Hagenow : Mit Spaß, Ehrgeiz und Biss dabei

Barbara Hauschild an ihrem neuen Arbeitsplatz in der Hagenower Näh-Werkstatt  Fotos: Kleiber
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Barbara Hauschild an ihrem neuen Arbeitsplatz in der Hagenower Näh-Werkstatt Fotos: Kleiber

Barbara Hauschild ist eine von 15 Mitarbeiterinnen der neu eröffneten Näh-Werkstatt vom Lebenshilfewerk in Hagenow

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13. August 2015, 07:51 Uhr

„Wenn mir die Arbeit Spaß macht, bin ich auch mit Ehrgeiz und Biss dabei“, gesteht Barbara Hauschild. Die 53-Jährige näht in der am Dienstag offiziell eröffneten Näh-Werkstatt vom örtlichen Lebenshilfewerk beispielsweise Bettwäsche, Kopfkissen und Bezüge für die Firma Allegro Natur. Ein Sozialdienst habe Hauschild während ihrer Arbeitslosigkeit an das Lebenshilfewerk vermittelt. Damals habe sie, die ein geistiges Handicap von Geburt an hat, in der Hauptwerkstatt angefangen zu arbeiten. Die Arbeit dort habe ihr nicht besonders Spaß gemacht, weswegen sie schließlich ins Nähatelier wechselte. Dort habe sie mit dem Nähen angefangen, wie zum Beispiel Lappen und Handtücher. Das Nähen mache Hauschild besonders Spaß, sagt sie. Selbst in ihrer Freizeit lasse sie nicht von der Nadel. „Ich stricke, häkele und nähe auch nach Feierabend“, erzählte sie mit einem Lächeln im Gesicht.

Für die in Garlitz wohnende Frau beginnt der Alltag früh am Morgen. Gegen 5 Uhr stehe sie auf, um sich für die Arbeit fertig zu machen. Gegen 7 Uhr werde sie mit einem Sammeltransport abgeholt. Dann arbeite sie bis 15.30 Uhr in der neuen Näh-Werkstatt, wie sie weiter gegenüber SVZ berichtete.

Die Umstellung im neuen Gebäude und mit den neuen Maschinen bringt aber auch kleinere Schwierigkeiten mit sich, berichtet Schneidermeisterin Ingrid Wormstädt-Ständer. So mussten extra große Tische von 2.50 Meter für den Zuschnitt angeschafft werden. Auch neuen Maschinen mit anderen Steppfüßen, sowie Ober -und Untertransport für den Nähfaden. Das sei wichtig, um Reißverschlüsse an andere Stoffe nähen zu können. Sonst würde der Verschluss kräuseln, erklärt die Fachfrau. Nach langem Üben klappe das mittlerweile aber ganz gut.

Auch Barbara Hauschild hat sich nach eigenen Angaben gut eingearbeitet und freut sich jetzt darauf, dass es endlich los gehen kann. Dafür steht nach einjähriger Bauzeit nun die Näh-Werkstatt zur Verfügung. Zahlreiche Gäste, darunter Dr. Till Backhaus, der Landwirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die Hagenower Bürgermeisterin Gisela Schwarz und Wilhelm Schefe vom Unternehmerverband West-Mecklenburg e.V., so wie etliche Neugierige, waren zur Feierstunde gekommen.

Menschen mit Handicap in Arbeit zu bringen, sei leider nicht selbstverständlich, betont Backhaus, den es freue, dass es in Hagenow offensichtlich gelinge. Viele Firmen täten sich immer noch schwer, auch solchen Menschen eine berufliche Chance zu geben. Gerade wegen der jetzigen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Denn überall mangele es an Arbeitskräften. „Wenn wir jetzt noch Putin und Obama in ein Bett kriegen würden, symbolisch gesprochen, und sie alle schwelenden Kriege beenden könnten, wäre das super.“ Der Minister bezieht sich mit seinen Worten auf die damalige Eröffnung des ersten Nähateliers, vor etwa fünf Jahren, in der Sandstraße. Damals hatten die Näherinnen Taschen für den Kreml genäht. Das habe ihn, Backhaus, besonders beeindruckt. „Nun kommen die Amerikaner mit ihren Matratzen und der Bettwäsche dazu. Das wäre doch eine schöne Möglichkeit für Hagenow, so die Weltgeschichte mit zu schreiben.“

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