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Hagenower Kreisblatt

13. Dezember 2017 | 10:25 Uhr

Hagenow : Müll-Brennstoff als Druckmittel

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hagenows Kartoffelveredlung ist auf Müll als Brennstoff fürs Kraftwerk angewiesen und dabei zum Spielball der Bundesländer geworden.

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Erwin Sellering war noch nie zuvor im Traditionsbetrieb der Kartoffelveredlung. Diese Lücke hat der Landeschef in dieser Woche nun geschlossen. Nicht ohne Grund, denn das Werk hat Sellering in einer kniffligen Angelegenheit um politische Unterstützung gebeten.

Es geht um den vorsortierten Müll, der im neuen Heizkraftwerk verbrannt wird und von dessen Dampf und Strom die Produktion in Hagenow zu 100 Prozent abhängt. Diesen Müll kauft Hagenow von der Meab, der  Märkischen Entsorgungsanlagen-Betriebsgesellschaft mbH. Einer Gesellschaft, die je zur Hälfte in Besitz Brandenburgs und des Landes Berlin ist. Und diese Gesellschaft hat schon vor Monaten  einseitig die Bedingungen geändert und einfach die Zahlungen für den Müll gekürzt. Dieser Streit kam vor das Landgericht Schwerin, wo die Meab zunächst  Recht bekam. In der Folge musste die Hagenower Kartoffelveredlung mit gut einer Million Euro weniger auskommen. Inzwischen ist der Streit weiter eskaliert und kommt wohl nun bald vor das Oberlandesgericht in Rostock. „Wir hätten die Auseinandersetzungen gern anders geregelt aber für uns geht es um sehr viel“, bekannte Jörg Elvers, der kaufmännische Chef des Werkes in Hagenow. Zumal nach seinen Worten die Auseinandersetzungen sehr erbittert geführt würden, das Meab-Team habe auch schon mit Pfändungen agiert. Elvers: „Ohne die Hilfe unserer Muttergesellschaft, der Emsland Group, wären wir wohl schon pleite.“

Die Geschäftsführung der Meab mit Sitz in Potsdam war gestern nach kurzfristiger Nachfrage für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Die Hagenower sehen sich in der Sache völlig im Recht, sie haben einen Vertrag bis 2021 und können nicht verstehen, warum jemand einseitig die Bedingungen verändert hat. Dennoch setzt man eigentlich auf eine gütliche Einigung und baut dabei auf die Politik, nicht ohne Grund. Ministerpräsident Erwin Sellering bestätigte gestern auch, dass er auf seiner Ebene den politischen Kontakt suchen werde, um zu helfen. Er wolle aber auch nicht zu viel versprechen, schließlich sei die Angelegenheit vor Gericht. Direkt zuständig für die politische Unterstützung ist bei der Landesregierung in dem Fall das Haus von Till Backhaus. Der sei über das Thema auch immer wieder ausführlich informiert worden, bestätigte die Werksleitung in Hagenow mit Jörg Elvers und Hartmut Kögel.

„Unser Haus hat in dieser Angelegenheit Kontakt zum Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg aufgenommen. Dort  ist aber um Verständnis gebeten worden, dass man aufgrund des jetzigen Verfahrensstandes - laufender Rechtsstreit - keine Grundlage für eine Intervention sehe und die gerichtliche Entscheidung im Berufungsverfahren abwarten möchte“, heiß es gestern dazu aus dem Backhaus-Ministerium.

Es geht um 70 000 Tonnen im Jahr, die in Hagenow verbrannt werden. Vorsortierter Müll, der tatsächlich zwar von Ihlenberg nahe Schönberg kommt, aber als Händler fungieren die Brandenburger. Das war politisch gewollt. Und es geht im Kern um die langfristige Sicherung des Betriebes, der technologisch extrem viel Energie braucht. Das Heizkraftwerk liefert pro Jahr 260 000 Tonnen Dampf und 25 415 Megawattstunden Strom.

Dabei war das fast 52 Millionen Euro teure Kraftwerk, das erst vor wenigen Jahren eröffnet wurde,  von den damaligen Chefs als Überlebensgarantie konzipiert worden. Damals war man auf politischer Seite noch froh, den Müll, den man nicht mehr deponieren durfte, loszuwerden. Das hat sich geändert. Jetzt ist der Müll fast zur Mangelware geworden und die Kontingente werden  politisch verteilt. Gift für Unternehmen, die am Markt gegen Konkurrenz bestehen müssen.

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