Biber-Monitoring : Meister Bockert und der Mensch

Mit Bibern friedlich zusammenleben, sei möglich, meint Mathias Hippke als Beauftragter für Artenschutz, Monitoring und Forschung im Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe.
Mit Bibern friedlich zusammenleben, sei möglich, meint Mathias Hippke als Beauftragter für Artenschutz, Monitoring und Forschung im Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe.

Im Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe wird seit zehn Jahren Biber-Monitoring für etwa 40 Paare betrieben. Drei Kontrollen pro Jahr

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07. März 2016, 21:00 Uhr

Fließgewässer, fernab des Weltenlärms, möglichst mit reichlichem Baumbestand an den Ufern, sind sein bevorzugtes Revier: Die Rede ist von Meister Bockert, wie ihn der Volksmund oft nennt, dem Biber. Einst durch Jäger fast ausgerottet, erholt sich die Population in Mecklenburg-Vorpommern zusehends. Für die agrarpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Beate Schlupp, Grund genug, einen Bibermanagement-Plan der Landesregierung einzufordern. „Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatten die Vertreter der CDU-Landtagsfraktion das zuständige Ministerium aufgefordert, einen entsprechenden Plan zu erarbeiten. Bis heute fehlt Landwirten und Kommunen eine Richtlinie, wie sie Probleme, die mit dem Biber einhergehen, bewältigen können. Überflutete Keller, Straßen und landwirtschaftliche Flächen können nicht einen ganzen Landstrich überfordern. Aus diesem Grund ist zügiges Handeln erforderlich“, erklärte die Abgeordnete  bereits  Mitte  Januar.

Im  Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe in Zarrentin werde bereits seit zehn Jahren ein Biber-Monitoring betrieben, berichtet Mathias Hippke als Beauftragter für Artenschutz, Monitoring und Forschung. „Drei Mal im Jahr kontrollieren wir die Lebensräume und protokollieren die Nachweise. Am Schaalsee gibt es derzeit zehn, an der Elbe etwa 25 bis 30 Reviere mit ebenso vielen Paaren“, erzählt der 55-Jährige weiter, der seit sieben Jahren auch Sachgebietsleiter ist. Die Nachkommen dieser Tiere lebten etwa drei Jahre in der Großfamilie, bevor sie dann eigene Wege gingen, sagt der gebürtige Kieler weiter im SVZ-Gespräch. Der Biber sei nach wie vor gefährdet, stehe auf der Roten Liste unter Kategorie III und stelle somit eine streng geschützte Art nach der Schutzverordnung des Bundes dar.  In der Schaalseeregion sei der Biber 2005 von der Elbe aus wieder eingewandert, nachdem er viele Jahre als ausgestorben gegolten habe. Sein bevorzugter Lebensraum seien Fließgewässer.

„Bei uns ist sein Auftreten recht entspannt, an der Warnow  beispielsweise gibt es bis zu 100 Reviere. Da muss man sich angesichts dieser Größenordnung sicherlich Gedanken darüber machen, wie das Zusammenleben Biber und Mensch funktioniert“, sagt Hippke. Bis jetzt, so erinnert sich der Fachmann, habe man auftretende Probleme immer auf kurzem Wege lösen können. Der Biber fälle auch hin und wieder mal eine Eiche, Buche oder gar Apfelbaum. Das sei seinem Nagedrang geschuldet. Wenn er Rohrdurchlässe verschließt, könne es temporär auch zu Überflutungen von Grünland und Nutzflächen kommen. Oder er baue Dämme und vernässe so Flächen. „Aber es gibt bereits  Schutzmaßnahmen wie Gitter und spezielle Pasten. Auch sogenannte Bibertäuscher, das sind  KG-Rohre, die unterhalb eines Dammes angebracht werden, um ein Fließen zu gewährleisten, kommen mitunter zum Einsatz.“

Biber seien sehr kluge Tiere und überraschten immer wieder mit  Erfindungsreichtum, berichtet Pressesprecherin Elke Dornblut. „Wir dürfen seine Burg nicht entwässern, der Eingang muss immer unter Wasser stehen. Also müssen wir ihn mitunter auch austricksen. Das ist völlig legitim.“ Zum Glück sei man als Biosphärenreservatsamt in der guten Lage, dass sich  viele Bereiche an den Fließgewässern, die der Biber bevorzuge, im Eigentum des Naturschutzes befänden.

Hintergrund: Der Biber - einst fast ausgerottet

Neben dem kostbaren Fell und dem Fleisch war auch das Drüsensekret – das sogenannte Bibergeil – sehr begehrt. Ihm wurde eine positive Wirkung bei Typhus und Magenbeschwerden zugeschrieben, außerdem sollte es potenzsteigernd wirken. Das sorgte mit dafür, dass der Biber einst fast ausgerottet wurde. Eine erste deutsche Biberzählung von 1890 ergab nur noch 190 Tiere. Nur ein kleiner Restbestand im Gebiet der mittleren Elbe hatte überlebt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in vielen europäischen Ländern Versuche unternommen, den Biber wieder anzusiedeln. In Mecklenburg-Vorpommern wurden Biber an der Peene und an der Warnow erfolgreich wieder eingebürgert. Der Bestand in unserem Bundesland dürfte heute bei etwa 800 Tieren liegen. Der Biber macht auch keinen Winterschlaf. Er legt sich stattdessen ein Depot an Ästen in Ufernähe an. Er gilt übrigens als das zweitgrößte Nagetier der Welt. Bis zu 1,40 Meter lang und 35 Kilo schwer kann er werden.

Quelle: Biosphärenreservatsamt

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