Boizenburg : Museum mit spannender Historie

Autor Dr. Uwe Wieben  im Museum Boizenburg.
Autor Dr. Uwe Wieben im Museum Boizenburg.

Einrichtung in Boizenburg wird im September 80 Jahre alt / Inventar hat mehrere Umzüge hinter sich

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11. August 2015, 11:41 Uhr

Das Heimatmuseum Boizenburg wird im nächsten Monat 80 Jahre alt. Die am 29. September 1935 gegründete Einrichtung zählt nach Schönberg (1931) und Grabow (1934) zu den ältesten Heimatmuseen in Westmecklenburg.

Die Lehrer Hans Vick (1893-1966) und Jochen Bull (1900-1963) waren die Gründer, wobei Bull an der eigentlichen Eröffnung nicht teilnehmen konnte. Er war bereits im Jahre 1934 von den Nazis aus politischen Gründen nach Helm bei Wittenburg strafversetzt. Die passionierten Sammler hatten in den Jahren zuvor zahlreiche Exponate wie Möbel, Hausrat, Waffen, Trachten, Münzen, Fotos, Urkunden und Bücher in der Stadt und den umliegenden Dörfern zusammengetragen und damit den Grundstock der heutigen Sammlung gelegt.

Am 29. September des genannten Jahres kam es dann im Beisein des Reichsstatthalters von Mecklenburg, Friedrich Hildebrandt (NSDAP) und des Boizenburger Bürgermeisters Joachim Senst (NSDAP) im Gebäude der von den Nazis aufgelösten Freimaurerloge „Vesta zu den zu drei Türmen“ in der Kleinen Wallstraße 7 zur feierlichen Eröffnung. Hans Vick wurde als ehrenamtlicher Leiter bestellt.

Nach den Wirren des Krieges, in denen auch zahlreiches Museumsgut verloren ging, wurde das Museum 1958 unter hauptamtlicher Leitung von Erich Redlich wiedereröffnet. Einige Jahre waren Peter Berger und seine Ehefrau hier tätig.

Ab 1978 fand ein schrittweiser Umzug des Museums ins barocke Bürgerhaus Kirchplatz 13 statt. Im Rahmen der 725-Jahrfeier der Stadt Boizenburg im Jahre 1980 wurde die Einweihung im neuen Domizil vorgenommen. Nach Restitutionsansprüchen ehemaliger Besitzer verlor die Stadt nach der politischen Wende 1989/90 und nach jahrelangen Auseinandersetzungen dieses attraktive Gebäude und musste deshalb eine neue Unterkunft für die Ausstellung, die Magazinräume und die Museumsbibliothek suchen. In dieser Zeit gingen auch die Besucherzahlen aus sehr unterschiedlichen Gründen zurück, die personelle Ausstattung des Hauses wurde dezimiert. Die neue Museumsleiterin Karin Wulf fand schwere Bedingungen vor.

Das Heimatmuseum eröffnete am 30 Oktober 2005 im 70. Jahr seines Bestehens im Haus Markt 1(vermutlich ein Bau des Schweriner Hofbaumeisters Georg Adolf Demmler 1804-1886) seine neue stadtgeschichtliche Ausstellung, erhielt neue Magazinräume, und die Arbeit des Museums wurde durch die engagierte Tätigkeit des Boizenburger Museumsvereins maßgeblich unterstützt.

Unter den Einflüssen einer digitalen und globalen Welt haben es Heimatmuseen natürlich zunehmend schwerer, sich behaupten zu können. Dazu kommt, dass der Dialog zwischen den Generationen als gestört erscheint. In der Konkurrenz mit den unterschiedlichen und zahllosen Events in der Realität und in den Medien ist es für die Heimatgeschichte äußerst schwierig geworden, das jüngere Publikum zu gewinnen.

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