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Valluhn : Mütter gefragt: Firmen sehen Potenzial

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Unternehmen der Region erkennen Potenzial in der Frau als Arbeitskraft. In individuellen "Muttischichten" bieten sie ihnen Arbeitszeiten, die es auch Alleinerziehenden ermöglichen, sich beruflich zu verwirklichen.

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erstellt am 27.Aug.2012 | 09:14 Uhr

Valluhn | Mütter auf dem Vormarsch: Unternehmen der Region erkennen zunehmend Potenzial in der Frau als Arbeitskraft. In individuellen "Muttischichten" bieten sie ihnen Arbeitszeiten, die es auch Alleinerziehenden ermöglichen, sich beruflich zu verwirklichen. Vorreiter ist laut Arbeitsagentur Hagenow der Fleischspezialist Berschneider im Megapark Valluhn-Gallin. Schnell folgt das Edeka-Fleischwerk, das mittlerweile überlegt, eine zweite Schicht zu integrieren. Weitere Firmen wie Dankwardt in Jessenitz bekunden Interesse. Die Nachfrage ist da - bei Betriebschefs und Müttern.

Veronika Sohra von der Agentur für Arbeit weiß warum: "Mütter überzeugen, weil sie oft besser organisiert sind." Unternehmen hätten erkannt, dass sie die Potenziale der Frauen bei der aktuellen Arbeitsmarktlage nutzen sollten.

"Mütter sind gewillt", bestätigt auch Katharina Weste, Personalreferentin im Edeka-Fleischwerk. "Oft machen es ihnen aber die regulären Schichten schwer auf dem Arbeitsmarkt, weshalb wir uns anpassen wollten." Sechs Frauen arbeiten seit knapp drei Monaten in der ersten Muttischicht bei Edeka. 21 weitere Interessenten stehen Schlange.

Liane Tiede hat Glück. Die 25-Jährige aus Ludwigslust genießt es, endlich Arbeit und Familie trotz Pendeln unter einen Hut zu bekommen. Wie oft hat sie sich zuvor anhören dürfen: "Sie haben zwei Kinder? Dann nicht". Worte, die sie fast aufgeben lassen bei der Jobsuche. "Nach jeder weiteren Absage rückte der Gedanke näher, das macht doch alles keinen Sinn", sagt die junge Frau. "Man will ja, aber wenn einen keiner lässt..." Edeka wollte sie. Als Produktionshelferin in Valluhn - 30 Stunden in der Woche, von 8 bis 14.30 Uhr. "Das lässt sich super mit den Öffnungszeiten im Kindergarten vereinbaren", sagt die Alleinerziehende. Bei einer regulären Frühschicht ab 6 Uhr hätte sie das nie hinbekommen.

Für die Agentur für Arbeit sind solche flexiblen Arbeitsmarktmodelle immer mehr ein Thema. Sie berät Firmenchefs und Alleinerziehende darüber, welche Optionen es angesichts der Lage beider Seiten gibt. So hat Edeka zum Projekt der Muttischichten, und Produktionshelferin Liane Tiede zum neuen Job gefunden. "Wir konnten in diesem Jahr unsere Spitzen nicht mehr durch Saisonkräfte abdecken", sagt Personalreferentin Katharina Weste. Etliche Stellen muss sie zu dieser Zeit an die Agentur für Arbeit melden, die ihr daraufhin das Projekt für Mütter vorstellt. Aus ersten Gedanken wird Ernst. Und das Unternehmen ist froh, diesen Schritt gegangen zu sein. "Wir sind überrascht von der Flexibilität und der Arbeitseinstellung der Frauen", sagt Katharina Weste. Der Wille sei da. Sogar soweit, dass sie alles versuchen, um das Fleischwerk in Hochzeiten mit Überstunden zu unterstützen.

Und jede der Frauen habe es selbst in der Hand, wie es nach der Probezeit weitergeht. Liane Tiede setzt jetzt alles daran, weiter in Valluhn zu arbeiten. Mit ihren Vorkenntnissen aus der angefangenen Fleischer-Lehre hat sie gute Chancen. "Wenn es nach uns geht, kann sie auch ihre Ausbildung bei uns beenden", so Katharina Weste. "Wenn meine Kinder soweit sind", entgegnet Liane Tiede. Sie sind zwei und vier Jahre alt und müssten erst aus dem Gröbsten raus sein.

Dabei helfen könnte ihr die geplante Kita im Megapark, die ursprünglich 52 Kinder von 6 bis 19 Uhr betreuen sollte. Diese flexible Einrichtung könnte die Schichtarbeiter und Pendler der Unternehmen im Gewerbegebiet entlasten. Da Tchibo jetzt von dem Projekt ablassen möchte, müsse der Plan von Seiten des Edeka-Werkes neu überdacht werden, so Katharina Weste. Das Vorhaben sei aber nach wie vor wichtig für das Unternehmen.

Genauso wie die Muttischichten. Schließlich würde beides Mitarbeiter binden. "Sie werden flexibler und motivierter."

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