Mediatorin aus Waschow : Miteinander statt Gegeneinander

Mediatorin Maren Petersen in Waschow vor ihrem Wagen.
Mediatorin Maren Petersen in Waschow vor ihrem Wagen.

Maren Petersen ist Mediatorin und damit Expertin für Konfliktschlichtung

svz.de von
06. April 2015, 15:38 Uhr

Waschow Wenn Ehepaare aus Ärger über den Partner nicht mehr miteinander reden oder  Nachbarn sich entzweit haben, können sie bei Bedarf  Hilfe bei Maren Petersen finden. Die 57-Jährige aus Waschow ist Mediatorin und damit Expertin für  Konfliktschlichtung. Sie bringt Streitparteien an einen Tisch und trotz der  verhärteten Fronten meist zum Sprechen. Die anfangs noch völlig  ausgeschlossene  Kommunikation untereinander ist auf einmal wieder  möglich.  

„Mediation geht davon aus, dass kein Mensch den Konflikt so gut kennt, wie die daran Beteiligten. Kein guter Freund, keine Mutter, kein Richter und ich auch nicht,“ erklärt Petersen.  Mediation beruht nach ihren Worten darauf,   dass die optimale Lösung für das jeweilige Problem in den  Menschen selbst liegt.  „Ich schaue, worum es geht und mache es mit meinen Methoden  möglich, dass sie wieder zusammen reden können“, ergänzt sie. Nach dem  Grundsatz der Allparteilichkeit  ist ein Mediator   mehr als nur neutral: „Wenn da zwei sitzen, bin ich sowohl auf der Seite des einen als auch auf der Seite des anderen“, sagt Petersen.

 Willen zur Mitwirkung erforderlich

Die Gespräche  finden nach klarer Struktur im  geschützten Raum statt,  Vertraulichkeit ist ein Muss.  Manches Problem kann bei der ersten Sitzung gelöst werden, häufig dauert es länger.  Um ein positives Ergebnis zu erreichen, „müssen die Beteiligten bereit sein, wieder in den Fluss zu kommen, auch wenn sie es sich gerade nicht vorstellen können“, wie Petersen betont.  

„Wenn zwei Menschen zusammen eine Lösung gefunden haben, ist sie  nachhaltig und tragfähig, weil sie selbst erarbeitet worden ist. Kommt etwas von außen,  wie zum Beispiel ein Gerichtsurteil, ist das immer  zum Zähneknirschen, es gibt einen Gewinner und Verlierer“, sagt Petersen.

Ihre eigene Lebensplanung hat die  gebürtige Hamburgerin, die seit 18 Jahren in Waschow lebt,  letztlich zur Mediation gebracht. Im Hauptberuf  arbeitet Maren Petersen auf selbstständiger Basis    in einer  Physiopraxis in Zarrentin. Wegen der  körperlich schweren  Tätigkeit schaute sie sich vor einigen Jahren nach Alternativen um und wurde nebenher   gerichtliche Betreuerin. Vom Gericht bestellt  regelte sie  gesetzliche Obliegenheiten für Klienten, die aus seelischen oder körperlichen Gründen nicht selbst dazu in der Lage waren.  Dann nahm die Zahl der Fälle zu,  bei  denen Menschen in  schwierigen sozialen Verhältnissen trotz vieler Anläufe keine Hilfe annehmen   und „nicht die ihnen gebotenen  Möglichkeiten ausschöpfen wollten, an unserem Leben teilzunehmen“, wie Petersen es formuliert. Das sei unbefriedigend gewesen. „Da habe ich mir gedacht: möchtest du das machen, bist du 105 bist?“, erinnert sie sich.

 Perspektivwechsel ist entscheidend

Es folgte  eine knapp zweijährige Ausbildung in Lüneburg zur Mediatorin mit  Zertifizierung und Anerkennung durch den Bundesverband Mediation (BM).  „Ich  bin beim Helfen geblieben. Ich mag Menschen, habe aber kein Helfersyndrom“, sagt sie. Mittlerweile  arbeitet Petersen seit etwa  fünf Jahren neben ihrer physiotherapeutischen Arbeit als Mediatorin und als Coach. „Das  ist sehr spannend und ein sehr positiver Beruf, jedoch  keine Therapie“, sagt sie.

Bei den Menschen, die ihren Rat suchen, geht es oft um  Partnerschafts- und  Generationenkonflikte, um strittige Erbschafts- oder  Nachbarschaftsangelegenheiten, um die   Unternehmensnachfolge oder zwischenmenschliche Probleme  in Firmen. Die Leute haben zuvor häufig bei Sozialverbänden und Kirchen  um Hilfe nachgefragt,  manchmal werden sie von  Ärzten und  Heilpraktikern an Petersen  verwiesen. Hinzu kommt Mundpropaganda. Die Sitzungen, deren Kosten von den Konfliktparteien in der Regel selbst zu tragen sind,  können in Waschow, in einem eigenen Raum in Hamburg oder an einem Wunschort  in möglichst neutraler Umgebung  stattfinden.

Bei erfolgreicher  Mediation gelingt der Expertin zufolge   bei den Konfliktparteien ein Perspektivwechsel. „Man ist  wieder in der Lage zu sehen, was sagt der andere, was möchte der andere, ohne das als Wertung oder Angriff auf sich selbst zu nehmen“, sagt sie. Erst dadurch  sei  eine Lösung möglich,  die es so vor Gericht nicht  gegeben hätte. 

Die Zwistigkeiten fußen laut Petersen oft auf einem  reinen Kommunikationsproblem.  „In  der Regel ist der Mensch nicht daran interessiert,  mit seinen  Mitmenschen in Unfrieden zu leben“, stellt  sie klar.

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