Sommercamp der Skater : Mehr Liebe als Schmerzen

Aller Anfang ist schwer .... Amelie (9) stürzt sich unter Anleitung von Daniela (l.) und Tobi (4. v. l.) gleich die Rampe hinunter.  Fotos: Katja Frick
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Aller Anfang ist schwer .... Amelie (9) stürzt sich unter Anleitung von Daniela (l.) und Tobi (4. v. l.) gleich die Rampe hinunter. Fotos: Katja Frick

Im Sommercamp der Skater kehrt der nicht alltägliche Alltag ein. Wir begleiten die neunjährige Amelie

svz.de von
29. August 2016, 21:00 Uhr

Max (12) hat sich zwar gleich am ersten Tag die Lippe aufgeschlagen, aber er macht heldenhaft weiter. Unermüdlich probiert er, auf einem Skateboard die kleine Rampe hoch zu fahren, am höchsten Punkt umzudrehen und wieder runter zu fahren. Gerade als es klappt, hat Trainer Benien ihm den Rücken zugekehrt und es nicht gesehen. „Wenn es einmal klappt, klappt es auch zweimal“, tröstet Benien, der sein Alter nur vage mit „Mitte 20“ angibt und auch seinen richtigen Namen auf keinen Fall verraten will.

Amelie (9) kann schon während des Fahrens eine Seite des Boards in die Luft schnippen und traut sich mit Hilfe von Trainerin Daniela ein Stück die Halfpipe hinauf.

Seit Sonnabend sind die 29 Teilnehmer des Skate-Sommercamps zwischen sieben und fünfzehn Jahren unter Anleitung ihrer drei Trainer Daniela, Tobi und Benien von „Skate-Aid“ im Fairhafen unermüdlich bei der Sache.

„Für uns ist wichtig, dass die Kids Spaß haben“, meint Benien. „Unser Ziel ist es, dass sie in den ersten zwei Tagen nicht stürzen, damit sie das Skaten nicht mit etwas Schlechtem verbinden.“

Gerade als die SVZ fragen will, seit wann er denn selbst auf einem Skateboard steht, kommt ein Workshop-Teilnehmer und stellt Benien eben diese Frage.

„Ich bin aus einem kleinen Dorf in NRW. Als ich 13 war, bekamen meine beiden Nachbarsjungen Skateboards. Da hat meine Großmutter mich aus dem Haus geworfen und gesagt, ich soll da jetzt mitmachen“, erinnert er sich. Drei Monate teilten sich er und die Nachbarsjungen die beiden Boards, bis ihm seine Oma ein eigenes kaufte. „Wir sind in die nächste große Stadt gefahren und haben eins für 120 DM geholt. Das habe ich dann sogar mit ins Bett genommen, das war richtig schlimm.“ Bis jetzt habe er von seinem Board mehr Liebe als Schmerzen bekommen, meint der Skate-Profi. Das Tolle in der Szene sei, dass es nicht so sehr um den Wettbewerb gehe, sondern dass sich alle für die anderen mitfreuten, wenn sie etwas Neues schafften. Die Skater seien wie eine große Familie. „Ich bin viel gereist“, erzählt Benien. „Als erstes bin ich immer durch die Stadt gegangen und hab’ mir die Schuhe der Leute angesehen. Denn an den Schuhen erkennt man die Skater.“ Er zeigt zum Beweis seinen linken Schuh, der an der Seite ein Loch hat und Abschürfungen an den Gummirändern. „Dann sagt man ‘Hallo’ und kann da auch übernachten.“

Daniela (26) hat erst vor anderthalb Jahren mit dem Skaten angefangen. Als sie von Dortmund nach Hamburg zog, entdeckte sie das Projekt „Girls Skate Hamburg“ und schloss sich den jungen Frauen an. „Wir wollen fördern, dass sich auch die Mädchen aufs Board trauen“, erklärt sie. Mädchen seien oft eingeschüchtert von dem, was sie bei den Jungs sehen. Sie fände toll, dass sich sieben Mädchen für das Sommercamp angemeldet hätten.

Die neunjährige Amelie wird die SVZ bis Sonnabend jeden Tag begleiten.

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