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Seit 60 Jahren in Dodow : Mehr als nur ein Tante-Emma-Laden

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In der Dodower Dorfstraße steht die kleinste Konsum-Filiale des Landkreises. Die Kunden kommen bei weitem nicht nur um einzukaufen - sondern auch um zu klönen, zu lachen und Backrezepte auszutauschen.

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erstellt am 20.Dez.2012 | 05:39 Uhr

Dodow | "Zehn Mischbrote, vier Kartoffelbrote, sechs Schwarzbrote, 800 Brötchen...." Sabine Bödecker läuft mit dem Telefonhörer am Ohr durch den kleinen Laden und gibt die Bestellung an den Bäcker durch. Morgen früh will er liefern, diesmal von allem ein bisschen mehr. "So kurz vor Weihnachten stellen wir uns auf viel Betrieb ein", sagt die Verkäuferin. Am Sonnabend und zu Heilig Abend werden sich morgens vor der Theke beim Brötchenverkauf wieder Schlangen bilden.

Viele ihrer Kunden kennen die beiden Verkäuferinnen persönlich. Da ist Erich, der immer morgens für die Hühner Haferflocken holt. "Er könnte gleich den Kuchen und den Pudding für den Nachmittag mitnehmen, aber er kauft nur die Haferflocken, weil er uns nachmittags noch mal besuchen will", erzählt Verkäuferin Johanna Schwarz. Oder Heidrun Reha, die nach der Arbeit oft durchs Dorf spaziert, um sich ihre Zeitung aus dem Konsum zu holen. "Ich bin gerne hier", sagt sie. "Man findet immer etwas, die Verkäuferinnen sind nett, wir lachen viel und oft bleibt auch Zeit für einen Schnack." In der Vorweihnachtszeit würden die Kunden mit den Verkäuferinnen auch Backrezepte austauschen, erzählt Sabine Bödecker. Nachbar Detlef Rogge kann sich Dodow ohne den Laden gar nicht vorstellen. "Vor allem die alten Leute brauchen ihn", sagt er. Auch er gehört zu den Stammkunden. "Dann spare ich den Sprit nach Wittenburg."

Seit 60 Jahren gibt es in Dodow den Konsum, ganz früher war der Laden in einem ehemaligen Pferdestall neben der Schule untergebracht, später hat die Konsumgenossenschaft in der Dorfstraße ihr eigenes Ladenhäuschen gebaut. Mit ihren rund 68 Quadratmetern Verkaufsfläche ist die Dodower die kleinste aller 13 Konsum-Lebensmittelfilialen.

Sabine Bödecker arbeitet hier seit fast 20 Jahren, ihre Kollegin Johanna Schwarz kam fünf Jahre später dazu. Die beiden sehen sich nicht nur als Verkäuferinnen. "Wir putzen die Regale, füllen nach, wischen den Boden, wir bestellen die Ware, wir packen Präsentkörbe, wir schieben sogar den Schnee beiseite und streuen Salz." Das Büro sei eigentlich nur zum Angucken da, sagt Johanna Schwarz. "Es gibt im Laden einfach immer was zu tun." Früher seien sie in ihrem Urlaub mittwochs immer noch ins Geschäft gefahren, um zu sehen, ob die Vertretung zurechtkomme. "Wir arbeiten hier, als wäre das unser Laden", erzählt Johanna Schwarz. "Wir wollen, dass es läuft und die Kunden zufrieden sind." Ihr neuer Chef, der Vorstandsvorsitzende Ralf Bade, freut sich über so viel Motivation seiner Mitarbeiterinnen. "Da kann man nur den Hut ziehen." Als der Randberliner die neue Stelle in Hagenow annahm, wurde er zuhause nur staunend angeguckt: "Was? Den Konsum gibt’s noch?" Bade hält die Konsum-Filialen mit ihrem familiären Charme für etwas Besonderes, womit man punkten könne. Dennoch stehe man ständig unter wirtschaftlichem Druck, müsse zusehen, wie und wo man sparen könne. Dodow sei nicht nur flächenmäßig, sondern auch umsatzmäßig mit 125 000 Euro im Jahr, die kleinste Filiale. Große Sorgen um die Zukunft macht sich Johanna Schwarz nicht. "Aber es wurmt mich doch, wenn ich sehe, wie Dodower mit dem Auto zum Einkaufen nach Wittenburg fahren." Sie möchte nicht, dass sie irgendwann mal sagen muss: "Wenn wir nicht mehr sind, merkt Ihr, was Ihr an uns hattet."

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