zur Navigation springen

Wilhelm Tewes aus Rosien feiert Geburtstag : Mit 100 täglich im Trabi auf Tour

vom

Der Motor des Trabant macht die typischen Geräusche und der Geruch des Benzingemischs liegt in der Luft, als Wilhelm Tewes aus Rosien sein Auto rückwärts aus der Garage setzt. Am Sonnabend wird er 100 Jahre alt.

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2012 | 07:26 Uhr

Rosien | Der Motor des Trabant macht die typischen Geräusche und der Geruch des Benzingemischs liegt in der Luft, als Wilhelm Tewes sein Auto rückwärts aus der Garage setzt. "Wenn ich in meinem Auto sitze und fahren kann, dann fühle ich mich wohl, dann tut nichts weh." Und Wilhelm Tewes setzt sich noch fast täglich hinters Steuer, fährt zur Tochter nach Dellien zum Mittagessen, zur Bank, zum Arzt und zum Einkaufen nach Neuhaus. Am heutigen Sonnabend wird er 100 Jahre alt.

Zeitzeuge eines bewegten Jahrhunderts

"Nie hätte ich gedacht, dass ich so ein hohes Alter erreiche", so der Senior. Das liege wohl an den Genen mütterlicherseits. Die Mutter wurde 97 Jahre alt, der jüngere Bruder ist aber "erst" 91 Jahre alt. Als Wilhelm Tewes 1912 geboren wurde, gab es noch ein Deutsches Kaiserreich, den ersten Weltkrieg erlebte er als Kind nicht bewusst, aber der Vater war als Soldat in Frankreich und kehrte erst 1919 zurück nach Rosien. Er erlebte die Inflation, die Weimarer Republik, die Nazizeit und dann den Zweiten Weltkrieg als Soldat, die DDR und deren Auflösung und die Wiedervereinigung. Und immer hat er in seinem Geburtshaus in Rosien gelebt, ab 1937 mit seiner Frau Marie und seinen drei Kindern, jetzt mit Sohn und Schwiegertochter. "Meine Frau ist schon 1989 gestorben, darunter habe ich sehr gelitten, denn wir haben uns immer gut verstanden. Aber das Leben geht seinen Gang, und wenn ich im Auto sitze und fahre, macht es immer noch Spaß."

Wilhelm Tewes hat sein Leben lang in der Landwirtschaft gearbeitet, zuerst als selbstständiger Bauer, zuletzt als Brigadier in der LPG und ist dann 1977 in Rente gegangen. Seine Zeit als Soldat in Frankreich und Italien war für ihn prägend und er erinnert sich genau an seine Erlebnisse. Aus der Nähe von Rom zogen sich die Soldaten bis nach Cortina d’Ampezzo zurück. "Hier hieß es: links geht es in amerikanische Gefangenschaft, rechts nach Österreich. Wir haben uns dann bis nach Waging in Bayern durchgeschlagen und gerieten hier in Gefangenschaft. " Aus der Gefangenschaft entlassen schaffte es Wilhelm Tewes bis nach Bleckede, wagte sich mit anderen, die auch zurück ins Amt Neuhaus wollten, über die Elbe und wurde sofort von den Russen in Empfang genommen. Nach ein paar Tagen Gefangenschaft in einer Garage in Niendorf brüllte ein russischer Offizier: "Macht, dass ihr nach Hause kommt." Ohne Entlassungspapiere habe er sich bei Kontrollen noch oft auf dem Stallboden versteckt, aber er war wieder zu Hause in Rosien.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen