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Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 19:50 Uhr

Neuhaus : Museum der Geschmacksvielfalt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Der Kleingartenverein Amtskoppel möchte Schaugärten für alte Apfelsorten anlegen und bewirbt sich um eine finanzielle Förderung

„So viel mediale Aufmerksamkeit hatte die Kleingartenanlage noch nie. Da wird mir richtig schwindelig“, lacht Sabine Wittkopf, als Marisa Hart ihr Handy zeigt. „Also, 5000 Menschen verfolgen unserer Video auf Instagram aktuell. Erfahrungsgemäß werden es im Laufe des Tages bis zu etwa 20 000 Menschen“, berichtet Deutschlands bekannteste und erfolgreichste Familienbloggerin, denn rund 250 000 Leser verfolgen regelmäßig im Internet ihr Tagebuch „Baby, Kind & Meer“.

Marisa Hart ist mit ihrem Mann Michael und den Kindern Charlotte und Tom aus dem schleswig-holsteinischen Schönberg nach Neuhaus gekommen, um das Apfelbaum-Projekt des Kleingartenvereins im Internet zu bewerben. Auf brachliegenden Parzellen möchte der Verein Schauflächen mit regionalen Apfelsorten pflanzen, um so Einheimischen und Gästen ein lebendiges Museum der Geschmacksvielfalt zu bieten und die alten Sorten zu erhalten.

Beantragt hat der Verein eine Förderung von 5000 Euro bei Europarc e.V., dem Dachverband der nationalen Naturlandschaften in Deutschland. Gemeinsam mit einem großen Getränkehersteller lobt Europarc aktuell einen Wettbewerb aus, bei dem man aus sechzehn Biotopen in ganz Deutschland im Internet sein Lieblingsprojekt wählen kann. „Wir freuen uns sehr, dass wir in die Liste aufgenommen wurden. Da wir ein kleines Projekt sind, hat uns Europarc Marisa Hart zur Seite gestellt, damit wir auch eine Chance haben“, erklärt Sabine Wittkopf, die für das Apfelmuseum verantwortlich zeichnet. Bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen aus Strudeläpfeln verkostet Familie Hart verschiedene Äpfel aus der Region und muss feststellen, dass sie so ganz anders schmecken als die Ware aus dem Supermarkt. Marisa Hart hat es besonders der Brasil-Apfel angetan: „Der schmeckt völlig anders als das, was ich kenne. Einfach lecker!“ Ein neuer Brasil-Baum wurde in der Kleingartenanlage bereits gepflanzt. Der Baum mit den leuchtend tiefroten Früchten hätte auf einer Plantage für Erwerbszwecke keine Chance. „Der Brasil wird ein riesiger Baum, der sich nur für den extensiven Anbau eignet wie so viele unserer anderen Sorten auch. Deshalb wäre die Kleingartenanlage der ideale Platz, um unsere gigantische Geschmacksvielfalt zu erhalten und zu präsentieren. Wir haben hier schon einen großen Bestand an alten Bäumen, darunter viele DDR-Sorten wie Carola und Ontario“, erläutert Sabine Wittkopf.

Rund 4000 qm² Fläche hat der Kleingartenverein bereits ausgeguckt für seine Apfelwiesen. Mit dem Geld aus einer möglichen Förderung wird das Pflanzen der Bäume und das Mähen der Flächen finanziert. Nach Möglichkeit sollen die Apfelsorten thematisch und passend zum Altbestand sortiert werden, u.a. ist eine Fläche für „Prinzen“-Äpfel wie Hasenkopf und Winterprinz geplant. Schautafeln und ein Rundweg sollen Besucher durch die Anlage leiten, das Obst wird an den Neuhauser Kindergarten gehen. Die Pflege und Ernte der Bäume und Flächen soll durch ein Patensystem gesichert werden. Auch an Bienen und Insekten wird bei den Biotopen durch spezielle Maßnahmen wie Blühstreifen und Insektenhotels gedacht. „Hier könnten wir die ganzen alten Sorten, die wir noch im Amt haben und überall verteilt an den Straßen stehen, zusammengetragen und für alle direkt an einem Ort erlebbar machen. Und natürlich darf nicht nur geschaut, sondern auch probiert werden“, freut sich Sabine Wittkopf auf die Umsetzung des Apfelmuseums. Wer abstimmen möchte, kann das unter www.vio.de/de/11_Biosphaerenreservat_Niedersaechsische_Elbtalaue/ tun.


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