Festspiele MV in Neuhaus : Musik wird zum Hoffnungsträger

Im Juni: Der Festspielintendant begrüßt Gäste und Musiker auf dem Schlosshof Bleckede zum Gastspiel der Festspiele.  Fotos: Pohle
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Im Juni: Der Festspielintendant begrüßt Gäste und Musiker auf dem Schlosshof Bleckede zum Gastspiel der Festspiele. Fotos: Pohle

Festspiele MV und Landkreis Lüneburg gönnen dem Amt Neuhaus mit der Kirche einen neuen Spielort. Die Verantwortlichen jubeln.

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10. Januar 2018, 12:00 Uhr

Normalerweise hat man als kleiner Ort nur wenig Chancen, in den Reigen der Gastgeber für die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen zu werden.  Neuhaus hat das aber nun geschafft, und das, obwohl es in Niedersachsen liegt. Am 4. Juli kommen mit Pinchas Zukermann und Daniel Hope gleich zwei Weltklassemusiker in die dortige Marienkirche. Schon jetzt sind 300 der 530 verfügbaren Karten vergriffen.

Für das kleine Amt gehört diese Nachricht zu den Sensationen, die weit über das Musikgeschäft hinausgehen. Nicht nur Matthias Schieferdecker, Pastor und Hausherr der Neuhauser Kirche, bezeichnete das anstehende Ereignis im Juli als extrem wichtig für den ländlichen Raum. „Derartige Impulse brauchen wir, damit nicht immer nur negative Nachrichten über abgehängte Landstriche kommen. So können wir alle zusammen Mut schöpfen, etwas anpacken.“ Grit Richter, die Bürgermeisterin im Amt Neuhaus, konnte den Pastor nur bestätigen. „Das wird wirklich ein Ereignis und ich hoffe, dass sich auch viele Menschen aus meiner Gemeinde das nicht entgehen lassen.“

Mit dem Konzert in Neuhaus sind die Festspiele Mecklenburg-Vorpommen plötzlich an drei Tagen im benachbarten Niedersachsen aktiv.

Bereits am 22. Juni wird der Bleckeder Schlosshof zum „Sommerabend mit Quadro Nuevo“  einladen, und am 30. August ist Konau Gastgeber für „Grenzgänger & Musikanten“ mit dem „Danish String Quartet“ und einem Streichquartett. Festspielintendant Dr. Markus Fein hat mit den Ausflügen ins benachbarte Niedersachsen gar kein Problem. „Wir gucken schon sehr genau, wo wie wir hingehen und welche Künstler wir auswählen. Die Elbe hat hier lange Teile des Landes getrennt, jetzt verbindet sie diese. Für uns ist das Amt aber auch der Kreis Lüneburg ein besonderer Bereich, der enge Beziehungen zu Mecklenburg hat. Wir bleiben aber auf MV fokussiert, in Hamburg, Berlin oder München wird man uns nicht finden.“

Erst war es nur die kleine aber feine Stadt Bleckede, die als Festspielort glänzen konnte, dann kam Konau hinzu und nun Neuhaus. Möglich wurde das Ganze durch ein besonderes Förderprogramm des Landes Niedersachsen. So erzählte es Lüneburgs Landrat Wolfgang Nahrstedt nicht ohne Stolz im Pressegepräch in Bleckede. „Das musste ein gewisses Volumen haben, sonst wäre es nicht gegangen. So sind wir auf die Neuhauser Kirche gekommen.“ Seit Jahren stützen der Landkreis aber auch die Sparkassenstiftung finanziell die Ausflüge des Mecklenburg-Festivals. Damit wird offen umgegangen. Und nicht nur Bleckedes Bürgermeister Jens Böter empfindet die Kooperation als Glücksfall. So gäbe es im Sommer einen Höhepunkt für die eigenen Bürger, es kämen aber auch durch den Ruf der Künstler und Festspiele viele Auswärtige in die Stadt.

Auf diesen Effekt setzt auch Neuhaus, auch wenn derzeit noch nicht klar ist, ob es im kommenden Jahr eine Wiederholung in der Kirche geben kann. Intendant Fein: „Nach unseren Beobachtungen haben wir gerade auf den Spielstätten im ländlichen Bereich eine Mischung von 50:50. Die eine Hälfte kommt aus der Region, womit auch Schwerin gemeint sein kann, die andere aus ganz Deutschland. Und wir erfahren, dass alle neugierig auf neue Spielstätten sind. Auf der anderen Seite wollen wir es auch nicht übertreiben.“

Und so haben Angebote im ländlichen Bereich auch in Zukunft gute Chancen, sich Festspielort nennen zu dürfen. Orte um Schwerin herum sind da schlechter dran, weil das Festival eben in Schwerin schon sehr stark ist. Beleg dafür: Auch Wittenburg mit seiner St. Bartholomäus-Kirche wird am 22. August die Festspiele beherbergen.

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