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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 20:53 Uhr

Dersenow : Mädchen fackelt 135 Strohballen ab

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Eine 15-Jährige deutsche Bewohnerin des IB-Kinder- und Jugendheims Dersenow kokelte und versuchte dann zu löschen - erfolglos

svz.de von
erstellt am 28.Sep.2016 | 20:45 Uhr

Einer Zeugin waren die beiden Mädchen aus dem Kinder- und Jugendheim des Internationalen Bundes (IB), die am Dienstagabend aus Dersenow in Richtung Feld liefen, schon Stunden vorher aufgefallen. Grund war vor allem die überaus laute Musik aus dem mitgeführten Recorder. Als dann die Sirenen gingen, rief sie im Heim an und gab den Betreuern den Tip, doch mal ihre Schäfchen durchzuzählen. Und richtig: zwei fehlten.

Zum Glück sind bei dem Brand der 135 Strohballen, der gegen 21.40 Uhr gemeldet wurde, keine Personen zu Schaden gekommen. Die Freiwillige Feuerwehr Dersenow-Dammereez entschied sich, die auf eine Höhe von etwa acht Metern übereinander gestapelten Ballen kontrolliert abbrennen zu lassen.

Die riesigen Flammen waren weithin sichtbar und verbrannten 300 Quadratmeter Ackerfläche. Die einzelnen Strohballen auseinander zu ziehen und zu löschen, wäre zu gefährlich gewesen. „Zuerst waren auch die Wehren von Brahlstorf und Vellahn und damit rund 40 Kameraden vor Ort, doch die haben wir dann wieder weggeschickt“, berichtete Wehrführer Hardy Rose. Erst um sieben Uhr am Mittwochmorgen konnten die restlichen 15 Feuerwehrleute wieder abrücken.

„Das eine der beiden Mädchen hat gekokelt. Als das Feuer dann ausbrach, bekamen sie und ihre Freundin Angst und beide versuchten, das Feuer mit dem Schal der einen zu ersticken. Als das nicht klappte, riefen sie einen befreundeten Jungen aus dem Heim zu Hilfe. Der erstickte das Feuer mit seinem Pullover“, erläutert Kriminalhauptkommissarin Anke Dahlenburg, die noch in der Nacht vor Ort ermittelte, den Tathergang. „Nach ihrer Erzählung glaubten die Beteiligten, das Feuer wäre gelöscht, als sie den Brandort verließen.“

Doch dem war nicht so. Autofahrer bemerkten später von der B5 aus einen Feuerschein auf dem Feld bei Dersenow und verständigten die Freiwillige Feuerwehr.

„In den vergangenen zehn Jahren gab es schon andere Brände von Strohballen in Dersenow, die durch Jugendliche aus dem Heim verursacht wurden“, meint Anke Dahlenburg. „Dabei sehe ich keine Serie. Die Jugendliche diesmal ist erst seit vier Wochen im Heim. Eher sehe ich darin den Ausdruck der unruhigen Seelen, die in diesem Heim unterkommen.“

Erst im August 2014 zündeten zwei Mädchen und ein Junge zwischen 15 und 17 Jahren aus der Wohneinrichtung 100 Strohballen an.

„Die Jugendlichen von damals und die von heute sind sich nie begegnet“, sagt Heimleiter Sebastian Schröder. „Die Gründe für eine solche Tat sind tief in den Erlebnissen der Jugendlichen verwurzelt.“

Eine solche Tat könne beispielsweise der Ausdruck von Heimweh sein, mit dem die Jugendlichen eine Rückkehr in ihre Herkunftsfamilien erreichen wollten. Es könne aber auch der Versuch sein, negative Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Viele der Jugendlichen hätten schon eine lange Heimkarriere mit häufigen, zum Teil bewusst herbei geführten Abbrüchen des jeweiligen Aufenthaltsortes hinter sich. Ein mutwillig verursachtes Feuer könnte zu einem solchen Abbruch führen.

„Wir haben heute schon lange Gespräche mit dem Mädchen geführt, um die Ursachen zu ergründen“, berichtet Schröder. „Auch der Fachdienst Jugend vom Landkreis wird sich heute oder morgen einschalten. Gemeinsam werden wir besprechen, wie wir mit der Situation umgehen.“

Michael Hallmann, der Regionalleiter des IB Südwestmecklenburg, sieht keine schuldhafte Verletzung der Aufsichtspflicht seiner Mitarbeiter.

„Sie können die Jugendlichen nicht anbinden“, findet er.

„Jugendliche in diesem Alter müssen bei uns um 21.30 Uhr bettfertig sein und sich von ihrem Erzieher zur Nachtruhe verabschieden“, erklärt Sebastian Schröder.

„Als das Martinshorn um 21.40 Uhr ging, waren die Mädchen zum zweiten Mal an diesem Abend verschwunden. Eine Betreuerin ist sofort losgefahren, um sie zu suchen und hat sie dann in der Nähe des Feuers gefunden.“

Das betreffende Mädchen habe die Tat auch relativ schnell gestanden.

Brandstiftung kann auch bei Jugendlichen mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden“, so Anke Dahlenburg. Strafmindernd wirke, dass keine Wohnbauten und Menschen in Gefahr waren und das jugendliche Alter.

Der entstandene Sachschaden wird auf ca. 3 000 Euro geschätzt.

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