Boizenburg : Mit voller Hingabe für die Elbe

Dieser Anblick lässt ihn nicht mehr los. Ernst Paul Dörfler am Aussichtpunkt Elwkieker in Boizenburg.
Dieser Anblick lässt ihn nicht mehr los. Ernst Paul Dörfler am Aussichtpunkt Elwkieker in Boizenburg.

Der Umweltschützer Ernst Paul Dörfler setzt sich schon lange für den Erhalt des Flusses ein und wurde deswegen sogar von der Stasi beschattet.

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01. März 2018, 08:00 Uhr

Ernst Paul Dörfler liebt und lebt die Elbe. Das ist sofort zu merken, wenn sich der studierte Naturwissenschaftler mit einem über den Fluss unterhält, für den er schon zu Zeiten des DDR-Regimes begonnen hat zu kämpfen. Ist bei Dörfler vom Fluss des Lebens die Rede, hat das nur nachrangig etwas mit einer philosophischen Einstellung zu tun. Zuvorderst ist dieser Ausspruch rein wörtlich zu nehmen.

So ist er der festen Überzeugung: „Die Elbe ist mit ihren Auenwäldern der letzte großartige Fluss, der frei fließen darf. Damit bildet sie weltweit eine einzigartige Region.“

Dörfler ist dabei bereits seit seiner Kindheit vom Fluss geprägt, der ihn jetzt nicht mehr loslässt. Aufgewachsen ist er nämlich nahe der Lutherstadt Wittenberg. Diese jahrelange Verbundenheit stellt für den Umweltschützer einen elementaren Punkt für seine Arbeit dar: „Mein Antrieb rührt daher, dass ich mit dieser Landschaft verwurzelt bin.“ Nur deshalb ist es zu erklären, dass sich Dörfler fast 90 Prozent seiner Zeit mit dem Fluss befassen kann.

Dabei hat er auch schon weitaus andere Eindrücke erfahren. Arbeitete der 67-Jährige doch nach seinem Studium als Ökochemiker am Institut für Wasserwirtschaft in Berlin und Magdeburg. „Das war auch prägend für mich. Wir hatten ja zahlreiche Informationen, wie es wirklich mit den Flüssen in der DDR aussah, durften aber nichts darüber öffentlich machen“, so Dörfler, der sich im Jahr 1983 dazu entschloss, auszusteigen.

Es zog ihn nach Steckby. Einem Ort nahe Dessau, der für den umwelt- und elbebegeisterten Dörfler die ultimative Heimat darstellte. Liegt in der Gegend doch die Wiege des Naturschutzes an der Elbe, wie er im Gespräch mit der SVZ verriet. Von dort aus agierte der Mitbegründer der Grünen Partei in der DDR unter dem Motto Ökologie leben und Ökologie prägen vortan als Autor aber vor allem als Mahner für die vorherrschenden Umweltprobleme. Sein Engagement brachte ihm zunächst eine Überwachung durch die Staatssicherheit ein. Nach der Wende gelangte er deswegen jedoch sogar nach Bonn.

Dörfler saß 1990 als Politiker im deutschen Bundestag und setzte sich dort gegen den geplanten Ausbau der Elbe ein. „In Bonn sah ich wie der Rhein aussieht und das wollte ich der Elbe ersparen“, kommentiert er seinen Einsatz. „Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass Politik nichts für mich ist. Ich streite mich einfach nicht gerne“, erzählt Dörfler, der sich nach diesem kurzen Ausflug an den Rhein wieder der Elbe widmete.

Für diese ist er im Laufe der Jahre zu einem gewissen Original geworden. Er ist ständig flussauf und flussabwärts unterwegs um für seinen Fluss zu kämpfen, denn auch heute steht der Ausbau der Elbe noch im Raum. Dieser Einsatz bringt ihn auch ab und zu nach Boizenburg. Diesmal kam er auf Einladung des Biosphärenreservatsamtes in die Fliesenstadt, um seinen Reiseführer „Die Elbe“ vorzustellen. Auch bei dieser Veranstaltung sprang der Funke vom Referenten sofort auf das Publikum über. Schnell waren die Leute von Dörflers Idee begeistert, die Elbe zu einer Marke ähnlich der Loire in Frankreich machen zu wollen. Schließlich soll sie noch lange in ihrer jetzigen Form so bestehen, um auch neben Ernst Paul Dörfler Leute begeistern zu können.

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