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Hagenow : „Mannis Rassiger“ macht jeden munter

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Lebenshilfewerk Hagenow ist der Edelröster für die komplette Ladenkette von Manfred Ickert und auch für andere Händler von hochwertigem Kaffee

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erstellt am 25.Jul.2017 | 08:00 Uhr

„Regional ist das bessere Bio. Das war schon immer mein Motto. Und beim Kaffee halte ich es genauso. Der wächst zwar nicht  bei uns, dafür wird aus der Rohware hier in Hagenow ein wirklich edler Kaffee gemacht. Und das extra für uns“. Manfred Ickert ist nicht irgendwer, der „Bäcker aus der Elbtalaue“ (Eigenwerbung) ist ein Fachmann der Region, auch beim Kaffee. Ungefähr drei Tonnen extra gerösteten Kaffees nimmt Ickerts Team dem Lebenshilfewerk Hagenow derzeit im Jahr ab.

Dessen Geburtsstunde als Kaffeeveredler schlug mit der Eröffnung des Café „Sophie“ auf dem Hagenower Rathausplatz. Damals wurde auch eine hochmoderne Röstmaschine gleich mit angeschafft. Hans-Joachim Grätsch, der langjährige Chef des Hilfswerks und erklärter Kaffeeliebhaber, hatte schon zur Eröffnung den Anspruch formuliert, dass man den Rohkaffee nicht nur für den Eigenbedarf veredeln wolle. Antje Prolingheuer, so etwas wie die Kaffeebeauftragte des Betriebes, hat sich mit ihrer Mannschaft strikt an die Vorgaben ihres früheren Chefs gehalten. Inzwischen bemisst sich die Menge des in Hagenow gerösteten Kaffees nach Tonnen. Tendenz steigend. Die Bäckerkette mit Stammsitz in Neuhaus ist dabei nicht der einzige Großkunde. Die Kaffeeveredler vom Rathausplatz arbeiten auch als Lohnröster und sogar für einen Onlinehändler. Inzwischen ist  das Nachfrage  so groß geworden, dass das Lebenshilfewerk einen zweiten, deutlich größeren Röster gekauft  hat. Auch der steht in Hagenow, und zwar am Hasselsort.

Die Schaffung einer extra Kaffeesorte mit gleichbleibendem Geschmack ist etwas für Kenner und Menschen mit Geduld. Bäckermeister Ickert und seine Kaffeepartnerin Prolingheuer haben beides. Und so wurden nicht nur die Bohnen des Rohkaffes sorgfältig ausgewählt, auch die Röstung selbst ist bis ins Detail ausgetüftelt. Wie lange wird geröstet, mit welcher Temperatur, wie schnell darf sich die Trommel in der Maschine drehen?  Heraus kam „Ickerts Edelröstung“ mit Bohnen aus Indien, Ruanda und Brasilien. Und als Spezialsorte für den Espresso ist „Mannis Rassiger“ erfolgreich auf dem Markt. Die stets frisch gerösteten Bohnen kann man in den acht Läden der kleinen Kette kaufen.

In den Cafés des Lebenshilfewerkes gibt es dagegen andere Sorten, wie „Starker Hagen“, „Muntere Sophie“  oder „Boizenburger Ratsröstung“ und schlicht Fair Lady“. Insgesamt sind es elf Sorten, und es könnten noch mehr werden. Schließlich will das Lebenshilfewerk noch ein Café in Mölln eröffnen. Verglichen mit dem, was es sonst an Kaffee in normalen Läden zu kaufen gibt, verdienen die Hagenower Produkte schon den Begriff „Edel“. Das liegt vor allem an der Röstzeit. Ungefähr 13 Minuten braucht der kleine Röster am Markt, um aus sechs Kilogramm Rohkaffee 5,1 Kilogramm gebrauchsfertigen Kaffee zu machen. In Großröstereien geht das nach den Erfahrungen Prolingheuers deutlich schneller. Einmal ausgetüftelt kommen die Anweisungen an die Maschine in einen Spezialrechner, der über ein Programm den Röster steuern kann.

Kunde Manfred Ickert kann so darauf vertrauen, stets die gleich Qualität zu bekommen, auch wenn einmal ein anderer Bediener da ist. Das kann und soll auch eine Beschäftigter der Werkstatt sein, sprich ein Mensch mit Behinderungen.

„Ich kann alle hier nur loben. Sie sind schnell und flexibel. Wenn wir beispielsweise mal vergessen haben, Bohnen zu ordern, wird für uns auch schon mal extra geröstet. Das klappt gut“, lobt der 59-jährige. „Wir kennen uns eben“, gibt Antje Prolingheuer das Kompliment zurück. Bäcker Ickert setzt auch noch auf andere regionale Anbieter. Seine Milch kommt vom Hof Weitenfeld aus der Teldau, die Erdbeeren vom Spargelhof Gast, die Wurst für die Brötchen aus Ludwigslust.

Die Kaffeeröster kümmern sich nicht nur um die Veredlung, sie achten auch beim Einkauf der Rohware darauf, umsichtig zu sein. „Wir sichern unsere Mengen über Kontrakte ab, fair Trade ist aber nicht immer zu bekommen“, weiß die 55-jährige Kaffeespezialistin, die auch selbst schon Anbauländer in Südamerika bereist hat. Je nach Bedarf holen die Hagenower ihren Rohkaffee aus einem Hamburger Lager ab, und beginnen mit dem Rösten. Wenn der Kaffee den Röster verlässt, ist er schön braun, riecht aber kaum nach Kaffee. Das Aroma braucht ein paar Minuten, bis es sich entwickelt. Aber dann...

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