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Hagenower Kreisblatt

16. Dezember 2017 | 10:20 Uhr

Hagenow : Millionengrab Stadt-Bahnhof

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Nachdem das Land gerade erst die Sanierung von Bahnsteigen und Schienen mit 5,8 Millionen Euro gefördert hatte, steuert jetzt nur noch die ODEG den frisch rausgeputzten Hagenower Bahnhof auf dem Weg nach Neustrelitz an.

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erstellt am 13.Dez.2012 | 06:02 Uhr

Hagenow | Millionengrab Hagenower Bahnhof: Nachdem das Land gerade erst die Sanierung von Bahnsteigen und Schienen mit 5,8 Millionen Euro gefördert hatte, steuert jetzt nur noch die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) den frisch rausgeputzten Halt der Kleinstadt auf dem Weg nach Neustrelitz an. Mit dem Fahrplanwechsel sind die Regionallinie 11 der Deutschen Bahn zwischen Hagenow-Stadt und Schwerin sowie Verbindungen der ODEG gestrichen worden. Und das, obwohl sich laut MV-Infrastrukturminister Volker Schlotmann (SPD) "bis 2014 nichts an den bestehenden Zugverbindungen" im Teilnetz Ost-West ändern sollte, heißt es in einer Stellungnahme vom 23. März 2012. Nicht nachvollziehbar für den Streckenbetreiber, den Planungsverband Transport- und Gewerbegebiet Valluhn-Gallin (TGG) als Eigentümer und für Pendler.

Doch das Land müsse sparen, heißt es auf Nachfrage beim Ministeriumssprecher Steffen Wehner. Die Kosten seien in den letzten zwei Jahren immer weiter gestiegen. Um diese Preissteigerung von 2,5 Prozent auszugleichen, wurden mit Fahrplanwechsel zum 9. Dezember in ganz MV drei, laut Zählung wenig genutzte Linien komplett abbestellt und etliche Verbindungen zum Teil massiv reduziert. Trotz bestehender Regionalverträge. Schlupfloch ist laut Steffen Wehner eine Klausel, die es erlaube, fünf Prozent der Linien zum Fahrplanwechsel zu- oder abzubestellen. Damit spart das Land 8,74 Millionen Euro ein.

Doch warum gibt es erst so viel für die Sanierung von Bahnhöfen aus, wenn dann doch Linien gestrichen werden? "Die Investition ist ja nicht verloren", sagt der Ministeriumssprecher zum Hagenower Beispiel. Züge könnten dort jetzt schneller fahren. Das geschaffene Ausweich-Gleis sei nach wie vor wichtig für den Güterverkehr.

Doch der rollt schon jetzt kaum über die Schienen des Bahnhofes. Tendenz sinkend: Weil dem Planungsverband TGG als Eigentümer der Strecke durch die Abbestellungen des Landes jedes Jahr 43 000 Euro Trasseneinnahmen fehlen, könnte ihr Ziel, den Güterverkehr von der Straße auf die Schienen zu holen und den Megapark Valluhn-Gallin ans Netz anzubinden, endgültig scheitern. Laut Geschäftsführer Dirk Schiewer steige nämlich das Defizit des Projektes von zuvor 100 000 auf jetzt 143 000 Euro. Doch die Finanzen wären dann nur ein Grund für das Scheitern des acht Jahre alten Vorhabens, so Schiewer. Dennoch: Er und Streckenbetreiber Torsten Meincke haben nach den Millioneninvestitionen fest mit einem Mindestbestellbetrieb von etwa 20 Jahren gerechnet. Stattdessen sinken ihre Einnahmen, weil immer weniger Züge den Bahnhof Hagenow-Stadt ansteuern. Von Montag bis Freitag täglich 13, hin und zurück.

Auch für regelmäßige Pendler wie Thomas Rehbein ein Problem. Der Schweriner fährt jeden Tag mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Hagenow. Ihm bleiben jetzt nur noch der Bus 555 und verschiedene Umsteigeoptionen mit Bus und den Regionalbahnen zwischen Schwerin und Hamburg, die auch am Bahnhof Hagenow-Land halten. "Für mich ist der Nahverkehr damit deutlich unattraktiver geworden", sagt er. Er sei weniger flexibel. Zumal das Ministerium nicht den angekündigten Ausgleich für die entfallene Linie geschaffen habe. Und zwar in Form von passenden Anschlüssen an die Regionalbahnen aus Hamburg.

Wenn nun auch noch die ODEG weitere Züge streicht, wird Thomas Rehbein zum Autofahrer. Denn "je unattraktiver und teurer, desto weniger Menschen nutzen den Nahverkehr", prophezeit der eigentlich überzeugte Bahnfahrer. Er hofft nun, dass nicht, wie erst angekündigt, noch mehr ODEG-Züge zwischen Hagenow und Neustrelitz wegfallen - und der millionenschwere frisch sanierte Bahnhof Hagenow-Stadt nicht eines Tages fast brach liegt.

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