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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 11:24 Uhr

Boizenburg : Motorsport mit Konfliktpotenzial

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Illegale Enduro-Touristen nerven Anwohner und Sportclub / Stadt plant keinen Ausbau der Motocrossstrecke im Ortsteil Schwartow

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2014 | 20:15 Uhr

Sie kommen aus Hamburg, Stade, Geesthacht oder Winsen und fallen regelmäßig sonntags mit ihren Crossmaschinen im Boizenburger Umland ein. Die Motorradfahrer pirschen sich über Felder auf die doch geschlossene Motocrossstrecke im Ortsteil Schwartow und frönen dort illegal ihrem PS-starken Freizeitvergnügen. Die Motorengeräusche nerven Anwohner, die Stadtverwaltung und den Betreiber der Motorsportanlage gleichermaßen.

„Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, auch wenn die Polizei öfter kontrolliert als vorher“, sagte der Zweite Vorsitzende des Motorsportclubs (MC) Boizenburg, Rene Heims. Er wohnt in der Nähe der Strecke und ist selbst stinksauer, wenn er sonntags den Lärm von seiner Trainingsbahn hört. „Die fahren über die Felder und durch den Wald, peitschen quer durch die Landschaft“, beklagt Heims. Der Platzwart berichtet von teilweise organisierten Touren nach Boizenburg. Den Frust seiner Nachbarn bekommt er zu spüren, wenn der Geräuschpegel der Freizeittouristen zu Unrecht seinem Verein zugeschrieben wird.

„Wir fahren sonntags gar nicht. Als Zugeständnis an die Anwohner verzichten wir derzeit darauf“, sagt Heims. Das gilt sowohl für die mehr als 20 Mitglieder des Vereins als auch für die Gäste, die mit einem Tagesticket in Boizenburg fahren können. Trainingszeiten auf dem Gelände sind immer mittwochs und samstags. Die illegalen Enduro-Fahrer zu stellen, ist so gut wie aussichtslos. Die sind so schnell über die Felder verschwunden, wie sie gekommen sind.

Die Boizenburger Fachbereichsleiterin Bau und Ordnung, Dagmar Poltier, kann Heims Aussagen nur bestätigen. „Es ist leider so, dass die Anlage von ’Motocrosstouristen’ missbraucht wird“, sagt sie. Die seien ohne Kennzeichen auf der Strecke unterwegs und daher sehr schwer ordnungsrechtlich zu verfolgen. Man habe die Problematik auch schon mit dem örtlichen Polizeirevier besprochen; insgesamt gibt es bezüglich der Verfolgung der externen Krachmacher bisher aber leider keine Lösung“, räumt Poltier mit Bedauern ein.

Erst vor wenigen Wochen wurde in einer von 57 Anwohnern unterschriebenen Beschwerde an die Stadt dann auch eine „unkontrollierte und erhebliche Lärmbelästigung“, fehlende Geräuschpegelmessungen und ausbleibende Kontrollen auf der Bahn beklagt. Die Petenten verweisen in dem Papier nachdrücklich darauf, dass die überwiegende Zahl der Nutzer nicht in der Gegend ansässig ist, sondern aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen stammt, wo die „lärm- und naturbelastenden Bahnen“ schon seit geraumer Zeit nicht mehr zulässig seien.

Als wäre der Krach noch nicht genug, fürchten die Unterzeichner jetzt sogar, dass die Stadt eine „Legalisierung“ sowie „Erweiterung“ der Motocrossstrecke beabsichtigt. Das soll ihrer Ansicht nach durch die geplante Änderung des Flächennutzungsplans passieren. Die Bürger legten mit ihrem Schreiben an die Kommune ihrerseits Widerspruch gegen diesen Verwaltungsakt ein.

Dagmar Poltier widerspricht: „Es geht nicht um eine Vergrößerung der Strecke“, betont sie. Die seit Jahren im Ortsteil Schwartow bestehende Motocrossstrecke solle jetzt in den Flächenbestand aufgenommen und damit erstmals „inventarisiert“ werden. Das sei bislang nicht der Fall gewesen. Mehr sei nicht beabsichtigt. Mit der Aufnahme in den Flächennutzungsplan solle auch ein Stück Rechtssicherheit hergestellt werden.

Die Bahn bleibe „von der Größe so wie sie ist“ und eine reine Trainingsstrecke mit bestimmten Öffnungszeiten, sagte Motorsportclub-Vertreter Heims. Im Verlauf der Wende sei offenbar verpasst worden, die seit 1983 existierende Motocrossanlage in den Flächennutzungsplan einpflegen zu lassen. Das werde jetzt geändert.

Der MC Boizenburg im ADMV unterzieht bei der Gelegenheit die eigene Anlage jetzt einem Check. Ein Ingenieurbüro wurde laut Heims beauftragt, ein Lärm- und Umweltgutachten zu erarbeiten. Es gehe dabei darum, die vorhandenen Standards mit den aktuellen Vorschriften zu vergleichen, um beispielsweise - wenn erforderlich - Änderungen beim Brandschutz vorzunehmen. Die Lärmuntersuchung bestätigt auch Poltier.

Von den Gutachten, die den zuständigen Behörden in Schwerin zur Prüfung vorliegen und dem Verein einiges Geld kosten, erwartet Heims keine negativen Folgen für den Club. „Es sieht alles gut aus.“ Auch die Stadt bescheinigt dem Motorsportverein, sich definitiv zu bemühen, in gutem Einvernehmen mit den Anwohnern der Crossstrecke auszukommen.

„Wenn man uns das Gelände wegnimmt, wird nicht weniger gefahren, die illegalen Fahrten bleiben,“ betont Heims. „Wir versuchen, den Motorsport aufrecht zu erhalten und etwas für die Region zu tun.“

Die Kritik der Anlieger geht weit über Lärmbeschwerden hinaus. In dem Schreiben an die Stadt werden auch eine mangelnde Hilfsbereitschaft der Polizei bemängelt, wenn Anzeigen wegen Lärms erstattet werden sollen. Die Bürger monieren zudem, dass sich das Treiben auf der Motocrossstrecke negativ auf die Nist- und Brutvögel auswirkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

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