Hagenow : Mitgefühl nach Brand im Schwarzwald

Beschwerliche Rettung: behinderte oder bettlägerige Menschen aus einem brennenden Haus zu bergen, ist schwierig. Deshalb üben die Wehren aus Lübtheen regelmäßig den Ernstfall. In der Region nimmt man Anteil am tödlichen Brand im Schwarzwald.Archiv/Hennes
Beschwerliche Rettung: behinderte oder bettlägerige Menschen aus einem brennenden Haus zu bergen, ist schwierig. Deshalb üben die Wehren aus Lübtheen regelmäßig den Ernstfall. In der Region nimmt man Anteil am tödlichen Brand im Schwarzwald.Archiv/Hennes

Bestürzung nach der Brandkatastrophe in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald. Detlef Postler mag sich kaum vorstellen, dass so etwas auch in seiner Hagenower Einrichtung des Lebenshilfewerkes passiert.

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27. November 2012, 06:14 Uhr

Hagenow | Bestürzung nach der Brandkatastrophe in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald. Detlef Postler mag sich kaum vorstellen, dass so etwas auch in seiner Hagenower Einrichtung des Lebenshilfewerkes passiert. Der erste Gedanke nach dem Feuer, bei dem 14 Menschen starben: "Zum Glück haben wir nur ein Stockwerk. Alle kommen schnell durch die Türen nach draußen." Seine Angestellten und Beschäftigten seien aber auch gut vorbereitet auf mögliche Horrorszenarien.

Mindestens einmal im Jahr proben sie den Ernstfall in einer Feueralarmübung. Sie sprechen alles durch. Wo sind Ausgänge, wo ist der Sammelpunkt, was ist zu tun. "Das ist wichtig", sagt der Werkstattleiter. Denn gerade für die geistig und körperlich behinderten Beschäftigten sei so etwas ein Einschnitt - ob Übung oder Ernstfall. Auch wenn die Menschen mit weniger großem Behinderungsgrad gelassener seien, "die meisten sind aufgeregt", so Detlef Postler.

Sein Chef, Geschäftsführer Hans-Joachim Grätsch, ist froh, dass er in 30 Jahren noch nie so eine Katastrophe diesen Ausmaßes erleben musste. Er kann nachvollziehen, wie sich die Verantwortlichen im Schwarzwald, in Titisee-Neustadt, fühlen. Der Geschäftsführer trägt selbst die Verantwortung für 2150 Menschen in den Einrichtungen des Lebenshilfewerkes Mölln-Hagenow. Einmal erlebte er ein Feuer in einem seiner zweigeschössigen Häuser. "Das war fürchterlich." Nach dem jüngsten Todesbrand sind seine Sinne geschärft. "Das macht mir wieder bewusst, wie wichtig solche Übungen für alle Beteiligten sind." Für Beschäftigte, Betreuer und Lebensretter.

Die Feuerwehrleute müssten immer mit dem Schlimmsten rechnen und auf alles vorbereitet sein, sagt Kreiswehrführer Heiko Dübel auf Nachfrage. Gerade bei der Rettung eingeschränkter Menschen in Behindertenwerkstätten oder Pflegeheimen, die im Rollstuhl sitzen oder bettlägerig sind. Dort rücken immer mehr Einsatzkräfte mit speziellem Gerät an, als bei einem Wohnungsbrand. Und Helfer des Katastrophenschutzes.

Um auf so einen Fall gut vorbereitet zu sein oder ihn zu verhindern, überprüfen Brandschützer des Landkreises regelmäßig Einrichtungen in der Region. Treppen, Notausgänge, Fluchtwege. Danach werden Feuerwehrpläne erstellt, die an die Wehrleiter gehen - die ortsansässigen und benachbarten, "damit alle so schnell wie möglich helfen können", erklärt Heiko Dübel. Außerdem schauen sich die Führungskräfte alles nochmal vor Ort an, um sich mit den Bedingungen vertraut zu machen.

In Lübtheen gehen die Feuerwehren noch weiter. Unter realen Bedingungen trainieren sie regelmäßig die Rettung in Pflegeheimen. Es sei immer wieder beschwerlich für die Kameraden, sagt Gemeindewehrführer Friedhelm Matz. Mit Rettungsmatratzen und Fluchthauben hieven sie die Menschen durch die verqualmten Gänge. Den Bewohnern geben solche Übungen Sicherheit. Das erlebt Friedhelm Matz immer wieder. Genauso wie den Angestellten.

Dass jetzt im Schwarzwald "so viele Menschen in so kurzer Zeit gestorben sind", nimmt den Wehrführer mit. Mitgefühl auch bei Heiko Dübel, der weiß, dass neben den Angehörigen auch die Lebensretter so einen Vorfall nicht einfach so wegstecken. "Es gibt immer Einsätze, die man trotz aller Bemühungen nicht mehr beeinflussen kann", sagt er und denkt an den jüngsten Fall im ehemaligen Landkreis, bei dem vor wenigen Jahren zwei Menschen im Pflegeheim Ludwig Danneel in Ludwigslust ums Leben kamen. Um diese Last von den Schultern der Feuerwehrleute zu nehmen, helfen Seelsorger.

Der Brand in Titisee-Neustadt sei sehr schlimm, sagt Kreiswehrführer Dübel. Doch er habe auch gezeigt, wie wichtig Brandschutz im Vorfeld, regelmäßige Übungen und eine gute Ausbildung der Rettungskräfte seien.

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