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Spitzenprodukte aus der Region : Mecklenburger Grün für die halbe Welt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nahe Alt Zachun gedeiht seit Monaten Spitzenrasen für die besten Fußballstadien der Welt. Firmeninhaber Peiffer: „Wir sind in diesen Boden hier total verliebt“

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erstellt am 19.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Man muss nur ein einziges Mal auf diesem ganz besonderen „Acker“ gestanden haben, um die dortige unglaubliche Präzision zu begreifen. Ein 23 Hektar großer Schlag, nur mit feinstem Rasen, flach wie ein riesiger Tisch. Was hier wenig später in 38 Millimetern Stärke und in Bahnen zu 15 Metern bei einer Breite von 1,20 vom Boden geschält werden kann, lässt weltweit vor allem bei Fußballfans die Herzen höher schlagen. Denn in Mecklenburg, nahe Alt Zachun, wächst Spitzenrasen für die halbe Welt. „Schuld“ daran ist das Unternehmen der Gebrüder Peiffer vom Niederrhein, die sich um guten Rasen bereits in dritter Generation kümmern. Arnd Peiffer: „Wir haben lange nach neuen Standorten gesucht, weil wir bei uns nicht mehr wachsen können. Und hier, im Zachuner Bereich, sind wir fündig geworden. Wir sind in diesen Boden mehr als verliebt. Und die ersten Ergebnisse geben uns Recht.“

Peiffer (im großen Bild an der Maschine), der selber Greenkeeper bei Fortuna Düsseldorf ist, weiß, wovon er redet. Die halbe Bundesliga habe schon Interesse an dem neuen Mecklenburger Rasen angemeldet, erzählt er. Die erste Lieferung ist auch schon raus. An nur zwei Tagen wurde so der Rasen für die Stockholmer Friends-Arena mit 19 Lkw-Ladungen zu je 24 Rollen geliefert. In dem Stadion spielt auch die schwedische Nationalmannschaft. Der zweite Rasen für die Schweden ist auch schon geordert, auf der Lieferliste steht auch schon Grün für Paderborn. Die Kundenliste des Unternehmens, das in Alt Zachun inzwischen eine Zweigstelle eröffnet hat, hat viele berühmte Namen: Barcelona, Madrid, sehr viele Bundesligaclubs, auch Hansa Rostock hat schon Rasen von dem Unternehmen bezogen. Selbst Bayern München gehört dazu, allerdings nicht für die Allianz-Arena. Die hat einen Mischbelag aus Kunst- und Naturrasen. Doch Naturrasen ist wieder auf dem Vormarsch.

Was für den Landwirt in der Nutzung grenzwertig ist, kann für die Rasenfachleute das Paradies sein. In Alt Zachun ist es so. „Die Körnungsgrößen im Boden, die organische Masse, die Wasserdurchlässigkeit, das alles ist hier nahezu perfekt“, schwärmt Peiffer. Doch von allein kommt die makellose grüne Matte nicht zustande. Allein die Vorbereitung des neuen Rasenfeldes hat Tage gedauert: Per Laser vermessen, mit Spezialmaschinen geglättet. Erst dann durften Saatmaschinen überhaupt anrücken. Die Mischungen sind und bleiben natürlich Firmengeheimnis und ändern sich auch laufend.

Alles andere ist Pflege, Pflege und nochmal Pflege. Dreimal in der Woche wird in der Vegetationszeit gemäht mit speziellen Spindelmähern. Die Überreste werden abgesaugt, dazu kommen Düngung und natürlich die Wässerung. Und jetzt liegt dort, ganz in der Nähe des Alt-Zachuner Sportplatzes, feinster Rollrasen mit 15 000 bis 20 000 Trieben pro Quadratmeter. Wer diesen grünen, makellosen Teppich als Hobbygärtner erlebt hat, kann seinen Zierrasen daheim nur als holpriges grünes Etwas empfinden.

Noch eine Stufe höher in der Qualitätsstufe ist das „Green“ für den Golfplatz. Auch das gibt es in Alt Zachun schon. Auf dem extrem dichten Belag, der einem Teppich gleichkommt, versammeln sich dann bis zu 100 000 Triebe auf den Quadratmeter.

Die Kosten sind entsprechend. So kann ein Rasen mit etwa 7800 Quadratmetern für ein Fußballstadion ab 80 000 Euro oder auch das Doppelte kosten, inklusive Transportkosten. Doch die Peiffers wollen bei allen großen Projekten auch die kleinen Gärtner nicht vergessen und bieten auch Rollrasen für Privatkunden an.

Strapazierfähig muss er sein, die Fachleute nennen das Scherfestigkeit, Reißfestigkeit oder Nabendichte. Der frisch geerntete Rasen ist im Übrigen nach seiner Verlegung im Stadion sofort bespielbar. Auch darauf legen die Clubs wert. Entscheidendes Kriterium ist und bleibt jedoch die Wasserdurchlässigkeit. Die ist auf 60 Liter pro Stunde und Quadratmeter ausgelegt. Auslöser dafür war im Übrigen das Wasserspiel von Frankfurt 1974 bei der WM zwischen Deutschland und Polen.

In Alt Zachun hat das Unternehmen mit Sven Jasram und Christoph Flakowski bereits zwei Ortsansässige eingestellt und will weiter ausbauen. Denn die 23 Hektar Rasen sollen noch lange nicht das Ende bedeuten. Weitere 20 Hektar sind im Hoorter Bereich bereits in der Bearbeitung, für andere Flächen gibt es Optionen.

Dass die Peiffers überhaupt in Mecklenburg so umfangreich loslegen konnten, verdanken sie einem einheimischen Landwirt. Dietrich Groth aus Radelübbe gab den entscheidenden Tipp über die zum Verkauf stehenden Flächen. Seitdem pendelt der 37-jährige Arnd Peiffer die 500 Kilometer zwischen dem Niederrhein und Mecklenburg. „Wir sehen hier echt Potenzial auf lange Zeit.“ Den Rasen auf dem benachbarten Sportplatz hat sich Peiffer schon angesehen. Vielleicht ließe sich da mal künftig etwas machen, ist er sich sicher.

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