach oben, zwei Führer (Guides) begleiten die beiden Bergsteiger aus Preten, auch ein eigener Koch ist mit dabei.

„Das war wirklich ein tolles Team, ohne das wir es nicht geschafft hätten“, schwärmt Ramona Nettelbeck von ihrem ‚Personal‘, „Die Guides haben eine spezielle Ausbildung, damit sie sofort eingreifen können, wenn es jemanden schlecht geht und absteigen muss.“

„Man ist natürlich froh, dass man nach einem Tag am Berg nicht noch kochen und Zelte aufbauen muss“, wirft Olaf Nettelbeck ein, „Es werden einfach die bestmöglichen Bedingungen für eine Besteigung geschaffen.“

Fünf Tage dauert der Aufstieg, durch ein wochenlanges spezielles Training im Vorfeld haben sich die beiden körperlich auf die Strapazen am Berg vorbereitet. „Es war doch anstrengender als gedacht“, räumt Ramona Nettelbeck ein, „Die Höhenkrankheit mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel hat uns zunehmend zu schaffen gemacht.“ Je höher der Berg, desto niedriger der Sauerstoffgehalt der Luft. „Auf dem Gipfel gibt es nur 50 Prozent Sauerstoff im Vergleich zum Boden“, erklärt Olaf Nettelbeck, „Man muss sich extrem konzentrieren, obwohl man nur ganz langsam einen Fuß vor den anderen setzt. Wenn man nachts aufgestanden ist, um mal auszutreten, war der Puls schon total beschleunigt von dieser kurzen Aktion. Wir haben einige Menschen gesehen, die nach unten getragen werden mussten. Höhenkrankheit kann sehr gefährlich werden. Am Fuß des Berges ist passenderweise ein spezielles Krankenhaus für Höhengeschädigte.“

Als vollkommen unwirklich erlebt Ramona Nettelbeck die letzte Etappe zum Gipfel: „Wir sind um Mitternacht aus dem letzten Camp mit den beiden Guides und einem Träger für die Sauerstoffflasche aufgebrochen und haben gegen halb sechs Uhr in der Früh den Gipfel erreicht. Es war stockdunkel und ich konnte gar nicht richtig realisieren, dass ich jetzt oben bin, weil es so wenig Orientierung gab. Es gibt noch nicht mal ein Zielfoto, weil es so dunkel war und man auf den Bildern nur die hellstrahlende Stirnlampe sieht. Ich war glücklich und stolz, aber es kommt auch sofort der Gedanke: Jetzt musst du den verdammten Berg auch wieder runter.“ Lange Zeit zum Verweilen bleibt auf dem Gipfel nicht, wegen der dünnen Luft muss nach kurzer Zeit der Abstieg erfolgen. Zwei Tage später sind Ramona und Olaf Nettelbeck wieder in ihrem Hotel. „Die erste Dusche nach sieben Tagen war einfach herrlich, auch wenn sie kalt war“, lacht Ramona Nettelbeck, „Als Europäer hat man schon Luxusprobleme in Afrika.“

Der nächste Urlaub der beiden Bergliebhaber ist schon in Planung: Es soll eine harmlose Alpenüberquerung werden. Aber der Kilimandscharo lässt sie nicht los: „Der steckt uns noch im Kopf. Beim zweiten Mal erlebt man eine solche Besteigung bewusster. Tibet wäre auch schön“, träumt Olaf Nettelbeck von den nächsten Tausendern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen