Boizenburg : Museum: „Die Platte bleibt erhalten“

Wersolche Glasplatten, wie sie Ezio Gutzemberg hier in der Hand hält, zufällig noch zu Hause auf dem Dachboden oder im Keller hat, soll sich damit ans Museum wenden, bittet Karin Wulf.
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Wersolche Glasplatten, wie sie Ezio Gutzemberg hier in der Hand hält, zufällig noch zu Hause auf dem Dachboden oder im Keller hat, soll sich damit ans Museum wenden, bittet Karin Wulf.

Das Heimatmuseum bereitet eine Ausstellung über alte Glasplatten-Fotos vor

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21. Juni 2016, 21:00 Uhr

Es gibt in Boizenburg einen Schatz, der nicht tief vergraben im Boden schlummert, sondern ganz banal in einer kleinen Kiste auf einem Schrank steht. Immerhin befindet sich der Schrank im hiesigen Heimatmuseum und damit der Schatz dort, wo er hingehört. Die Rede ist von Glasplatten-Fotografien, die - das kann man schon so sagen - Jahrhunderte alt sind. Denn die älteste erhaltene Fotografie von Boizenburg stammt aus dem Jahr 1870 und zeigt das Schützenhaus, welches damals im Deutsch-Französischen Krieg als Lazarett diente. Nun hat sich der Fotograf Ezio Gutzemberg dieses historischen Schatzes angenommen und ist dabei, ihn ins digitale Zeitalter zu überführen.

„Das Museum hat ungefähr 300 Fotos auf Glasplatten“, erklärt Ezio Gutzemberg im Gespräch. „Das Problem ist, dass die Glasplatten extrem bruchanfällig sind und außerdem durch einen bestimmten Pilz befallen und zerstört werden können.“

Bei der Glasplatten-Fotografie wurden die Platten zunächst mit einer speziellen Kolldium-Flüssigkeit behandelt, dann in die mannsgroße Kamera eingelegt und anschließend wurde fotografiert. Sofern darauf Menschen abgelichtet werden sollten, mussten die Porträtierten Geduld mitbringen und die Fähigkeit, ganz und gar still zu stehen - sonst wurde es nichts mit dem Foto. „Deshalb erscheinen auf historischen Fotos Menschen oft wie erstarrt“, erklärt der Fotograf von heute.

Um die Fotos von der Glasplatte auf eine digitale Chipkarte zu zaubern, hat sich Gutzemberg einen Spezialkasten aus Holz gebaut und die Negative auf den Glasplatten ganz simpel abfotografiert. Oben auf der Kiste liegt eine A-4-große Milchglasplatte, auf die die jeweilige Negativ-Glasplatte gelegt wird. An der Seite befindet sich ein Loch für den digital ausgelösten Blitz. Fotografiert wird von einem Stativ aus direkt über der Kiste.

„Die Idee dafür habe ich von einem Vortrag der Arbeitsgruppe für historische Fotografie in Prerow mitgebracht“, berichtet der Boizenburger Künstler, der die Digitalisierungs-Aktion ehrenamtlich betreibt. Die Gruppe wird von Volker Jahnke geleitet und hat sich mit Glasplatten intensiv beschäftigt, weil das Darßer Heimatmuseum bei einem Zufallsfund vor einigen Jahren ca. 40  000 Glasplatten-Fotos entdeckt hat.

„Mir war beim Abfotografieren wichtig, dass man sieht, es handelt sich um Glasplatten“, meint Gutzemberg. „Deshalb sind auch die zum Teil beschädigten Ränder zu erkennen.“ Er habe die Fotos anschließend wenig bearbeitet, nur die Kontraste manchmal verschärft. „Es kann auch sein, dass ich spiegelverkehrt abfotografiert habe, weil es dafür auf den Platten keine Anhaltspunkte gibt.“

Museumsleiterin Karin Wulf kündigte an, dass mit ca. 25 der digitalisierten Glasplatten-Fotografien eine Ausstellung vorbereitet wird.

„Schön, dass wir auf diese Weise einmal etwas aus den Beständen des Museums zeigen können“, so Wulf. „In der Ausstellung, die am 11. September eröffnet wird, können die Besucher dann auch etwas über die Fotografen erfahren.“

Die ausgestellten Fotografien zeigen Boizenburger Stadtansichten oder Bürger zwischen 1900 und 1929. Sie stammen von Hans Karwatky, der das Atelier in der Klingbergstraße 50 von seinem Vater Ferdinand - dem ersten Boizenburger Berufsfotografen - 1895 übernommen hatte, und seiner Frau Josefine, die das Atelier nach dem Tod ihres Mannes weiterführte. Sie nahm sich 1945 zu Kriegsende zusammen mit ihrer Tochter in Schwerin das Leben.

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