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Blinden- und Sehbehindertenverein Hagenow : Mit Fingerspitzengefühl durchs Leben

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Flink gleiten die Finger über die Schrift. In Sekundenschnelle "liest" Gabriela Etter den Text mit den Händen. Die Wittenburgerin ist sehbehindert und verwendet die Blindenschrift, um die Textinhalte zu erfassen.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2012 | 09:49 Uhr

Hagenow | Flink gleiten die Finger über die Schrift. In Sekundenschnelle "liest" Gabriela Etter den vor ihr liegenden Text mit den Händen. Die Wittenburgerin ist sehbehindert und verwendet die Blindenschrift, um die unterschiedlichsten Textinhalte zu erfassen. Sie liest, indem sie die jeweiligen Buchstaben mit ihren Fingerspitzen ertastet. Die heute am weitesten verbreitete Blindenschrift ist die Brailleschrift, die im Jahr 1825 von Louis Braille entwickelt wurde. Louis Braille konnte eine für blinde Menschen praktikable Schrift erarbeiten (siehe linke Spalte), weil er selbst blind war.

Vor kurzem jährte sich zum 200. Mal sein Geburtstag. In unserer Region wird die Blindenschrift von vielen Sehbehinderten und Blinden genutzt, wie SVZ bei einem Treffen mit Sehbehinderten und Blinden erfuhr.

In der Gebietsgruppe Hagenow organisiert

Herbert Helms und seine Frau Elsa aus Hagenow sowie Gabriela und Wolf-Hagen Etter aus Wittenburg gaben gerne Auskunft. Sie alle und noch weitere sind in der Gebietsgruppe Hagenow des Blinden- und Sehbehindertenvereines organisiert. Herbert Helms kümmert sich mittlerweile im 49. Jahr, früher als Kreisvorsitzender und heute als Gebietsgruppenvorsitzender, um die Belange der Betroffenen.

"Wir betreuen 59 Blinde und Sehbehinderte im Bereich des Altkreises Hagenow. Unsere Gruppe indes umfasst 27 Mitglieder, die sich sehr in der Fläche verteilen, was die Arbeit nicht gerade leichter macht", gibt Herbert Helms Auskunft über die Organisationsstruktur. Doch zurück zur Blindenschrift. Herbert Helms benutzt die Blindenschrift-Maschine, die so genannte Picht-Maschine, um Texte zu schreiben, die er dann auch lesen kann. "Als ich Stadtvertreter war, machte ich mir so meine Notizen bei den jeweiligen Sitzungen", erläutert Helms. Familie Etter indes nutzt die Picht-Maschine zu Hause, notiert übrigens auch den Einkaufszettel in Brailleschrift. Unterwegs greifen die beiden übrigens gerne Mal zum Diktiergerät, um sich Gedächtnisprotokolle zu machen.

"Und dann habe ich zu Hause Bücher, die ich gern mit der Hand lese, also in Brailleschrift", erzählt Gabriela Etter, die die Schrift in der Blindenschule erlernte. Wolf-Hagen Etter dagegen kann mit optischen und digitalen Hilfsmitteln Texte erfassen. Herbert und Elsa Helm haben als Umschüler im Alter von 29 Jahren die Brailleschrift erlernt, beide kennen sich übrigens seit 51 Jahren.

Wer als Blinder und Sehbehinderter den Computer nutzen will, kann die so genannte Braillezeile nutzen, die die Blindenschrift darstellt. Während die meisten Blinden und Sehbehinderten in den eigenen vier Wänden relativ gut zurecht kommen, gibt es große Probleme, wenn sie den öffentlichen Bereich betreten.

Fast jeder Betroffene ist hier, obwohl die Kommunen punktuelle in den vergangenen Jahren Hilfsmittel geschaffen haben, auf Unterstützung angewiesen.

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