Boizenburg : Museumsverein ist Geschichte

Museum und Stadinformatuion sind in einem Gebäude untergebracht.
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Museum und Stadinformatuion sind in einem Gebäude untergebracht.

Verein der Museumsfreunde Boizenburg löst sich nach fast 25-jährigem Bestehen auf. Stadt verliert ein Stück Kulturgeschichte

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20. April 2015, 08:00 Uhr

Der Verein Museumsfreunde Boizenburg ist Geschichte. Am Ende stimmte eine Mehrheit der anwesenden Mitglieder auf der Versammlung am Freitagabend im Rathaus für die Auflösung. Es war schon im Februar auf der Jahreshauptversammlung nicht gelungen, einen neuen Vorstand zu wählen. Für die Positionen des ersten Vorsitzenden und eines Schatzmeisters fand sich keine neue Besetzung.

Dr. Uwe Wieben war bereits im August vergangenen Jahres als erster Vorsitzender zurück getreten, aus gesundheitlichen Gründen und „weil es auch irgendwann einmal genug sein muss“.

„Die Situation ist allen bekannt, wir haben monatelang nachgedacht alles mehrfach durchgesprochen,“ so der zweite Vorsitzende, Jürgen Gösche, der die Versammlung leitete. Wenn sich niemand fände, wäre die Auflösung die Konsequenz. Er fragte noch einmal pro forma, ob jemand kurzfristig bereit sei, sich für den Vorsitz und den Schatzmeister zur Verfügung zu stellen. Doch auch ein Brief des Bürgermeisters, Harald Jäschke, der verlesen wurde und in dem er schrieb, er würde eine Auflösung persönlich sehr bedauern und der Verein hätte mit seinen Aktivitäten das museale Herz der Stadt sehr bereichert, änderte nichts an der Situation.

„Jeder ist interessiert, aber zu wenige arbeiten mit und wir haben keinen Nachwuchs. Auch Kritik an der Stadt übte er. Die habe sich in der Vergangenheit zu sehr hinter dem Verein versteckt.


Keine andere Möglichkeit als Auflösung gesehen


Der Antrag auf Auflösung wurde gestellt, auf vielen Gesichtern lag Betroffenheit. Von den anwesenden 23 Mitgliedern (der Verein hatte 70 Mitglieder) stimmten letztendlich 23 der Auflösung zu, drei stimmten dagegen.


Verein vor knapp 25 Jahren gegründet


Der Verein Museumsfreunde Boizenburg war im Dezember 1990 mit 17 Mitgliedern gegründet worden. Heinz Schröder war damals erster Vorsitzender. Schon seit 1997 fungierte Dr. Uwe Wieben als zweiter Vorsitzender, ab 2003 dann als erster Vorsitzender. „Wir wollten das Heimatmuseum unterstützen, das in diesem Jahr seit 80 Jahren besteht. Das haben wir mit vielen Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen getan. An der Unterstützung durch die Stadt hat es allerdings manchmal etwas gefehlt“, so Wieben.

Er erinnert sich gerne zurück an das, was alles auf die Beine gestellt worden war. So war es ihm zum Beispiel gelungen, die Grande Dame des Journalismus, Mario Gräfin Dönhoff für einen Vortrag nach Boizenburg zu locken. „Sie wollte selbst im Auto herfahren, musste sich dann aber chauffieren lassen, weil sie kurz zuvor wegen zu schnellen Fahrens ihren Führerschein losgeworden war. Ein Honorar wollte sie auch nicht.“

Doch auch wenn der Verein nun nicht mehr existiert, soll eine Form gefunden werden, mit der das Museum und das kulturelle Leben in der Stadt weiter unterstützt wird. Mario Buck hatte Vorschläge ausgearbeitet und vorher per Rundbrief verschickt. „Das Museumsleben fortführen ohne den Verein, wie könnte das gehen“, fragte Buck. Die Idee ist, zum einen eine Art Beirat zu gründen, den es im Übrigen schon einmal gegeben hatte. Ein harter Kern könnte sich einbringen, sich regelmäßig zusammensetzen und besprechen, was man organisieren könnte. Und die bisherigen Mitglieder könnten sich in einem Freundeskreis zusammenfinden und geselliges Zusammensein trotzdem pflegen.

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