Lübtheen : „Mit mir muss man immer rechnen“

Ute Lindenau in ihrem Büro im Lübtheener Rathaus. Neben den vielen Aktenbergen dürfen für sie Blumen nicht fehlen.
Ute Lindenau in ihrem Büro im Lübtheener Rathaus. Neben den vielen Aktenbergen dürfen für sie Blumen nicht fehlen.

Die starke Frau in der Lindenstadt: Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau im SVZ-Interview über Job und Persönliches. Neue Amtszeit auch nach 2022 möglich

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16. Januar 2018, 05:00 Uhr

Auf dem Schreibtisch türmen sich täglich Aktenberge, aus ihrer Rolle als Chefin der Stadt kann Ute Lindenau nur zu selten herausschlüpfen. In der spärlichen Freizeit liebt es die 57-Jährige, wenn es rundherum blüht. So wie auf ihrer Blumenbank im Büro, wo knapp 30 Pflanzen nebeneinander die Fensterfront begrünen. Über Dienstliches, ihre Ziele für die Lindenstadt und ganz Privates spricht die Bürgermeisterin im Interview. SVZ-Redakteur Mario Kuska sprach mit ihr über ihre schon 17-jährige Amtszeit, derzeitige Sorgen und mögliche Zukunftsszenarien.

Wer Lübtheen kritisch betrachten will, fragt sich, ob und wie lange eine eigenständige Verwaltung für Ihre Kleinstadt zu halten ist. Was setzen Sie dem entgegen?
Lindenau: Uns stellt sich diese Frage überhaupt nicht. Wir haben doch ein Recht auf Selbstverwaltung und auch unsere Zukunftsfähigkeit gerade beschlossen. Ich bin überzeugt davon, dass auch die Masse unserer Stadtvertreter immer hinter der Eigenständigkeit stehen würde. Dass hier und da Schnittmengen mit Nachbarverwaltungen auftreten, ist doch gut. Daraus kann man Vorteile ziehen und zusammenarbeiten, ohne unseren Status aufgeben zu wollen.

Was sind denn die Ziele für Lübtheen bei der schwachen Struktur und den klammen Finanzen?
Lindenau: Natürlich drückt bei den Altlasten finanziell immer mal wieder der Schuh. Aber wir werden jetzt nach vielen Jahren einen jahresbezogen ausgeglichenen Haushalt präsentieren und profitieren auch vom neuen Finanzausgleichsgesetz der Kommunen. Das beschert uns etwa eine Viertel-Million mehr Einnahmen. Auch die Steuereinnahmen sind so hoch wie nie zuvor, wenn natürlich auch im Vergleich zu anderen Kommunen noch immer gering. Hier kann man eigentlich nicht einmal Äpfel mit Äpfeln vergleichen, denn andere Städte unserer Größenordnung haben entweder eine deutlich bessere Lage mit Autobahnanbindung oder florierenden Gewerbegebieten und Nahbereichen, die mit in die Städte gerechnet werden. Ein Ziel ist es, langfristig einen stabilen Haushalt zu haben und das sieht derzeit so aus, als bekommen wir das für viele Jahre hin. Das ist für uns ein Riesenerfolg. Kurzfristig schlagen wir beispielsweise der Stadtvertretung vor, die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße auszubauen und auch die Straße nach Neu-Lübtheen. Wie wir die freien Mittel von derzeit 221 000 Euro im Jahr 2018 aber durch Fördermittel noch vergolden, wird die große Aufgabe sein.

Was macht aus Ihrer Sicht die Lindenstadt aus? Welche klaren Eigenschaften sind erkennbar?
Lindenau: Ich mache das am liebsten an den Menschen fest. Hier kennt jeder jeden und es ist ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstanden. Ich denke, dass ich das nach 17 Jahren Amtszeit gut einschätzen kann. Ob es nun das Kreiserntefest war, der Weihnachtsmarkt oder das Kinderfest: hier packt jeder mit an. Nicht ich bin die Stadt, sondern wir alle zusammen. Es ist bei uns nicht so anonym wie anderswo. Man kennt und schätzt sich, hilft einander und stärkt bewusst die Gemeinschaft. Das ist Lübtheen.

Spüren Sie noch Einflüsse von rechts, und wie gehen Sie damit um?
Lindenau: Es gibt ja noch zwei Mandatsträger der NPD in unserer Stadtvertretung. Da gibt es hin und wieder noch kleinere Reibungspunkte. Aber insgesamt nimmt man kaum noch etwas wahr. Was nicht heißt, dass im Hintergrund nicht noch immer etwas laufen kann. Aber ihr Bürgerbüro ist geschlossen und der politische Einfluss hat nachgelassen.

Wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken bei dem täglichen Berg an Aufgaben?
Lindenau: Ich denke, dass ich sehr diplomatisch sein kann, wenn es geboten ist. Allerdings vertrete ich schon immer klare Standpunkte und lasse mich dann auch nicht verbiegen. Trotzdem kann man über alles mit mir reden, ich höre zu und versuche Lösungen für Probleme zu finden.

Und die Schwächen?
Lindenau: Ich kann einfach schlecht Nein sagen. Gerade wenn es darum geht, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Eigentlich ist es manchmal zu viel, aber ich mache es dann trotzdem, weil ich helfen will.

Kaum jemand weiß etwas über Ihr Privatleben - ist das gewollt?
Ja. Ich versuche das zu trennen und meine Familie nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Es reicht, wenn ich dort Rede und Antwort stehe.

Sie selbst sind für Ihren scharfen Blick in der Stadt bekannt. Hat das nur dienstliche oder auch anatomische Gründe?
Lindenau (lacht): Sie spielen darauf an, dass ich jetzt wieder ohne Brille unterwegs bin. Ja, meine Augen sind jüngst etwas gelasert worden. Aber in der Tat habe ich diesen Blick. Mir entgeht kaum etwas im Stadtbild. Wo ist etwas besonders schön oder wo gibt es Verbesserungsbedarf? Übrigens schaue ich mich auch anderswo sehr genau um, damit wir das Gute vielleicht in Lübtheen umsetzen können. Allerdings höre ich von Gästen viele Komplimente über unser Stadtbild. Das macht mich stolz.

Wenn Sie, was selten genug vorkommt, mal nicht im Dienst sind und in Lübtheen sind - was machen Sie, ganz persönlich?
Lindenau: Die Freizeit ist tatsächlich sehr knapp bemessen. Ein richtiges Hobby ist nicht drin. Dazu sind meine Wochen manchmal mit sieben Tagen voll beladen. Aber wenn ich Zeit für mich und die Familie habe, bin ich gern mit den Enkeln unterwegs oder im heimischen Garten. Ich liebe es einfach, wenn es um mich herum blüht. Ich habe einen Blumen-Faible und liebe Accessoires im Garten. Kleine Figuren aus Bronze zieren meine Beete und ich stöbere gern auf Messen wie der ,Lebensart’ in Redefin nach schönen Dingen.

Zurück zum Job - Ihr Weg hat Sie nach dem Wahlsieg vor 17 Jahren gegen vier andere Kandidaten an die politische und verwaltungstechnische Spitze der Stadt gebracht. Im Kreistag sind Sie kein unbekanntes Gesicht. Was treibt Sie weiter an und wohin?
Lindenau: Ich habe noch bis 2022 Amtszeit. Dann bin ich 62 Jahre alt. Ob ich dann noch einmal kandidiere, kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber eines ist klar: Mit mir muss man immer rechnen. Bei den letzten Wahlen hatte ich ja schon gar keine Gegen-Kandidaten mehr. Keine Ahnung, ob sich niemand Chancen ausrechnet. Aber jetzt zu sagen, ich hänge noch einmal sieben Jahre dran, halte ich für zu früh. Von Amtsmüdigkeit merke ich aber noch nichts. Warten wir ab, was die Zeit bringt.

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