Hagenow : Milchpreis ab Mai unter 20 Cent?

Lohnt sich Milchproduktion überhaupt noch? Harald Elgeti meint: Im Moment nicht.
Lohnt sich Milchproduktion überhaupt noch? Harald Elgeti meint: Im Moment nicht.

Interview mit Harald Elgeti, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ludwigslust, zur Situation der Milchproduzenten in der Region

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16. März 2016, 12:00 Uhr

Der Milchpreis ist seit Jahren im Sinken. Bei jedem Liter, den ein Milchbauer verkauft, zahlt er drauf. Das geht nur eine gewisse Zeit gut. Wenn die Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden können, wird es eng. Über die Situation der Milchproduzenten in der Region sprach Dieter Hirschmann von der SVZ mit dem Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, Harald Elgeti.

SVZ: Lohnt sich Milchproduktion heute überhaupt noch?

Harald Elgeti: Im Moment lohnt sich Milchproduktion ganz sicher nicht. Die Preise sind nach dem katastrophalen Jahr 2015 weiter ganz klar im Abwärtstrend. Wir liegen pro Liter Milch nicht mehr viel über 20 Cent. Experten sagen voraus, dass wir im Mai unter 20 Cent kommen.

Und was passiert dann?

Dann wird sich der Markt bereinigen. In meinen Augen ist das eine sehr schlimme Entwicklung. Aktuell gibt es in Deutschland 60  000 Milchproduktionsbetriebe. 2008 waren es noch 100  000. Zu verzeichnen ist aber auch, dass wir nicht weniger Kühe haben, die Konzentration steigt an. Wenn die Rinderhaltung verschwindet, hat das Auswirkungen auf unsere Umwelt, auf unsere Wiesen und auf die Kulturlandschaft.

Wieviel Milchbauern sind Mitglied im Bauernverband Ludwigslust?

Wir haben rund 200 Landwirtschaftsbetriebe, die Mitglied bei uns sind, davon sind etwa 85 Prozent Landwirte, die auch Milchproduktion betreiben.

Ist das Problem die große Menge Milch am Markt, die den Preis weiter drückt?

Der einzelne Landwirt ist geradezu gezwungen immer mehr Milch zu produzieren, weil die oftmals das einzige Zahlungsmittel ist, das er hat. Der Einzelne kann an dieser Situation gar nichts tun. Hier würde nur helfen, die Menge zu reduzieren. Aber es funktioniert eben nicht zu sagen, ,Nun lasst uns mal alle etwas weniger produzieren’.

Wer sollte Ihrer Meinung nach hier eingreifen, um eine Mengenreduzierung umzusetzen?

Das müsste der Staat, die Politik oder die Molkereien machen. Die Molkerei hat daran kein Interesse, weil sie ja im Moment massenhaft Milch für fast umsonst bekommt. Der Staat hält sich hier raus. Ich weiß nicht, ob die Entwicklung, die daraus resultiert, am Ende dem Staat und der Bevölkerung gefallen wird. Ich würde es für angebracht halten, wenn die Politik hier einschreiten würde. Denn diese Entwicklung, wie wir sie jetzt vor uns haben, geht so gar nicht.

Besteht die Gefahr, dass Milchbauern Insolvenz anmelden müssen?

Die Frage wird doch vielmehr sein, ob die Betriebe Insolvenz anmelden oder ob sie einfach die Kühe abschaffen, und da, wo die Verhältnisse es zulassen, als Ackerbauern weiter machen. Aber die Milchproduktion ist sehr arbeitsintensiv. Das heißt, es hängen sehr viele Arbeitsplätze dran, die dann irgendwann freigesetzt werden. Es gibt Signale, dass die Banken nicht mehr stillhalten können. Und dann wird es Landwirtschaftsbetriebe treffen, die ganz und gar aufhören müssen.

Das ist für mich alles eine sehr, sehr bedrückende Entwicklung im Moment. Es besteht die Gefahr, dass Landwirte aufgrund der Situation zumachen müssen. Wobei wir davon ausgehen können, dass die Landwirte, die mit der Milch aufhören, ihre Kühe nicht zum Schlachter bringen, sondern zu einem Landwirt, der aufstocken will. Und damit ändert sich die Marktsituation gar nicht. Die Menge bleibt.

Gibt es Betriebe im Verbandsgebiet, die aufgehört haben?

Ja, und wie es aussieht, wird sich dieser Prozess fortsetzen, der weitere Kreise zieht. Ich erwarte, dass im Laufe des Jahres noch mehr Betriebe mit der Milchproduktion aufhören müssen.

Und dann sind ja auch die Landeigentümer von der Situation betroffen. Wie sehen Sie das?

Ein Landverpächter möchte natürlich auch nicht, dass auf seiner Weide irgendwann Birken und Kiefern wachsen. Neben den Landwirten sind also auch die Grundstückseigentümer betroffen und unsere Kulturlandschaft droht darunter zu leiden, wenn die Wiesen und Weiden nicht mehr bewirtschaftet werden.

Wer profitiert Ihrer Meinung nach von der Situation der Milchbauern?

Der Staat lässt zu, dass sich der Handel so konzentrieren kann. Vier große Discounter bestimmen alleine den Markt. Die Molkereien haben sich auch weiter konzentriert, im Land haben wir aktuell drei Molkereien. Was bleibt dem Milchproduzenten übrig? Er hat keine Alternative, er muss die Milch verkaufen.

So zeigt sich kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit als Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, dass die Situation in der regionalen Landwirtschaft absolut nicht gut ist.

Ursprünglich hieß es, dass sich eventuell die Situation Ende 2016 verbessern soll. Jetzt heißt es schon, womöglich erst im Sommer 2017. Was dann hier noch übrig ist, kann man jetzt noch gar nicht abschätzen.

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