Brömsenberg : Mit Dudelsack zurück in alte Zeit

Der Zufall bringt den Instrumentenbauer Philipp Gerhardt nach Mecklenburg.
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Der Zufall bringt den Instrumentenbauer Philipp Gerhardt nach Mecklenburg.

Instrumentenbauer und Tanzmusiker Philipp Gerhardt hatte mit vier Jahren sein Schlüsselerlebnis, als er ein schottisches Regiment sah

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04. Juni 2016, 12:00 Uhr

Nein, das Mittelalter wolle er nicht kopieren, vielmehr möchte er die Musik aus alten Zeiten mit heutigen Instrumenten nachspielen, erzählt Philipp Gerhardt, den eher der Zufall auf der Suche nach einer neuen Heimat nach Mecklenburg verschlagen habe. Mit Streckennetzkarte der Deutschen Bahn und einem Satellitenfoto von Deutschland bei Nacht habe er sich damals orientiert. Und war mit Freunden einfach losgezogen, aufs Geratewohl. Bis es sie gemeinsam nach Brömsenberg verschlug, wo Philipp Gerhardt sein Herz auf den zweiten Blick an die alte Wassermühle verlor. Denn erst ein Jahr später nahm er erneut Kontakt zum Besitzer auf.

Der studierte Forstwissenschaftler, der derzeit seinen Doktor in Wien macht, hatte mit vier Jahren sein Schlüsselerlebnis: „Da habe ich bei einem schottischen Regiment erstmals die Musik des Dudelsacks gehört. Und wusste, das Instrument will ich auch spielen“, erinnert sich der gebürtige Westberliner. Doch bis dahin sollte noch viel Wasser die Spree hinabfließen, denn erst mit 19 Jahren suchte sich der junge Mann Gleichgesinnte übers Internet, nahm in Schottland Unterricht auf der Sackpfeife, arbeitete dort in den Wäldern und lernte Irish-Folk kennen. Außerdem lernte er den Tanz lieben.

„Die traditionelle Tanzmusik aus Mecklenburg lässt sich gut auf Dudelsäcken spielen. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren sie hierzulande die beliebtesten Instrumente.“ SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortete der 32-Jährige in seiner Instrumenten-Werkstatt in der alten Wassermühle, zwischen Holz und technischem Gerät, die beliebten Fragen zum Wochenende. Nachdem er zuvor ein Hümmelchen zeigte und auf der Schäferpfeife eine Kostprobe seines Könnens gab. Beide hat er natürlich selbst gebaut.

Die Fragen zum Wochenende

 

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Alles, was ich tue, versuche ich mit Liebe zu machen. Das klappt immer besser. Man wird zwar nicht perfekt, aber es lohnt sich.


Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Am Schlachtensee in Berlin, da bin ich aufgewachsen. Ein wunderschönes Refugium am Stadtrand, von Wald umsäumt.


Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Durch Auftritte mit einem schottischen Dudelsack, mit Kilt, Uniform und allem Schnickschnack.


Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Für Dudelsackrohrblätter und Zubehör. Heute mache ich die Rohrblätter selber.


Wo findet man Sie am ehesten?
In der Werkstatt in der Wassermühle. Für den Bau eines Dudelsackes brauche eine bis vier Wochen Zeit. Für aufwändigere Instrumente auch deutlich länger.


Was stört Sie an anderen?

Nichts. Mich stören nur Dinge, die von anderen getan werden. Beispielsweise wenn Menschen nicht pfleglich mit Dingen umgehen oder wenn die Umwelt verschmutzt wird.


Wer ist Ihr persönlicher Held?

Marshall Rosenberg, ein amerikanischer Psychologe. Er hat das Konzept der gewaltfreien Kommunikation entwickelt. Das hat mein Leben sehr zum Guten verändert.


Was würden Sie gern noch können?

Banjo spielen.


Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Wenn ich ganz tief mit anderen Menschen verbunden sein kann, sie Teil meines Lebens sind. Und wenn ich tanzen kann, bin ich absolut glücklich.


Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?

Kopfmensch.

Wonach suchen Sie im Leben?
Nach der Verbindung mit Menschen.


Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Senf.


Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich bevorzuge Bio-Lebensmittel, baue vieles selber an. Ich koche am liebsten selbst, das, was gerade wächst bei uns, je nach Saison. Das kommt alles in einen Topf und dann mal schauen.....


Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Einen Monsterdudelsack bauen, der alles kann. Und ich möchte mit allen Menschen, die ich liebe, irgendwann an einem Ort leben.


Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?

komplex


Wo ist für Sie Heimat?

Ich fühle mich sehr entwurzelt. Berlin ist es jedenfalls nicht. Ich verstehe die Stadt nicht mehr. Für mich ist die ganze Welt in Unordnung. Der Umgang der Menschen untereinander lässt sehr zu wünschen übrig. Diese Lieblosigkeit, das Hektische und diese Grantigkeit erlebe ich oft, wenn ich unterwegs bin. Das ist so schade.


Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Erinnerungen an meinen Großvater. Mit ihm bin ich durch Gärten, Parks und Schlösser gepilgert. Er war der Erste, der mir die Welt erklärt hat. Er hat mich geprägt. Meinen Großeltern verdanke ich sehr viel.

Worauf könnten Sie nie verzichten?

Man kann eigentlich auf alles verzichten. Auf das Zusammensein mit Menschen, die ich liebe, die mich verstehen, darauf könnte ich jedoch niemals verzichten.

Wen würden Sie gern mal treffen?
Ich treffe so viele tolle Menschen, Berühmtheiten brauche ich nicht.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
Ich brauche nur einen einzigen, nämlich, dass es allen Menschen, inklusive mir selbst, immer gut geht.


Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Rolf Jehring aus Lübtheen, er leitet ein Seminarhaus am Platz des Friedens und ist ein sehr weltoffener und interessanter Mensch.

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