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Kita "Schwalbennest" in Lüttow : Mit Kindern über Distanz reden

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Die Kita "Schwalbennest" in Lüttow hatte gestern die Polizei zu Besuch, um mit der Vorschulgruppe klare Regeln im Umgang mit Fremden Personen aufzustellen.

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2012 | 10:40 Uhr

Lüttow | Kinder sind leichtgläubig. Sie kommen nicht auf die Idee, dass ein Erwachsener sie anlügt oder ihnen Böses will und tappen leichter in die Falle als ihre Eltern denken. Wann und wie kann man einem Kind vermitteln, dass es Menschen gibt, die ihm möglicherweise nicht wohlgesonnen sind? In Lüttow wurde gestern erstmals der Versuch unternommen.

"Von dem Moment an, an dem Kinder auch mal alleine unterwegs sind, also spätestens im Grundschulalter, sollten Eltern das Gespräch mit den Kindern suchen", rät Stefanie Draeger. Die 24-Jährige ist Erzieherin der Vorschulgruppe in der örtlichen Kita "Schwalbennest" und hatte gestern die Polizei eingeladen. Unter dem Motto: "Geh nicht mit Fremden mit!" In der Regel seien Kinder schon ab einem Alter von etwa fünf bis sechs Jahren in der Lage, solche Dinge - kindgerecht formuliert - zu verstehen, weiß die gebürtige Zarrentinerin, die seit 2010 Mädchen und Jungen auf dem Weg ins Schulleben betreut, derzeit 12. Die Stärkung des Selbstbewußtseins der ihr Anvertrauten treibe sie an, gesteht die junge Frau.

Schwächsten der Gesellschaft müssen geschützt werden

"Die Schwächsten in unserer Gesellschaft müssen geschützt werden, bevor etwas passiert", sagt Ralf-Theo Mundt, seines Zeichens Präventionsberater der Polizeiinspektion in Ludwigslust, bevor er gemeinsam mit den Kindern ein paar klare Regeln abspricht. Dabei gehe es nicht allein darum, dass "da draußen" jemand böse sein könnte, sondern vielmehr darum, den Mädchen und Jungen ein Handwerkszeug zu geben, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten können, betont der Polizeihauptkommissar weiter. So sollten Eltern und Kinder zunächst einmal zusammen definieren, wer überhaupt als Fremder - oder umgekehrt als Vertrauter - gälte. Ebenso könnten Eltern und Kinder besprechen, welche Dinge man in der Familie tun könne, aber nicht vor oder mit Fremden. Deshalb sei es besser, erst einmal ein wenig Distanz zu Fremden zu halten. Dies setze jedoch voraus, dass dem Kind eigene Grenzen zugestanden würden. "Denn auf die eigenen Gefühle vertrauen zu können, stärkt das Selbstbewusstsein." Und Selbstbewusstsein ist laut Mundt ein guter Schutz - gegenüber Fremden wie auch vertrauten Menschen. Zusammen mit den künftigen Abc-Schützen spricht er deshalb unter anderem über gute und schlechte Gefühle, über Berührungen und für sie mögliche brenzlige Situationen.

Kinder sind in der Regel von Natur aus offen und freundlich

Denn Kinder sind in der Regel von Natur aus sehr offen und freundlich. Deshalb ist für viele Eltern die größte Angst, dass ihr Nachwuchs einmal zu vertrauensselig sein könnte und mit einem Fremden mitgeht. Viele Eltern haben bei dieser Vorstellung ein wahres Horrorszenario vor Augen, das von Entführung über Missbrauch bis Mord reicht. Tatsächlich kommen diese schlimmen Dinge immer wieder vor, die Fernsehnachrichten und Zeitungen berichten davon. Zum Glück sind diese Gewalttaten statistisch gesehen aber relativ selten.

Dennoch finden Eltern diesen Kurs gut und richtig. Wie Kristin Wiedmann aus Valluhn. Die 31-Jährige ist die Mutter des fünfjährigen Lasse, einem Vorschulkind. "Ich begrüße diesen Aufklärungsansatz und finde ihn super", lobt die Justizvollzugsbeamtin. Ihr Sohn habe zuhause bereits ein Buch, in dem erklärt werde, dass er nicht mit Fremden mitgehen dürfe. "Daraus haben wir ihm schon mehrmals vorgelesen. Aber so ein Treffen mit einem Polizisten, um das ganze eindrucksvoll zu untermauern, finde ich ganz toll."

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