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Die neuen Denkmalpfleger : „Man muss schon Spinner sein“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Anne Iborg und Uwe Julius erfüllen sich mit Sanierung Lindenspeicher Lebenstraum

von
erstellt am 03.Aug.2014 | 16:28 Uhr

An einem trostlos-trüben Novembertag des Jahres 2006 lenkte das Schicksal Anne Iborg und Uwe Julius durch das kleine Dörfchen Rodenwalde.

„Plötzlich standen wir vor dem alten Lindenspeicher, haben aber sofort gedacht, das können wir uns sowieso nicht leisten“, erinnert sich der 55-jährige Hausherr. Dennoch sei es damals unsterbliche Liebe auf den ersten Blick gewesen. „Das Ensemble hat uns sofort gefallen. Die fantastische Lage im Ort und  der große Innenhof, der sofort zum Sitzen und Verweilen einlädt“, berichtet der aus Schalke Stammende. Nun wohnen er und seine Partnerin schon seit 2009 in dem malerisch von Wald und Flur umgebenden Dorf. Und haben sich natürlich auch mit der Geschichte vertraut gemacht.

„Der deutsch-südafrikanische Geologe Hans Merensky kaufte 1930 von Henning von Bülow das Gut Rodenwalde, das er schließlich von dem bekannten Architekten Werner Cords aus Parchim zu einem modernen Großgut ausbauen ließ“, weiß Uwe Julius, der selbstständiger Baustellenkaufmann ist. Sein Ziel: in spätestens zehn Jahren wolle man eigenen Wohnraum und einige Ferienwohnungen aufweisen können. „Wir machen alles selber. Man muss  handwerklich etwa geschickt sein, wenn man sich solch einen Lebenstraum an Land zieht. Und man muss schon ein kleines bisschen Spinner sein, ausgestattet mit ganz viel Naivität und Idealismus, um sich so etwas ans Bein zu binden“, schmunzelt Julius. Dafür sprächen auch die rund 70 Tonnen Schutt, Schrott und Dreck, die er und seine fleißige Frau bisher rausgeschleppt hätten.

Die so Gelobte winkt bescheiden ab und ergänzt: „Wir wollen einfach, dass das Gemäuer erhalten bleibt, dass das Gutsgelände wieder in seiner ursprünglichen Form so weit als möglich  hergestellt wird.“ Dann zeigt die 56-Jährige auf das Dach des Waagehauses, das bereits zu Dreivierteln neu gedeckt ist. „Da hat die ganze Familie mit angepackt, das hat irre viel Spaß gemacht.“

Das Gefühl, etwas repariert und bewahrt zu haben, sei ein zutiefst befriedigendes, gesteht Uwe Julius weiter. Und das klappe oftmals mit erstaunlich einfachen Mitteln. „Wir wollen hier keine fremden Millionen versenken. Wir streben nicht nach einem teuren Hotelbetrieb oder ähnlichem. Wir propagieren das einfache Leben und die Entschleunigung.“

Mit Handyempfang sei es in der Gegend nicht so doll, betont Anne Iborg, die ehemalige Krankenschwester. „Leute, die uns besuchen, geraten jedesmal in Panik, weil sie nicht erreichbar sind. Doch das verliert sich schon nach ein paar Tagen. Weicht dem Gefühl der Ruhe und Gelassenheit. Sie fahren dann als ganz andere Menschen wieder weg, sind viel geerdeter.“

Dann führt das Paar durch sein Reich, zeigt das Wohnzimmer oder zumindestens die Baustelle, wo einmal der Platz zum Ausruhen und Faulenzen sein soll. Noch erinnert zwar nur ein kleiner Ofen an den künftigen Verwendungszweck, aber vor dem geistigen Auge der beiden Enthusiasten scheint der Raum bereits komplett eingerichtet.

„Und hier kommt einmal meine große Küche hin. Mit einem riesigen Tisch in der Mitte, wo sich Familie und Gäste einfinden können. Dann habe ich genügend Platz zum Kochen“, schwärmt die Dame des Hauses und schwelgt offensichtlich schon in den ersten lukullischen Genüssen.

Weiter geht es in den Dachboden: Hier dominiert altes Fachwerk, teils von  Feuchtigkeit bereits in Mitleidenschaft gezogen. „Früher konnten an diesem Ort etwa 90 Tonnen Korn eingelagert werden. Das war für damalige Verhältnisse enorm“, erklärt Uwe Julius und spielt weiter den Haus- und Hof-Führer, vorbei an hölzernen  Schachtspeichern. Was mit dem alten Saal passieren solle, wisse er jetzt noch nicht, gesteht er an anderer Stelle. „Ich weiß nur eins: wir haben unseren Lebensmittelpunkt gefunden. Alles andere wird sich ergeben. Wir haben da vollstes Vertrauen in das Leben.“

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