Zuständiger Verband schiebt das Sanierungsprojekt : Motel "frisst" Ufer - Natur und Bürger betroffen

Die Motel nimmt Wilfried Gäbel aus Lehsen Grund und Boden. Die Bäume kippen bald um, der Zaun müsste ein weiteres Mal versetzt werden. Der Verband vertagt die Sanierung.
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Die Motel nimmt Wilfried Gäbel aus Lehsen Grund und Boden. Die Bäume kippen bald um, der Zaun müsste ein weiteres Mal versetzt werden. Der Verband vertagt die Sanierung.

Die Motel frisst sich zusehends durch die Ufer. Entlang des Grundstücks von Wilfried Gäbel in Lehsen hat der Nebenfluss der Schilde in den letzten beiden Jahrzehnten zwei Meter verschluckt. Wilfried Gäbel ist sauer.

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26. November 2012, 07:33 Uhr

Lehsen | Die Motel frisst sich zusehends durch die Ufer. Entlang des langen Grundstücks von Wilfried Gäbel in Lehsen hat der Nebenfluss der Schilde in den letzten beiden Jahrzehnten zwei Meter verschluckt, und damit seine Breite verdoppelt. Zu Lasten des Grund und Bodens von Wilfried Gäbel und der Artenvielfalt am Gewässer. Der zuständige Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale weiß um das Problem. Trotzdem geschieht seit Jahren nichts.

"Wir haben nur begrenzte Mittel von unseren Beitragszahlern", sagt Verbandsvorsteher Lothar Otto auf Nachfrage. Etwa 100 Mitglieder zahlen jedes Jahr zusammen 1,27 Millionen Euro ein. Knapp ein Drittel wird allein für die Unterhaltung von 2000 Kilometern Wasserlauf berappt. Mit dem Rest müsse der Verband gut haushalten, so Otto. Die Sanierung der Motel würde kostenintensiv werden. Schließlich geht es nicht nur um das Teilstück am Grundstück von Wilfried Gäbel. Es gibt mehrere Baustellen, die zu einer großen zusammengefasst werden sollen. Sie punktuell anzugehen, wäre sinnlos, erklärt Otto.

Auf mindestens eineinhalb Kilometern müssten mit hohem technischen Aufwand die Böschungen wieder hergestellt und Faschinen gesetzt werden, um das Ufer zu befestigen.

Bei Grabenschauen sind die Probleme an der Motel schon aufgenommen worden. Auch in Lehsen, wo der Fluss mäandert. Naturbelassen fließt er in Schleifen - und damit langsamer als in den begradigten Abschnitten. Doch dadurch frisst sich das Wasser in die Ufer. Schuld sei ebenfalls die Furt eines Landwirtes, eine seichte Stelle zum Überqueren des Wassers, sagt der Verbandsvorsteher. Die ließe den Fluss versanden.

Weil sich solange nichts tut, greift Wilfried Gäbel selbst ein: Steine ins Wasser legen etwa, damit es das Ufer nicht weiter aushöhlt. Um die 300 Quadratmeter Grundstücksfläche hat er schon verloren. Der Zaun ist bereits einmal versetzt worden und neigt sich jetzt erneut Richtung Abhang. Große Bäume drohen umzukippen, wenn nicht bald etwas passiert. "Meine Geduld ist am Ende", sagt der Lehsener. Zehn Jahre lebt Wilfried Gäbel in Lehsen. Damals konnte er noch Forellen und Eisvögel von seinem Garten aus beobachten. Heute sind sie verschwunden, "weil die Motel breiter und flacher wird. Eigentlich wollte der Verband schon früher einschreiten", sagt der Lehsener enttäuscht. "Schließlich zahle ich Gebühren."

Im Dezember tagt der Wasser- und Bodenverband, um seinen Haushalt zu beschließen. Dann könnte laut Verbandsvorsteher Otto auch das Projekt Motel berücksichtigt werden. Doch: "Wir müssen gut haushalten mit unseren Mitteln", und andere Kommunen hätten auch notwendige Belange.

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