Betreiber will zwei zusätzliche Blockheizkraftwerke errichten : Mit "Trick" zu höheren Preisen

Die beiden Fermentertürme der  Biogasanlage in Kaarßen. Maria Nielsen
Die beiden Fermentertürme der Biogasanlage in Kaarßen. Maria Nielsen

Im Bauausschuss haben sie sich schon damit befasst, im Rat müssen sie es noch, die Mandatsträger der Gemeinde Amt Neuhaus: in Kaarßen soll es in der seit 2004 bestehenden Biogasanlage Veränderungen geben.

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17. November 2010, 08:55 Uhr

Kaarßen | Im Bauausschuss haben sie sich schon damit befasst, im Rat müssen sie sich noch damit befassen, die Mandatsträger der Gemeinde Amt Neuhaus: in Kaarßen soll es in der seit 2004 bestehenden Biogasanlage Veränderungen geben. "Erweiterung der Biogasanlage der Bioenergie Kaarßen GmbH & Co. KG" stand auf der Tagesordnung. Doch das könnte zu Missverständnissen führen. Achim Stölting von der Firma Bioconstruct, die die Anlage gebaut hat, erläuterte das Vorhaben. In Kaarßen soll nicht mehr Biogas produziert werden als bisher. Alles was dort geschehen soll, ist die Errichtung von zwei weiteren Blockheizkraftwerken zu den bereits bestehenden.

Betreiber wollen eine Gesetzeslücke nutzen

Die Betreiber haben hier eine Gesetzeslücke entdeckt. Denn mit der Inbetriebnahme der zusätzlichen zwei Blockheizkraftwerke gilt die Anlage dann plötzlich als zwei neue, kleinere Anlagen. Damit wird es möglich, den höheren Einspeisepreis zu generieren, der immerhin bei 19,5 Cent/Kilowattstunde liegt statt bei 10,5 bis 16 Cent/kWh. "Damit besteht die Möglichkeit, wieder schwarze Zahlen zu schreiben", so Achim Stölting vor den Mitgliedern des Bauausschusses. Natürlich habe man sich vorher bei der WEMAG, dem Abnehmer des Stroms, vergewissert, dass dann der höhere Abnahmepreis auch gezahlt wird.

In die Minus-Zone sei die Bioenergie Kaarßen geraten, weil sich die Preise für Mais so sehr erhöht haben. In der Praxis werden Erzeugerpreise zwischen 230 und 260 Euro pro Tonne angeboten, je nach Menge. Das ist für die Kaarßener zu viel. Etwa die Hälfte der benötigten Menge von 38 000 Tonnen/Jahr haben sie mit umliegenden Landwirten vertraglich abgesichert, die andere Hälfte müssen sie auf dem freien Markt zukaufen. Denn die Anlage und der landwirtschaftliche Milchviehbetrieb Straathof, der die Gülle liefert, sind zwei verschiedene Paar Schuh und haben nichts miteinander zu tun. Sie haben so wenig miteinander zu tun, dass es sein kann, dass der landwirtschaftliche Betrieb seinen Mais sonst wohin verkauft, eben dahin, wo es das meiste Geld dafür gibt, und die Biogasanlage ihren Mais auch ganz woanders zukaufen muss. So viel zu unnötigen Transporten. Die Gemeinde will der Erweiterung allerdings nicht ohne Planung zustimmen und wird wohl fordern, dass ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erstellt wird. Das passt auch zum Antrag der Gruppe CDU/FDP, die möchte, dass der Verwaltungsausschuss entscheidet, ob bei einem geplanten Bau im Außenbereich, bei dem die Gemeinde ihr Einvernehmen erteilen muss, dieses erteilt wird oder nicht. Bisher erfolgte die Erteilung des Einvernehmens als Geschäft der laufenden Verwaltung.

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