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SVZ-Fragen zum Wochenende : Mit Glücksvögeln aufgewachsen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ornithologe und Ex-Ranger Dieter Schmahl aus Zarrentin könnte nie auf’s Fernglas verzichten und würde gern Edward Snowden treffen

von
erstellt am 21.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Er ist der letzte in Schaliß Geborene. „Hinter unserem Hof standen die Kraniche. Sie waren etwas völlig Normales für mich und kamen oft mit ihren Jungen ganz dicht heran“, erinnert sich Reiner Schmahl. Die Vogelkunde sei so Teil seiner Kindheit gewesen. Kaum ein Vogel beeindrucke die Menschen so sehr, wie der Kranich, erzählt der Ornithologe weiter. Das imposante Äußere, der melancholische Ruf und die spektakulären Balztänze hätten den Vogel des Glücks in vielen Ländern und Kulturen zu einer Legende unter den Gefiederten gemacht. Fast so, als seien sie aus der Zeit gefallen und würden in einer geheimen Parallelwelt leben. So erstaunt es auch kaum, dass Reiner Schmahl erst spät seine Berufung zum Beruf macht. Nach dem Erlernen des Elektriker-Handwerks, einigen Jahren im Polizeidienst sowie der Arbeit auf der LPG Lassahn wurde er im Juni 1990 Ranger im Biosphärenreservat. Heute ist er in Altersteilzeit. SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortete der 63-Jährige die beliebten Fragen zum Wochenende. Während über seinem Haus ein junger Seeadler majestätisch und wie bestellt seine Kreise zieht. Schaalsee-Romantik pur.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Nutze den Tag, mit Berg- und Talbahn. Wenn es abwärts geht, sorgt das für den Aufwärtsschwung.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Am Schaalsee. Am liebsten in der Frühe mit Kranichrufen und wenig Fahrzeuglärm.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Beim Kartoffelstoppeln und Rübenhacken. Da war ich 12 Jahre alt. Beides ein Knochenjob.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für Süßkram, auf dem Neptunfest und gespart. Eine Runde auf dem Karussell kostete damals 20 Pfennige. Aber fünf Mark waren auch schnell ausgekleckert.
Wo findet man Sie am ehesten?
Mit dem Fernglas in der Natur oder mit der Familie auf dem Hof, unserem Ersatzparadies. Beim Schaalseechor bin ich neuerdings auch regelmäßig anzutreffen.
Was stört Sie an anderen?
Wenn man viel verspricht, was anderes meint und schließlich auch noch was ganz anderes tut.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Helden werden oft nicht alt, deswegen ist das Wort für mich nicht unbedingt positiv belegt. Aber ein großes Vorbild für mich ist meine Mutter. Sie hat vier Jungs großgezogen. Und ich war sicher nicht der Pflegeleichteste. Die Lehrer konnten auch ein Klagelied darauf singen. (grinst verschmitzt)
Was würden Sie gern noch können?
Klavier spielen können, aber ich denke, da fehlt mir einfach die Geduld. (lacht)
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Liebe und Geborgenheit sowie Kraft und Gesundheit für die Pläne, die man so hat.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Ein Bauchmensch, der trotzdem mit dem Kopf arbeitet....

Wonach suchen Sie im Leben?

Nach Erfüllung und Möglichkeiten, meine Träume zu verwirklichen.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Joghurt, Käse und Milch. Ein bisschen Wurst, Obst und Gemüse.
Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Heimische Küche, wie Rinderroulade oder Entenbraten. Wir gehen aber auch gern mal italienisch und asiatisch essen.
Was macht Sie ganz besonders stolz?
Dass sich meine Enkeltochter Sophie, sie ist 12 Jahre alt, vor zwei Jahren eine Umhängetasche mit Notizblock, Bestimmungsbuch und Fernglas gewünscht hat. Das macht mich als Opa ganz dolle stolz.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Mit dem Wohnmobil durch Norwegen und Schweden. Da arbeiten wir bereits dran.
Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
Naturverbunden
Wo ist für Sie Heimat?
In Zarrentin und Umgebung.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Das war eine Jugendweihefahrt nach Weimar. Ich hatte Küchendienst und habe Tee aufgegossen mit dem losen Tabak meines Lehrers. Ich brauchte nie wieder Küchendienst machen. (lacht schallend und klopft sich vor Vergnügen auf die Schenkel).

Worauf könnten Sie nie verzichten?

Auf mein Fernglas.

Wen würden Sie gern mal treffen?

Edward Snowden, um mich mit ihm mal auszutauschen. Der hat Mut für zehn.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

1. Einfach ein bisschen mehr Frieden auf der Welt.

2. Gesundheit für mich und meine Familie.

3. Immer einen Cent mehr in der Tasche, als man braucht.
Verraten Sie uns etwas, was kaum jemand weiß?
Ich habe mir in der Bibliothek immer wieder das zu DDR-Zeiten recht rare Vogelbest-immungsbuch von Wolfgang Makatsch „Wir bestimmen die Vögel Europas“ ausgeliehen, bis es völlig abgegriffen war. Die Bibliothekarin hatte irgendwann schließlich ein Einsehen mit mir und hat das Buch abgeschrieben. So durfte ich es behalten. (lacht)

Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Rolf Ziebarth, einem ehemaligen Revierförster und Ornithologen aus Bantin Ausbau. Der hat mir vieles beigebracht und verfügt über einen sehr reichen Lebens- und Erfahrungsschatz.

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