Wittenburg : Massen-DNA-Test soll nun Licht ins Dunkel bringen

Die Speichelproben sollen im Anschluss untersucht und mit der an der Babyleiche festgestellten DNA abgeglichen werden. Die Untersuchung dient ausschließlich der Feststellung, ob die Frauen als Mutter des getöteten Säuglings in Betracht kommen.
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Die Speichelproben sollen im Anschluss untersucht und mit der an der Babyleiche festgestellten DNA abgeglichen werden. Die Untersuchung dient ausschließlich der Feststellung, ob die Frauen als Mutter des getöteten Säuglings in Betracht kommen.

Mutter des toten Babys gesucht/1700 Frauen aus Region wurden angeschrieben Prinzip der Freiwilligkeit

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03. Mai 2017, 21:00 Uhr

Rund 1700 Frauen, die zwischen März 2016 und März 2017 in den Gemeinden Wittenburg, Wittendörp, Zarrentin, Vellahn und Bobzin gemeldet waren oder dort gearbeitet haben, sollen sich seit gestern freiwillig einem Massen-DNA-Test unterziehen. Die Kriminalpolizeiinspektion Schwerin  will so herausfinden, ob sich unter den 15- bis 45-Jährigen  die Mutter des am 1. März in einem Waldstück in der Nähe des Sportplatzes  von Spaziergängern tot aufgefundenen  Babys befindet. Die rechtsmedizinische Untersuchung des Leichnams hatte damals ergeben, dass das kleine Mädchen zum Zeitpunkt seiner Geburt noch gelebt hatte. 15 Beamte sind dafür  vor Ort. In einem Nebenraum der Freiwilligen Feuerwehr wurden  fünf Tische eingerichtet, an denen die DNA-Tests durchgeführt werden sollen.

„Die Polizei hat alles sehr gut organisiert“, betont Oberstaatsanwältin Claudia Lange. „So dauert der Test samt Einverständniserklärung etwa fünf Minuten, wenn es nicht gerade voll ist, wie am Morgen.“ Schon  bevor der Raum in der Feuerwehr um 9 Uhr geöffnet wurde, hätten   Frauen vor der Tür gestanden. In der ersten Stunde seien gleich 50  getestet worden. Für gestern seien  420 Frauen geladen worden.

Damit keine von ihnen auch nur ansatzweise in Verdacht gerät, herrscht striktes Fotografier- und Filmverbot. Lediglich der Raum, in dem die Tests durchgeführt werden, darf leer abgelichtet werden. Auch wenn viele Frauen der Probe gegenüber aufgeschlossen seien, so Lange gegenüber der SVZ. „Sie wollen helfen, dass die Mutter des toten Babys gefunden wird.“ Die Ergebnisse der Tests lägen dann in wenigen Wochen vor.

Die Polizei und Staatsanwaltschaft Schwerin bitten auch weiterhin Zeugen, die am 1. März  im Bereich des Fundortes und der Umgebung Personen- oder Fahrzeugbewegungen beobachtet haben, oder mögliche Hinweise auf die Kindesmutter geben können, sich bei der Staatsanwaltschaft Schwerin oder der Polizei zu melden. Für Hinweise, die dazu führen, die Mutter des toten Babys  ausfindig zu machen, hat die Staatsanwaltschaft Schwerin übrigens 2000 Euro ausgelobt. 

Wer soll alles getestet werden?

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Schwerin hat das Amtsgericht Schwerin angeordnet, dass Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren, die im Zeitraum vom 1. März 2016 bis zum 1. März 2017 in den Gemeinden Wittenburg (Ortsteile Körchow, Helm, Klein Wolde, Lehsen, Perdöhl, Ziggelmark, Wölzow, Fuchsberg, Zwölf Apostel, Ziegel-Berg), Wittendörp (Ortsteile Püttelkow, Birkenhof, Dodow, Dreilützow, Harst, Karft, Luckwitz, Pogress, Raguth, Tessin, Waschow), Zarrentin (Ortsteil Bantin), Vellahn (Ortsteile Kütin, Wolfskuhl) und Bobzin mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet waren beziehungsweise  in dort ansässigen Firmen gearbeitet haben, mit ihrer Einwilligung Körperzellen entnommen werden können. Auch Frauen aus Rumänien und Polen, die als Saisonkräfte in der Region tätig sind, werden getestet.

Gemäß § 81 h Absatz 1 StPO ist die DNA-Reihenuntersuchung zulässig, wenn bestimmte Tatsachen den Verdacht begründen, dass ein Verbrechen u. a. gegen das Leben begangen worden ist und sich der Personenkreis, bei dem die Maßnahme durchgeführt werden soll, umgrenzen lässt (zum Beispiel nach Geschlecht, Alter, Wohnort).

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