Landwirtschaft : Milchpreis: Das Elend geht weiter

Am 1. April endete die Milchquote, doch das hat die Lage auf dem Markt nicht verbessert.
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Am 1. April endete die Milchquote, doch das hat die Lage auf dem Markt nicht verbessert.

27 Cent pro Kilo Milch ist für Betriebe der Region existenzbedrohend / Bisher gibt es keinerlei Aussicht auf Besserung

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01. August 2015, 21:45 Uhr

Das momentan schöne Wetter wird die Milchbauern der Region kaum trösten, denn für sie ist derzeit keinerlei Besserung der extrem schlechten Preislage in Sicht. Das wurde auf der Mitgliederversammlung der Milcherzeugergemeinschaft Hagenow, zu der etwa 40 Betriebe gehören, vor wenigen Tagen besonders deutlich. Dass der derzeit gezahlte Preis von 27 Cent je Kilogramm Milch für alle existenzbedrohend ist, wussten alle. Doch der Geschäftsführer Peter Gerber der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft hatte den Milchbauern bittere Nachrichten mitgebracht. Nach Ansicht des Milchhändlers, an den die Bauern jetzt nach dem Weggang von Danone liefern, ist eine Besserung der Marktlage frühestens ab Frühsommer kommenden Jahres zu erwarten. Bisher sprach vieles dafür, dass es ab Herbst wieder besser werden könnte. „Für einige Milchbetriebe wird es im kommenden Jahr wohl zu spät sein, sie werden aufgeben müssen. Und es haben in letzter Zeit schon Milchbetriebe in unserem Landkreis aufgeben müssen. Denn nötig wären angesichts der Kosten der Betriebe 41 Cent je Kilogramm“, ist sich Harald Elgeti sicher. Er ist Geschäftsführer der Milcherzeugergemeinschaft. 66 Prozent deren Mitglieder kommen aus Mecklenburg im Bereich von Boizenburg bis Holthusen, weitere 20 Prozent kommen aus Niedersachsen und damit meist aus dem Amt Neuhaus und die anderen Mitglieder kommen aus Schleswig-Holstein, aus dem Bereich Trittau-Bad Oldesloe. In den Jahren zuvor hat der allergrößte Teil dieser Firmen an das Hagenower Danone-Werk geliefert. Jetzt bekommen die Berliner Milchhändler das kostbare Gut, doch der Markt ist am Boden. Das liegt nicht nur an der nicht mehr gültigen Milchquote, seitdem ist die Produktion insgesamt nach oben geschossen. Es liegt nach wie vor an strukturellen Problemen. Elgeti, der auch Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes ist: „Erst vor wenigen Tagen hat Aldi den Preis beim Buttereinkauf um weitere 12 Cent je Kilogramm gesenkt. Allein das wird den Milchpreis um noch einmal einen Cent drücken. Dieser Wahnsinn, diese Allmacht des Handels, die macht uns kaputt.“

Die Politik, und damit meinen die Milchbauern ausdrücklich alle Ebenen, habe zugelassen, dass der Handel sich extrem konzentriert hat. Jetzt würden nur noch vier große Einkäufer den Mark bestimmen, und da knickten die Molkereien ein. „Außerdem haben wir in ganz Mecklenburg-Vorpommern nur noch drei Molkereien. Damit ist der Wettbewerb praktisch ausgehebelt.“ Dass es auch anders gehe, zeige Bayern, das Bundesland mit der größten Molkereidichte und auch mit immer besseren Preisen im Vergleich zu Mecklenburg-Vorpommern. Bei seinem Agrarminister Till Backhaus rennt Elgeti damit offene Türen ein. Auch Backhaus findet den derzeitigen Preis von 27 Cent bodenlos schlecht. Gut geführte Betriebe würden zwischen 34 und 40 Cent benötigen, um einigermaßen über die Runden zu kommen, erklärte er gegenüber unserer Redaktion am Rande seines jüngsten Besuches im Wahlkreis. Allerdings sollten die Bauern auch mehr Druck auf ihre Molkereien ausüben. Die Milchbauern seien längst nicht die einzigen, die mit einer extrem schlechten Lage am Markt zu kämpfen hätten. Ziemlich finster sähe es auch bei den Preisen für Schweinefleisch aus. Backhaus deutete an, dass es in Kürze wohl ein Bündel von Maßnahmen geben könne, um gesunden Landwirtschaftsbetrieben, die unverschuldet in Liquiditätsengpässen steckten, helfen zu können. Ob das Milchbauern helfen kann, ist offen. Deren Probleme lassen sich zumindest in Deutschland nur mit einer gründlichen Abkehr von der Billig-Mentalität beim Einkaufen ändern.Trotz der Probleme ist auf der Versammlung der Hagenower Erzeugergemeinschaft auch der Vorstand neu gewählt worden, das bisherige Gremium wurde wieder gewählt. Dirk Schmüser (Granzin) ist Vorsitzender. Dazu kommen: Klaus-Peter Heitmann (Benz), Christian Karp (Kraak) Robert Jahnke (Tripkau) und Norbert Hack (Schleswig-Holstein)

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