Neu Gülze : "Mit dieser Biosphäre kann ich dicht machen"

Hans-Jürgen Michalska (Junior) li. mit seinem Vater und Harald Elgeti vom Kreisbauernverband im Neu Gülzer Kuhstall. Mit der Biosphäre müssten sie die Tiere wohl abschaffen.
Hans-Jürgen Michalska (Junior) li. mit seinem Vater und Harald Elgeti vom Kreisbauernverband im Neu Gülzer Kuhstall. Mit der Biosphäre müssten sie die Tiere wohl abschaffen.

Das neue Biosphärengebiet Flusslandschaft Elbe stößt bei den Bauern auf Ablehnung. Ihr Fazit: Mit den Einschränkungen des Gesetzentwurfes ist Landwirtschaft bei den leichten Böden der Region nicht sinnvoll.

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17. Mai 2013, 08:26 Uhr

Neu Gülze | Die vor allem vom Umweltministerium vorangetriebene Einrichtung des neuen Biosphärengebietes Flusslandschaft Elbe stößt bei den betroffenen Bauern auf blankes Entsetzen und totale Ablehnung. Fazit der Betroffenen: Mit den im Gesetzentwurf stehenden Verboten und Einschränkungen ist bei den leichten Böden der Region Landwirtschaft nicht mehr sinnvoll. Die Bauern sind dabei überhaupt nicht gegen einen sinnvollen Naturschutz und fordern vor allem ein Verschlechterungsgebot.

Hans-Jürgen Michalska ist nicht nur langgedienter Bürgermeister von Neu Gülze, er ist vor allem Landwirt. Vor dem neuen Gesetz habe er schlicht Angst, weil es seine Existenz als Landwirt und damit die seiner Familie aufs Spiel setze. Von den 375 Hektar, die der Familienbetrieb bewirtschaftet, würden nur 20 außerhalb der neuen Biosphäre liegen. Michalskas haben derzeit 115 Milchkühe und einen Nachzuchtbereich, und sie betreiben eine Biogasanlage, die mehr als eine Million Euro gekostet hat. Diese Anlage muss, so ist die Zulassung, täglich mit einem gewissen Gülleanteil beschickt werden. In der Biosphäre dürfte Bauer Michalska damit nicht hantieren. Er dürfte den tierischen Dünger auch nicht ausbringen, auch das steht im Gesetzentwurf. Ohne den Dünger und ohne die anorganischen Dünger kann der Landwirt auf den meisten schwachen Böden (Bodenzahl liegt bei 24) aber nicht die Mengen Mais ernten, die er für seine Anlage braucht. Denn der Mais reagiert empfindlich auf Konkurrenz durch Unkraut. "Wenn das Gesetz so kommt, kann ich die Tiere abschaffen, die Anlage abschalten und aufhören. Denn auf den schwachen Böden, die wir nun mal haben, lohnt sich kein anderer Anbau. Wir sind hier nicht im Klützer Winkel, wo man problemlos Weizen anbauen kann", erklärt Michalska und versteht die Welt nicht mehr.

Noch vor wenigen Wochen konnte sich der Neu Gülzer durchaus mit dem Gedanken an die neue Biosphäre anfreunden: "Uns ist in den Vorgesprächen immer wieder gesagt worden, dass es keine Verschlechterung zum jetzigen Wirtschaften geben wird. Und nun steht im Gesetzentwurf das blanke Gegenteil." Dabei wirtschaften Michalskas schon seit langem in einem Naturschutzgebiet.

Harald Elgeti, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, kann das nicht nur bestätigen, er findet noch schärfere Worte: "So wie das Gesetz jetzt gestrickt ist, wird das eine Biosphäre ohne Menschen. Die Forderung des Bauernverbandes ist ganz klar: Rücknahme des jetzigen Gesetzentwurfes und Garantien für die Landwirte."

Einen Widerspruch zum vom Gesetzgeber geforderten Naturschutz sehen die Bauern dabei überhaupt nicht. "Dass die Natur hier so im Einklang ist, dass sie sich so gut entwickelt hat, ist doch auch unserer Arbeit zu verdanken und der Art und Weise, wie hier schon lange gewirtschaftet wird. Warum das nun angeblich gegen den Naturschutz sein soll, kann hier niemand verstehen."

Michalska steckt derzeit in einer besonders schwierigen Situation. Will er doch mit dem Bau eines Jungviehstalls im Wert von 240 000 Euro beginnen. "Angesichts dessen, was die da in Schwerin vorhaben, bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt noch sinnvoll ist."

Aufgeschreckt durch den aus ihrer Sicht völlig übertriebenen Naturschutz seitens der Behörden sind nicht nur die Bauern. Auch in den Gemeinden regen sich erste Bedenken. Neu Gülze selbst wird am 29. Juni über den Gesetzentwurf debattieren. Auch anderswo im Bereich Boizenburg-Land ist die Erwartungshaltung in Richtung Biosphärengebiet sehr gedämpft, weil die Bürger massive Beschränkungen fürchten.

Und es gibt noch eine weitere Angst. "Was passiert, wenn das Land seine geplanten Kernzonen nicht billig wie gewünscht vom Bund aus dem Bereich des Lübtheener Übungsplatzes bekommt? Dann werden sie sich die Flächen anderswo holen. Und die darf man dann laut Gesetz noch nicht einmal betreten", weiß Harald Elgeti.

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