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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 00:55 Uhr

Konau : Michael Prelle bat zu Tisch

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Der Hamburger Schauspieler servierte in der Frohen Zukunft einen kulinarischen Streifzug durch die Küchen der Welt

Bitte beachten Sie bei Ihrem nächsten Restaurantbesuch unbedingt die Warnhinweise des Spitzenkochs Anthony Bourdain: Bestellen Sie niemals an einem Montag Fisch, denn der Fisch wurde bereits am Donnerstag geliefert und bei den Gastronomen ist Montag der Resteverwertungstag nach dem Motto: Mal sehen, was noch im Kühlraum ist. Auch sollten Sie die Finger von Sauce hollandaise lassen, denn in ihr könnten die Butterreste von den Tischen des Restaurants verarbeitet sein. Nicht wirklich erhitzt und stundenlang warm gehalten kann das Butter-Eier-Gemisch „eine Petrischale voll biologischer Risiken“ sein.

Äußerst humorvoll geht es am Sonntag in der Konauer Kulturscheune 25 zu. Gastgeberin Saskia Kuntzsch-Zschoch hat den Schauspieler Michael Prelle vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg zu einer Lesung mit Küchengeschichten eingeladen. Bereits zum dritten Mal ist Michael Prelle hier zu Gast, vor zwei Jahren hat er Literarisches zum Thema Wein kredenzt. Auf der Fahrt zu einem Drehtermin in Köln macht der Hamburger an diesem Sonntag mit einem großen Koffer voller Bücher Halt in Konau. Im Koffer ein reichhaltiges Menü an Rezepten, Ratgebern, Speisekarten, Poetischem und Philosophischem. Kochen ist eine Leidenschaft von Michael Prelle: „Als junger Mann wollte ich Koch werden. Aber mein Vater hat mir wegen der ungünstigen Arbeitszeiten davon abgeraten. Deshalb bin ich Schauspieler geworden.“ Michael Prelle muss lachen: „Na ja, die Arbeitszeiten als Schauspieler sind auch nicht die besten.“

Schon in der Bibel geht es um Essen: Nach dem Biss in den Apfel verdammt Gott Adam dazu, das Unkraut auf dem Felde zu essen. Doch bei den meisten Texten, die Michael Prelle mitgebracht hat, geht es um Tafel- und Gaumenfreuden und den Kult, der ums Essen betrieben wird. Erwähnt sei die Geschichte der alternden Film-Diva Marlene Dietrich, die sich erst nachdem sie sein Privatleben auf Herz und Nieren geprüft hat von ihrem neuen Koch Rheinischen Sauerbraten mit Klößen vorsetzen lässt. Leider ist das Essen mittlerweile kalt. Der Autor Axel Hacke hat Fehler in den Übersetzungen von Speisekarten gesammelt. So preist eine Karte aus Griechenland Zwiebelringe als „Die Zwiebel ruft an“ an. Ein Missverständnis aus dem Englischen „onion rings“. Ein Blick in das „Fachbuch für Kellner“ aus der DDR verrät, dass die politisch-ideologische Qualifikation für diese Berufsgruppe an erster Stelle steht und ein Buch über internationale Esskultur aus den 50er Jahren lehrt, dass es bei den Eskimos kaum Rezepte gibt, da Fleisch und Fisch roh verzehrt werden.

Michael Prelle liest voller Genuss und lässt sich die Worte auf der Zunge zergehen. Mit seiner wohltönend warmen Stimme zelebriert er die Texte wie ein gutes Essen mit viel Witz und Charme. Seine Begeisterung für die Texte wirkt ansteckend, es wird viel gelacht an diesem Nachmittag. Absolut komisch gerät der Vortrag einer Anleitung von Clemens Wilmenrod - dem ersten deutschen Fernsehkoch der 50er Jahre - für die Gestaltung einer Essenseinladung durch einen Junggesellen. Kulinarischer Höhepunkt des Abends: Ölsardinen auf Toast und Tomaten gefüllt mit Innereien.

Wer mehr Rezepte von Clemens Wilmenrod probieren wollte, konnte nach der Lesung das Café „Gelber Richard“ besuchen, wo Klaus Gervink das berühmte Toast Hawai servierte.


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